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Extrem beschwerlich: Bahnfahren für Rollstuhlfahrer

NDR-Beitrag vom 23. November: PANORAMA testet mit 3 Rollstuhlnutzern die neuen Metronom-Züge der Bahn. Ergebnis: weniger Rollstuhlplätze und fehlende Elektrorampe

von Julia Walter

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Am 23.11.2021 berichtete der NDR Panorama 3 über die neuen Metronom-Züge. Wenn etwas neu angeschafft wird, dann sollte es doch eigentlich besser sein als das Alte.

Bei der Bahn scheint das allerdings anders zu laufen. Das Bundesgleichstellungsgesetz sieht vor, dass bei Neuanschaffungen Barrierefreiheit im Verkehr erreicht werden soll. Aber die Wirklichkeit sieht anders aus. Panorama 3 ist mit Rollifahrern Bahn gefahren. Das Ergebnis: ernüchternd. Beispielsweise verfügt der neue Metronom nur noch über zwei und nicht mehr über vier Rollstuhlplätze.

Und für Rollstühle kann der Schaffner, anders als früher, keine Elektrorampe per Knopfdruck mehr ausfahren, sondern muss händisch ein schweres Blech auslegen. Nur so kann der Höhenunterschied zwischen Bahnsteig und Zug überwunden werden. Das Ziel muss aber ein niveaugleicher Einstieg sein. Technisch wäre das kein Problem.

Doch noch immer kommen neue Züge auf die Strecke, die das nicht bieten. Auch für den Fernverkehr der DB. Und so wird eine Fahrt im ICE für Menschen mit Behinderung oft eine zeitfressende Angelegenheit. Die Züge werden nach der anwendbaren Technische Spezifikation für die Interoperabilität (kurz TSI) bzgl. der Zugänglichkeit für Menschen mit eingeschränkter Mobilität (kurz PRM aus dem englischen people with reduced mobility) gebaut.

Diese muss dringend überarbeitet werden, denn von Barrierefreiheit kann hier längst nicht mehr gesprochen werden. Die TSI PRM lässt Rampensteigungen von bis zu 18 % zu. Konkret bedeutet das, dass Rollstuhlnutzer/innen ohne fremde Hilfe diese Steigung nicht bewältigen können. Von „[…] ohne fremde Hilfe, […] zugänglich und nutzbar […]“ (§ 4 Behindertengleichstellungsgesetz) ist das ziemlich weit weg.

Für den BSK e.V. ist es völlig unverständlich, dass bei den Zügen schwerpunktmäßig nur die TSI PRM berücksichtigt wird und die in Deutschland geltenden Gesetze gar keine bzw. geringe Beachtung finden. Das muss dringend angepasst werden. Zum Video-Beitrag des NDR.