Exklusive Erstbegehung

Modernisiertes BSK-Gästehaus in Krautheim setzt neue Maßstäbe für Barrierefreiheit

Mit einer exklusiven Begehung für geladene Gäste hat der Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderte (BSK) e.V. sein umfassend modernisiertes, barrierefreies Gästehaus erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

von Jasmin Paul

Viele Interessierte im Flur des Gästehauses
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Nach der Eröffnung im Jahr 2005 wurde das Haus in den vergangenen Monaten grundlegend nach aktuellen DIN-Vorgaben saniert und gemäß modernsten Brandschutzstandards auf den neuesten Stand gebracht. 
Unter den Gästen befanden sich neben BSK-Vorstandsmitgliedern und ehrenamtlich Engagierten aus den Beratungsstellen des Verbands auch zahlreiche kommunale und regionale Vertreter – darunter Krautheims Bürgermeister Andreas Insam, zahlreiche Stadträte sowie Mitglieder des Kreistags. Ebenfalls anwesend waren Bewohner*innen des Eduard-Knoll-Wohnzentrums (EKWZ), dessen Geschäftsführerin Nadine Kress sowie Stefan Blank, Geschäftsführer der Krautheimer Werkstätten (WfbM).

„Herzlich willkommen im BSK-Gästehaus! Schön, dass Sie da sind. Mitten in Krautheim an der Jagst erwartet Sie ein Ort, der ganz im Zeichen von Barrierefreiheit, Teilhabe und Gemeinschaft steht“, begrüßte die BSK-Bundesvorsitzende Verena Gotzes die Gäste. 

Weiter betonte sie die gesellschaftliche Dimension des Projekts: „Unser Haus wurde modern und nach neuesten Standards gestaltet, um allen Gästen – unabhängig von individuellen Voraussetzungen – einen sicheren, komfortablen und selbstbestimmten Aufenthalt zu ermöglichen. Denn unser BSK versteht Inklusion nicht als wohlwollendes Angebot, sondern als Menschenrecht.“ 

Verena Gotzes erinnerte auch an die 20-jährige Geschichte des Hauses und würdigte die jüngsten Anstrengungen: „Wir haben in den letzten Monaten viel Mühe in die Renovierung dieses Gästehauses gesteckt und präsentieren es Ihnen heute voller Stolz. Mein besonderer Dank gilt allen Beteiligten, die den heutigen Tag möglich gemacht haben.“ 

Barrierefreiheit bis ins Detail – nach aktuellen DIN-Normen

Die Modernisierung orientiert sich konsequent an den aktuellen DIN-Vorgaben für barrierefreies Bauen. Alle zwölf Zimmer – darunter acht Doppel- und vier Einzelzimmer – verfügen über barrierefreie Bäder, breite Türen (95 cm) sowie eine durchdachte Raumgestaltung für hohe Bewegungsfreiheit.

Das Gebäude ist vollständig per Aufzug erschlossen, verfügt im Dachgeschoss über zwei Evakuierungsräume, die als Aufenthaltsraum genutzt werden können, sowie einen Seminarbereich im Untergeschoss. Ergänzt wird das Konzept durch neue Brandschutzmaßnahmen, darunter eine moderne Brandmeldeanlage und zwei zusätzliche, besonders breite Außentreppen als Rettungswege. Diese sind sowohl vom Dachgeschoss als auch vom Obergeschoss aus erreichbar.  Assistenzhunde sind ausdrücklich willkommen – ein weiterer Baustein für echte Teilhabe in Alltag und Freizeitgestaltung. 

„Manchmal scheitert es an wenigen Zentimetern“ 

In seinem Grußwort unterstrich Bürgermeister Andreas Insam die Bedeutung des Projekts für die Region: „Barrierefreiheit scheitert oft schon an ein paar Zentimetern – auch wenn es nicht so sein sollte. Umso schöner ist es, dass der BSK sein Gästehaus nun wieder in Betrieb nehmen kann.“

Mit Blick auf den Standort Krautheim ergänzte er: „Krautheim liegt direkt am 4-Sterne-Jagsttalradweg und bietet über das Jahr hinweg viele attraktive Veranstaltungen. Das ist auch für Menschen mit Behinderung – etwa für Handbike-Ausflüglerinnen und -Ausflügler – hochinteressant. Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit und den Ausbau des Tourismus-Netzwerks gemeinsam mit dem BSK.“ 

Ein Kraftakt mit vielen Beteiligten 

Der Umbau des Gästehauses stellte alle Beteiligten vor große Herausforderungen – nicht nur baulich, sondern auch finanziell. Denn die Kosten im oberen sechsstelligen Bereich musste der BSK größtenteils aus Vereinsmitteln aufbringen. „Ein besonderer Dank gilt dem Architekturbüro Herzog & Bujok aus Bad Mergentheim als langjährigem, verlässlichen Partner, der die termingerechte Fertigstellung zu den Krautheimer Gesprächen ermöglicht hat“, erklärte Marco Volk, Mitglied der BSK-Geschäftsstellenleitung. 

Er ergänzte: „Viele beteiligte Unternehmen haben mit außergewöhnlichem Engagement gearbeitet – teils abends, am Wochenende und sehr kurzfristig. Nur so konnte die fristgerechte Brandschutzabnahme sichergestellt werden. Auch wenn noch nicht jedes Detail abgeschlossen ist und die Küchen in den Gemeinschaftsräumen noch eingebaut werden müssen: Die zwölf Zimmer sind bereits bezugsfertig.“ 
Ein erster Praxistest erfolgte bereits: Im Rahmen der Krautheimer Gespräche am Wochenende nutzten BSK-Vorstandsmitglieder und ihre Assistenzen das Gästehaus für einen Probelauf. 

Offen für alle – ein Haus für Begegnung, Bildung und Erholung 

Das Gästehaus ist offen für alle, unabhängig von einer BSK-Mitgliedschaft. Es richtet sich an Einzelreisende, Gruppen, Seminarteilnehmende, Radreisende sowie Angehörige von Bewohner*innen des EKWZ – mit und ohne Behinderung. 

Neben touristischen Aufenthalten bietet das Haus auch neue Möglichkeiten für Schulungen, Selbsthilfe-Treffen und ehrenamtliche Arbeit des BSK vor Ort. Flexible Check-in-Lösungen mittels Schlüsselkasten sorgen dabei für eine unkomplizierte Nutzung. 

Mit der Wiedereröffnung setzt der BSK ein starkes Zeichen: für konsequent umgesetzte Barrierefreiheit, für gelebte Inklusion – und für einen Ort, der Menschen zusammenbringt. 

Impressionen des neuen Gästehauses

Interessierte im Gästehaus
Gästehausbesichtigung
Zwei Rollstuhlfahrende inspizieren ein Zimmer
Zimmerbild - Bett + Schrank
Zimmerbild - Tisch und Stuhl