Suche schließen


Was wurde eigentlich aus dem Bahnhofsvorplatz in Verden?

Im Jahre 2017 konnten die Bürger*innen der Stadt Verden die Fertigstellung des Bahnhofvorplatzes beobachten.

von jw

  •  
  • Aus dem Verband

Die Freude über die Ausführung und die Nutzung als barrierefreie Fläche für Reisende aller Art hielt nicht lange an. Anfang Januar 2018 häuften sich Unfälle und Beschwerden von Menschen mit körperlicher Behinderung sowie Rollatornutzer*innen und man wandte sich deshalb Ende 2018 an das Fachteam Bauen des Bundesverbandes Selbsthilfe Körperbehinderter e.V. (BSK). Das Fachteam nahm sich des Themas an.

Zusammen mit dem Blinden- und Sehbehindertenverband Niedersachsen e.V. wurde im April 2021 eine gemeinsame Petition an den Niedersächsischen Landtag gestellt. Ziel der Petition war es, auf die unzureichende Rechtslage in Niedersachsen aufmerksam zu machen und eine verbindliche Festschreibung der Barrierefreiheit in den jeweiligen Gesetzen zu verankern, denn diese war zu diesem Zeitpunkt gesetzlich nicht festgeschrieben. Die Petition hatte Erfolg: Der Niedersächsische Landtag nahm sich der Empfehlung an und fasste einen Beschluss.

Am 18.05.2022 fand eine Vor-Ort-Begehung des Bahnhofsvorplatzes statt. Das Fachteam Bauen stellte dort alle bemängelten Punkte vor und forderte ein unabhängiges Gutachten von der Stadt Verden. Obwohl ein Gutachter vor Ort war, erhielt das Fachteam lediglich ein Protokoll. Die Stadt Verden wolle sich aber bis zum Frühjahr 2023 um die Beseitigung der Mängel kümmern. Mitte 2023 wurden dem Fachteam die beseitigten Mängel mitgeteilt. Die Stadt hat in einigen Punkten nachgebessert, sodass man im Ergebnis sagen kann, dass nun endlich ein zufrieden stellendes Ergebnis für alle Beteiligten erreicht wurde – nach mehr als 5 Jahren!

Dieses Beispiel zeigt, dass bei der Umsetzung der Barrierefreiheit noch ein großer Verbesserungsbedarf besteht. Verbände und Betroffene müssen von Anfang an mit einbezogen werden, schon bei der Planung und nicht erst am Ende, wenn alles bereits fertig ist. „Der Fall in Verden zeigt, dass Barrieren die selbstbestimmte Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigung ausgrenzen, diese im täglichen Leben eingeschränkt werden sowie die Gefahr von Unfällen für alle erhöht ist.“, so Julia Walter, Referentin für Barrierefreiheit beim BSK.