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Workshop zum Forschungsprojekt „Selbstständige Bedienbarkeit fahrzeugseitiger Einstiegshilfen“
Im Forschungsprojekt „Selbstständige Bedienbarkeit fahrzeugseitiger Einstiegshilfen“ bringt sich Bernd Kittendorf, BSK-Mitglied und Experte für ÖPNV des LSK Saarland e.V., als ehrenamtlicher Projektteilnehmer im forschungsbegleitenden Arbeitskreis ein.
Partizipation ist im Zusammenhang mit Politik und politischen Entscheidungen ein für die Menschen mit Behinderungen wichtiges und aktuell sogar wichtiger werdendes Thema. Realisierte Barrierefreiheit ist für Menschen mit eingeschränkter Mobilität entscheidend, und so ist die Beteiligung in der diesbezüglichen Forschung für Organisationen der Menschen mit Behinderungen ebenfalls ein Thema, das nicht vernachlässigt werden darf.
Im Gegenteil. „Das Europäische Parlament [...] bedauert, dass Menschen mit Behinderungen und die sie vertretenden Organisationen aufgrund des derzeitigen Normungssystems nicht in angemessener Weise gleichberechtigt mit anderen Interessenträgern an den Tätigkeiten europäischer und einzelstaatlicher Normungsgremien mitwirken können, wenn Normen für die Barrierefreiheit ausgearbeitet werden; fordert daher eine bessere Vertretung innerhalb des Normungssystems und eine ausgewogene Vertretung unter den benannten Sachverständigen, damit mit den Rechtsvorschriften und Normen der Union im Bereich der Barrierefreiheit ein angemessenes Ergebnis erzielt wird“, steht unter anderem in einer Entschließung des Europäischen Parlaments vom 4. Oktober 2022.
Im November 2025 hat in Berlin-Adlershof an zwei Tagen der inzwischen dritte Workshop des Forschungsprojekts „Selbstständige Bedienbarkeit fahrzeugseitiger Einstiegshilfen“ stattgefunden. Das BSK-Mitglied Bernd Kittendorf ist für den BSK-Landesverband Selbsthilfe Körperbehinderter Saarland (LSK Saarland) e.V. als dessen Experte für ÖPNV ehrenamtlicher Projektteilnehmer im forschungsbegleitenden Arbeitskreis und hat in seinem Rollstuhl und mit seiner Ehefrau und Begleitperson Claudia Kittendorf-Wolf mit ihrem Rollator daran teilgenommen.
Zum Forschungsprojekt: Bei der Eisenbahn in Deutschland besteht an vielen Stationen nach wie vor das Problem, dass Einstiegshöhe der Fahrzeuge und Bahnsteighöhen nicht für einen
„niveaugleichen Einstieg“ zueinander passen. Deshalb werden auf manchen Bahnsteigen Hublifte und Rampen bereitgehalten und in manchen Zügen mobile Faltrampen und eingebaute Hublifte als „Einstiegshilfen“ insbesondere für Menschen im Rollstuhl vorgesehen. Allerdings ist diese Lösung nicht im Einklang mit der in der UN-Behindertenrechtskonvention vorgesehenen größtmöglichen Unabhängigkeit für die vorgesehenen Nutzer, denn diese Lösungen setzen alle Personal am Bahnsteig oder die Bedienung der Einstiegshilfen durch Zugpersonal und damit „fremde Hilfe“ voraus. Spontanem Reisen sind in der Folge Grenzen gesetzt.
Das Bundesverkehrsministerium hat deshalb sein Eisenbahnbundesamt mit einer Forschung beauftragt. Konkret hat das Deutsche Zentrum für Schienenverkehrsforschung (DZSF) als Auftraggeber nach einer Ausschreibung das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) beauftragt, die Anforderungen an solche von den Nutzern selbst bedienbaren Einstiegshilfen zu ermitteln. Unbestritten ist dabei, was vom damaligen Leiter der Europäischen Eisenbahnagentur schon vor Jahren festgestellt wurde: Die Angleichung der Bahnsteighöhen ist der einzige Weg, in großem Umfang Barrierefreiheit voranzubringen. Doch für eine Übergangszeit sind ebenfalls technische Lösungen erforderlich.
Im Workshop waren folgende Akteure vertreten: Rollstuhlfahrende, Behinderten- und Fahrgastverbände, Begleitpersonen mobilitätseingeschränkter Fahrgäste, Hersteller von Einstiegshilfen, Hersteller von Schienenfahrzeugen, Eisenbahnverkehrsunternehmen und Eisenbahninfrastrukturunternehmen, Aufgabenträger und Branchenverbände und zusätzlich für die wissenschaftliche Begleitung ein Team des DLR-Instituts für Fahrzeugkonzepte sowie Mitarbeiter des DZSF.
Ein Großteil der Arbeit im Workshop erfolgte in drei gemischten Gruppen, in denen jeweils die verschiedenen Akteure vertreten waren. Überdies gab es eine Präsentation von fahrzeugseitigen Rollstuhl-Liften der Hersteller Högg-Simplify Engineering und Palfinger.
Seitens des Projekts wurde im Protokoll festgehalten: „Das Team bedankt sich sehr herzlich bei allen Teilnehmenden für die Fülle an wertvollen Hinweisen, die sehr fokussierte Arbeitsweise und den engagierten Einsatz bei der Anforderungserhebung. Der Workshop zeichnete sich durch eine sehr konstruktive, respektvolle und freundliche Gesprächsatmosphäre aus, und der Umgang unter den Teilnehmenden war geprägt von gegenseitiger Wertschätzung und Offenheit.“ Das war aus den Reihen der Teilnehmer im Abschlussgespräch auch zu hören und kann genauso bestätigt werden. Dazu war Vorarbeit nötig, denn in solchen Forschungsprojekten ist die Vorgehensweise keineswegs immer so. Den Weg in diese Richtung bereitet hat die Argumentation von den Herren Alexander Ahrens (ISL) und Bernd Kittendorf ab den frühen Tagen des Forschungsprojekts, die auf offene Ohren bei den Durchführenden und auch beim Auftraggeber trafen.
Seitens der verschiedenen Beteiligten wurde auch angesprochen, welche Voraussetzungen bestehen, damit die am Ende des Projekts definierten möglichen Lösungen tatsächlich umgesetzt werden. Zum Ausblick gehört, dass nach Abschluss der Studie ein Bericht mit einem abgestimmten Anforderungskatalog verfügbar sein wird. Die Studienergebnisse sollen eine Grundlage bieten für zukünftige Fahrzeugausschreibungen und -nachrüstungen. Überdies will das DZSF die Ergebnisse nutzen, um Anpassungen von Ausschreibungen und fallweise von Normen voranzutreiben.