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Vorstellung der Gäste für das Podium der Krautheimer Gespräche 2026

Wer entscheidet über Wohnen, Teilhabe und Unterstützung? Bei den Krautheimer Gesprächen 2026 des BSK e.V. diskutieren Kandidat*innen aus unterschiedlichen Parteien über konkrete Schritte für ein selbstbestimmtes Leben von Menschen mit Behinderung.

von Jasmin Paul

Krautheimer Gespräche Logo und Datum, 20.02.26
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Es geht um Wohnraum, um Unterstützung, um Mitbestimmung – und um die Frage, wie die UN-Behindertenrechtskonvention im Alltag tatsächlich umgesetzt wird. Bei den Krautheimer Gesprächen 2026 des BSK e.V. kommen Vertreter*innen unterschiedlicher Parteien in Krautheim zusammen, um darüber zu sprechen.

Mit dabei:

Dr. Tim Breitkreuz (CDU)

Dr. Tim Breitkreuz ist CDU-Kreisvorsitzender, verheiratet und Vater von zwei Kindern. Im Ministerium der Justiz und für Migration von Baden-Württemberg setzt er sich für eine geordnete Migration und effektive Strafverfolgung ein. Seine wichtigsten Anliegen für die Politik der nächsten fünf Jahre in Baden-Württemberg sind die Sicherung von Arbeitsplätzen, beste Bildungschancen für alle Kinder und Sicherheit für die Bevölkerung. Er setzt sich für einen starken ländlichen Raum ein, in dem alle Menschen leben und teilhaben können. Privat ist er gerne in der Natur unterwegs – egal ob beim Zelten, Wandern oder Kajak-Fahren.

Drei Fragen vom BSK e.V. an Dr. Tim Breitkreuz

Was bedeutet für Sie persönlich „selbstbestimmtes Leben“ – und wo sehen Sie politische Ver-säumnisse?
Selbstbestimmtes Leben heißt für mich, so viel wie möglich selbstständig entscheiden und wählen zu können – etwa die eigene Wohnform. Ob allein, mit Assistenz, in einer WG oder im betreuten Woh-nen – und nicht aus Mangel an Alternativen in bestimmte Strukturen gedrängt zu werden. Dringenden Handlungsbedarf haben wir bei komplexen, bürokratischen Verfahren, die Teilhabe erschweren statt erleichtern.

Wie stellen Sie wirksame Beteiligung  von Menschen mit Behinderungen sicher?
Für mich als Landtagskandidat der CDU ist klar: Maßstab unseres Handelns ist die UN-Behinderten-rechtskonvention – insbesondere das Recht auf Zugänglichkeit und auf ein selbstbestimmtes Leben. Dabei gilt für uns der Grundsatz: „Nichts über uns ohne uns“. Beteiligung muss frühzeitig, verbindlich und auf Augenhöhe stattfinden. Auch die Mitwirkung an politischen Prozessen muss barrierefrei mög-lich sein – gerade auch was die Stimmenabgabe bei Wahlen angeht.

Welche konkrete Veränderung wäre in der nächsten Legislatur spürbar?
Mehr barrierefreier Wohnraum durch eine weiter gestärkte Wohnraumförderung, praxisnähere und weniger bürokratische Verfahren im Bereich der Eingliederungshilfe sowie gesicherte Unterstützungs-leistungen ohne Leistungskürzungen auf Landesebene. Unser Ziel ist eine verlässliche, finanzierbare und personenzentrierte Teilhabe in ganz Baden-Württemberg.

Jonas Aberle (SPD)

Jonas Aberle ist seit 2025 Gemeinderat in Öhringen und Vorsitzender des SPD-Kreisverband Hohenlohe. Beruflich kommt er aus der Industrie: Nach seiner Ausbildung zum Mechatroniker in der Automobilindustrie arbeitet er als An-lagenführer, Instandhalter und in der Produktentwicklung. Die Abläufe in Produktionsbetrieben kennt er ebenso wie die Anforderungen von Schichtarbeit und technischer Verantwortung aus eigener Erfah-rung. Sein politisches Engagement ist eng mit dieser beruflichen Praxis verbunden. Als Jugend- und Auszubildendenvertreter sowie gewerkschaftlich Engagierter setzt er sich für gute Ausbildungsbedin-gungen, faire Arbeitsverhältnisse und eine starke industrielle Basis in der Region ein. Als SPD-Kreis-tagskandidat bringt er Perspektiven aus der Arbeitswelt in die kommunalpolitische Verantwortung ein.

Drei Fragen vom BSK e.V. an Jonas Aberle

Was bedeutet für Sie „selbstbestimmtes Leben“ – und wo sehen Sie politische Versäumnisse?
Selbstbestimmt leben heißt: frei wählen können, wie und wo man wohnt – mit verlässlicher Unterstüt-zung und ausreichend barrierefreiem Wohnraum. In Baden Württemberg fehlen diese Wahloptionen noch oft. Die SPD will daher, dass Land und Kommunen mehr bezahlbare, barrierefreie Wohnungen schaffen. Insbesondere im öffentlichen und geförderten Wohnungsbau. So entstehen reale Alternati-ven, ohne privaten Neubau pauschal zu verpflichten.

Wie stellen Sie wirksame Beteiligung von Menschen mit Behinderungen sicher?
Beteiligung muss frühzeitig, barrierefrei und verbindlich sein. Konkret will ich Mitentscheidungsrechte in relevanten Gremien, barrierefreie Verfahren (analog und digital) und eine strukturelle Stärkung von Selbstvertretungsorganisationen. Das folgt dem Anspruch der SPD Baden-Württemberg, Politik am Menschen auszurichten und öffentliche Strukturen verlässlich zu machen.

Welche konkrete Veränderung wäre in der nächsten Legislatur spürbar?
Erstens: verbindliche, kontrollierte Vorgaben für barrierefreien Wohnraum im geförderten Bereich. Zweitens: verlässlich finanzierte Unterstützungsleistungen, damit Wahlfreiheit real wird. Drittens: Beim Gebäudetyp E verbinden wir einfacheres Bauen mit gesicherten Barrierefreiheits Mindeststandards, damit Vereinfachung nicht zu Lasten der Zugänglichkeit geht. Entscheidungen in Wohnen, Pflege und Teilhabe orientieren sich konsequent an Art. 9 und 19 der UN BRK.

Silvia Hapke-Lenz (FDP)

Silvia Hapke-Lenz ist Juristin und seit 1996 als Rechtsanwältin täig, seit 2008 mit eigener Kanzlei in Schwäbisch Hall. Bis 2020 war sie zudem Dozentin für Fachwirte bei der Industrie- und Handelskammer Heilbronn-Franken. Privat ist sie Mutter von zwei Kindern. Politisch engagierte sie sich bereits 2021 als Ersatzkandidatin bei der Landtagswahl für den Wahlkreis Schwäbisch Hall und kandidierte 2024 auf der Bundesliste der Freie Demokraten für die Europawahl. Seit dem 11. September 2025 ist sie Mitglied des Landtag von Baden-Württemberg. Dort arbeitet sie in den Ausschüssen für Wissenschaft, Forschung und Kunst sowie für Finanzen und ist Sprecherin ihrer Fraktion für Kultur. Ihr Engagement reicht darüber hinaus in die zivilgesellschaftliche Arbeit, unter anderem als Mitglied im Deutscher Anwaltverein e.V., der Deutsch-Britischen Juristenvereinigung e.V. und beim Aki Ambulanter Kinder- und Jugendhospizdienst Schwäbisch Hall e.V..

Mario Dietel (Bündnis 90/Die Grünen)

Mario Dietel ist Stadtrat in Öhringen und Kreisvorsitzender von Engagement begann 2019 im Umfeld der Klimabewegung. Aus dem Einsatz für konsequenten Klima-schutz entwickelte sich der Schritt in die Kommunalpolitik. In Öhringen setzt er sich für Nachhaltigkeit, eine langfristig lebenswerte Stadt, Jugendförderung sowie generationengerechte Finanzpolitik ein. Für den Wahlkreis Hohenlohe kandidiert er 2026 für den Land-tag von Baden-Württemberg. Dabei stehen für ihn eine starke Wirtschaft im ländlichen Raum, verläss-liche Infrastruktur, Klimaschutz und faire Aufstiegschancen im Mittelpunkt.
Seit Anfang 2025 arbeitet er im Staatsministerium Baden-Württemberg im Bereich Social Media und digitale Kommunikation. Zuvor begleitete er beim Kommunikationsbüro Ulmer in Stuttgart die digita-le Plattform der Nachhaltigkeitsstrategie des Landes. Seine berufliche Erfahrung bestärkt ihn in der Überzeugung, dass Politik verständlich, transparent und nah an den Menschen kommuniziert werden muss, um Vertrauen und demokratischen Zusammenhalt zu stärken.

Utz Mörbe (DIE LINKE)

Utz Mörbe, geboren 1983 in Stuttgart, ist Landesinklusionsbeauftragter der Partei DIE LINKE Baden-Württemberg und engagiert sich seit vielen Jahren in der Behindertenpolitik.
Politisch aktiv ist er seit 2005, zunächst in der WASG und anschließend in der Partei DIE LINKE. 2009 gehörte er zu den Mitbegründern der linksjugend [‚solid] Böblingen-Calw. Seit 2013 ist er Mitglied im Bundessprecher*innenrat der BAG Selbstbestimmte Behindertenpolitik und war langjähriger Vor-sitzender des Teilhabebeirats für Menschen mit Behinderung im Landkreis Böblingen; aktuell wirkt er weiterhin als Beauftragter für Menschen mit Behinderung im Landratsamt Böblingen mit. Zuvor war er viele Jahre als Werkstattrat tätig, unter anderem als Vorsitzender des Werkstattrats einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung im Kreis Böblingen. Diese Erfahrung prägt sein Engagement: Er setzt sich dafür ein, selbstbestimmte Behindertenpolitik verständlich zu machen und Inklusion in Schulen und Werkstätten in Baden-Württemberg voranzubringen. Dabei kämpft er unter anderem für faire Bezahlung in Werkstätten, bessere Ausstattung der Schulen und die konsequente Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention.

Podiumsteilnehmer

Portrait für die CDU, Dr. Tim Breitkreuz
Portrait für die Grünen, Mario Dietel
Portrait für die Linke, Utz Mörbe
Portrait für die FDP, Silvia Hapke-Lenz
Portrait für die SPD, Jonas Aberle