Der Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e.V. kritisiert sowohl die geplante Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG) als auch die aktuellen Umbauplanungen der Deutschen Bahn am Bahnhof Bargteheide deutlich. Aus Sicht des Verbandes zeigt sich erneut ein strukturelles Problem: Barrierefreiheit wird angekündigt, aber nicht konsequent umgesetzt. Andreas Reigbert, Leiter der BSK-Kontaktstelle Bargteheide, schildert die Situation aus seiner langjährigen Erfahrung als festgefahren und politisch nicht gelöst: „Ich kämpfe bereits seit 2015 für einen barrierefreien Bahnhof in meiner Stadt Bargteheide. Voran komme ich leider nicht.“
Reigbert verweist darauf, dass ihm bereits am 26. August 2015 von der Deutschen Bahn schriftlich bestätigt wurde: Die Situation am Bahnhof sei für mobilitätseingeschränkte Reisende unbefriedigend und eine Verbesserung im Zuge der S4 notwendig. Gleichzeitig seien die Zeitpläne für die S4 über Jahre hinweg immer wieder verschoben worden – zunächst zwischen 2024 und 2027, inzwischen mit Perspektive auf 2028. „Die in Bargteheide lebenden Menschen mit Behinderung, mehr als 10 % der Bevölkerung, werden jetzt schon seit über zehn Jahren vertröstet“, so Andreas Reigbert. „Es ist an der Zeit, die Angelegenheit zu einem juristisch einwandfreien, sachgerechten und menschenwürdigen Abschluss zu bringen.“
Der BSK-Kontaktstellenleiter hat sich in diesem Zusammenhang erneut an alle Beteiligten gewandt – insbesondere an Deutsche Bahn und NAH.SH – und eine durchgängige Barrierefreiheit der S4 sowie aller Stationen mit niveaugleichem Ein- und Ausstieg eingefordert. Ebenso richtete er einen Appell an die Stadt Bargteheide sowie die politischen Vertreter*innen vor Ort, sich klar für eine vollständige Umsetzung einzusetzen.
Deutliche Kritik an Bahnplanung in Bargteheide
Die aktuellen Planungen der Deutschen Bahn zum Umbau des Bahnhofs im Zuge der S4-Anbindung stoßen auf breite Kritik. Sowohl CDU als auch Grüne in der Stadtvertretung sowie der Kreisbehindertenbeauftragte Jan-Philipp Pohst äußerten deutliche Kritik an den vorgelegten Planungen.
Nach der Vorstellung der Pläne im Ausschuss für Planung und Verkehr am 23. März 2026 wurde deutlich, dass der vorgelegte Stand den Anforderungen in zentralen Punkten nicht gerecht wird. Kritisiert werden insbesondere unvollständige Unterlagen, unklare Aussagen zur Umsetzung sowie gravierende Defizite bei der Barrierefreiheit und der städtebaulichen Anbindung.
Besonders problematisch ist aus Sicht der Kritiker, dass frühere Zusagen aus dem Planfeststellungsverfahren offenbar nicht in vollem Umfang berücksichtigt werden. Zudem fehlen tragfähige Lösungen für eine langfristige verkehrliche Entwicklung des Bahnhofs.
Die Kritik wird dabei fraktionsübergreifend geäußert. Damit wird deutlich, dass es nicht um parteipolitische Unterschiede geht, sondern um grundlegende strukturelle Mängel der Planung. Auch die Sorge wächst, dass kurzfristige Lösungen umgesetzt werden, die den Bahnhof bereits wenige Jahre später erneut zum Baustellenstandort machen würden.
Forderungen aus Politik und Selbstvertretung
Die Erwartungen von Bürger*innen, Politik und Selbstvertretung sind klar formuliert: ein barrierefreier Zugang, verlässliche Verkehrsverbindungen und eine Planung mit langfristiger Perspektive statt kurzfristigem Stückwerk.
SK-Kontaktstellenleiter Andreas Reigbert formuliert gemeinsam mit kommunalen Vertreter*innen und dem Kreisbehindertenbeauftragten drei zentrale Forderungen:
• Barrierefreiheit von Beginn an verbindlich einplanen und umsetzen.
• Zukünftige Verkehrsverbindungen bereits in der aktuellen Planung berücksichtigen.
• Geschlossenes Vorgehen von Stadt, Politik und Land gegenüber der Deutschen Bahn zur Durchsetzung notwendiger Nachbesserungen.
BSK: Es braucht Umsetzung, keine weiteren Verzögerungen
Der BSK e.V. betont, dass sich die Situation in Bargteheide exemplarisch in eine bundesweite Problemlage einfügt: Barrierefreiheit wird politisch zugesichert, aber in der Umsetzung immer wieder verschoben oder verwässert. Für Andreas Reigbert ist klar, dass es jetzt vor allem darauf ankommt, endlich verbindliche Schritte umzusetzen und die Planungen so voranzubringen, dass der Bahnhof den tatsächlichen Bedürfnissen vor Ort gerecht wird.

