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BSK Saarland e. V.
49 von 52 Kommunen im Saarland gaben an, dass ihre Rathäuser barrierefrei seien. Doch wie sieht es vor Ort tatsächlich aus?
Der Saarländische Rundfunk (SR) wollte es genauer wissen und wandte sich für eine Überprüfung an den BSK Saarland e. V.
Nach einer Umfrage des SR hatten 49 der 52 saarländischen Kommunen angegeben, dass ihre Rathäuser barrierefrei seien. Im Gespräch mit dem Landesvorsitzenden des BSK Saarland e. V., Uwe Wagner, erfuhr die Redakteurin Stefanie Balle, dass mindestens die Hälfte der als barrierefrei gemeldeten Rathäuser diesen Anspruch in der Praxis nicht erfüllt.
Um die Angaben zu überprüfen, vereinbarte das SR-Fernsehen Interview- und Besichtigungstermine mit den Bürgermeistern von Merzig, Gersheim und Illingen. Bei den Terminen in Merzig und Gersheim begleitete Uwe Wagner das Fernsehteam. In Illingen übernahm Christoph Becker, Schatzmeister des BSK Saarland e. V., diese Aufgabe.
Merzig: Mängel trotz neu gebauter Behindertentoilette
Beim ersten Termin im Rathaus Merzig zeigte sich Oberbürgermeister überrascht, dass sein Rathaus nicht so barrierefrei ist, wie er angenommen hatte. Uwe Wagner machte auf erhebliche Mängel aufmerksam. Der Oberbürgermeister schlug daraufhin vor, die festgestellten Probleme bei einem gemeinsamen Folgetermin detailliert durchzugehen.
Als Erklärung für fehlende Barrierefreiheit wird häufig auf knappe finanzielle Mittel verwiesen. Doch nicht alle Mängel lassen sich damit begründen: Selbst die neu errichtete Behindertentoilette im Servicebereich wurde nicht fachgerecht geplant und umgesetzt. Hier zeigte sich vielmehr, welche Folgen fehlendes Wissen über die Anforderungen an Barrierefreiheit haben kann.
Gersheim: Barrierefreiheit erst in Planung
Anschließend führte die Fahrt ins Bliestal zur Gemeinde Gersheim. Bereits bei der Begehung wurde deutlich, dass das Rathaus keineswegs barrierefrei ist. Die Gemeinde hatte diesen Umstand in ihrer Rückmeldung an den SR selbst eingeräumt.
Im Interview erklärte der Bürgermeister jedoch, dass bereits Planungen liefen, um zumindest teilweise Barrierefreiheit im Rathaus herzustellen. Entscheidend wird nun sein, dass aus diesen Planungen konkrete Verbesserungen werden.
Illingen: Barrierefreier Zugang, aber erhebliche Defizite im Gebäude
In Illingen wartete Christoph Becker auf das Fernsehteam, um das Rathaus gemeinsam zu überprüfen. Zunächst gab es positive Aspekte: Direkt am Rathaus stehen Behindertenparkplätze zur Verfügung, außerdem ist ein barrierefreier Aufzug vorhanden.
Bei der weiteren Begehung wurden allerdings deutliche Schwachstellen sichtbar. Auf den Treppen fehlten kontrastreiche Markierungen, die Menschen mit Sehbehinderung bei der Orientierung helfen. Zudem waren die Flure zu dunkel und die Beschilderungen an den Türen zu klein.
Besonders gravierend waren die Mängel bei der als Behindertentoilette ausgewiesenen Sanitäreinrichtung. Diese entspricht nach Angaben des BSK nicht den erforderlichen Normen und ist dadurch für Menschen mit Behinderungen nicht geeignet nutzbar. Der Bürgermeister erklärte, dass im kommenden Jahr finanzielle Mittel bereitgestellt werden sollen, um die Toilette normgerecht umzubauen.
Barrierefreiheit ist mehr als eine Selbstauskunft
Die Besichtigungen in Merzig, Gersheim und Illingen machen deutlich: Die Einstufung eines öffentlichen Gebäudes als barrierefrei muss sich an den tatsächlichen Bedingungen vor Ort messen lassen. Ein Aufzug oder ein Behindertenparkplatz allein reichen nicht aus. Barrierefreiheit umfasst unter anderem zugängliche Sanitäranlagen, sichere Orientierungsmöglichkeiten und eine verständliche Beschilderung.
Damit Menschen mit Behinderungen öffentliche Gebäude selbstständig und gleichberechtigt nutzen können, müssen Barrieren erkannt und konsequent beseitigt werden. Dafür braucht es nicht nur finanzielle Mittel, sondern auch das notwendige Fachwissen und die Bereitschaft, Barrierefreiheit von Anfang an mitzudenken.