BSK e.V. in Duderstadt

„Menschenrechte sind nicht verhandelbar“

„Menschenrechte sind nicht verhandelbar“ – unter diesem Motto werden am 6. Mai in Duderstadt Menschen mit Behinderungen und ihre Unterstützer gegen den „drohenden Kahlschlag im Sozialen“ auf die Straßen gehen.

von Erik Kleinfeldt

Schriftzug: Protestaktion am 6. Mai 2026 in Duderstadt für Menschrenrechte und Teilhabe
Schriftzug: Protestaktion am 6. Mai 2026 in Duderstadt für Menschrenrechte und Teilhabe
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Anlässlich des „Europäischen Protesttages für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen“ lädt ein breites Bündnis von Organisationen der Behinderten-(selbst-)hilfe zu einer Demonstration und einem anschließenden „Markt der (Teilhabe-)Möglichkeiten“ ein.

„Das Recht auf selbstbestimmtes Leben von Menschen mit Behinderungen ist in der Tat ein Menschenrecht. Bereits 2009 hat die Bundesrepublik Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention unterzeichnet und sich verpflichtet, für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderungen stark zu machen“ stellt Erik Kleinfeldt vom Verein Selbsthilfe Körperbehinderter Göttingen, dar. Derzeit, so der Sprecher des Aktionsbündnisses „Inklusives Göttingen“, stünden die Bemühungen für Inklusion und Teilhabe behinderter Menschen aber auf der Kippe. Grund sind aktuelle Überlegungen der Bundesregierung, über Kürzungen im Sozialen Gelder einzusparen und so auch die Kommunen zu entlasten.

Ein entsprechendes internes Arbeitspapier einer Arbeitsgruppe der Bundesregierung mit über 100 Sparvorschlägen hat der Paritätische Wohlfahrtsverband Mitte April veröffentlicht. Viele Vorschläge kämen einer faktischen Entrechtung von Menschen mit Behinderungen gleich, so Kleinfeldt: „Um Geld zu sparen, sollen Hilfeleistungen “gepoolt“ werden – an die Stelle von Einzelfallhilfen sollen oftmals pauschale Hilfsangebote von Institutionen treten. Statt individueller Bildungsbegleiter erhielten betroffene Kinder dann ihre Unterstützung von Helfern, die für ganze Klassenverbände oder Kitagruppen zuständig sind. Grundsätzlich ist zu begrüßen, wenn sich Institutionen um mehr Inklusion bemühen und entsprechende Ressourcen vorhalten. Dazu muss man aber wissen, dass in dem Bereich etwa der Schulsozialarbeit in den letzten Jahren eher Personal ab- als aufgebaut wurde. Die Experten auf diesem Gebiet fehlen vielerorts schlichtweg… und sind durch den aktuellen Fachkräftemangel auch nicht umgehend aufzubauen.“ Kleinfeldt befürchtet daher, dass betroffene Kinder und Jugendliche durch die Kürzungen schlechter gestellt werden: „Gesehen wird vor allem das Einsparpotenzial, aber nicht die Lücke, die wegfallende Einzelfallhilfen in der Versorgung hinterlassen.

Außerdem denkt keiner an jene Kinder, die aufgrund ihrer Beeinträchtigung eine feste Bezugsperson brauchen und deren Teilhabe ohne individuelle Hilfe gar nicht möglich wäre.“ Das wäre z.B. bei Kindern mit einer autistischen, emotionalen oder kognitiven Einschränkung häufig der Fall. „Aber auch erwachsene Menschen mit Behinderungen müssen Nachteile befürchten. Sollte man ernsthaft das Konzept der Persönlichen Assistenz in Frage stellen, wären womöglich viele Menschen die trotz schwerer Behinderung aktuell selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden leben, gezwungen, in ein Pflegeheim oder ein Wohnheim für Menschen mit Behinderungen umzuziehen. Das untergräbt nicht nur die Selbstbestimmung betroffener Menschen - auch hier gilt: diese Plätze gibt es gar nicht!“

um Protest gegen diese Entwicklungen möchte das Bündnis am 6. Mai viele Menschen mobilisieren. Aber nicht nur das: „Wir möchten auf dem anschließenden „Markt der (Teilhabe-)Möglichkeiten“ auch zeigen, wie vielfältig und wirksam die aktuellen Hilfen für Menschen mit Behinderungen überhaupt sind,“ erklärt Erik Kleinfeldt. „Vor der Oberkirche in Duderstadt haben wir daher am 6 Mai 
einen bunten Markt von Unterstützungsangeboten sozialer Träger aufgebaut.. Zudem werden Betroffene auf unserer Bühne berichten, wie ihnen die Hilfen den Alltag mit Behinderung erleichtern und was die Kürzungen für ihr Leben bedeuten würden.“ 

Der „Markt der Teilhabe-)Möglichkeiten“ findet am 

06. Mai von 
15:30 bis 18 Uhr 
in Duderstadt vor der Oberkirche (St. Cyriakus) statt. 

Der Protestzug startet um 15:30 Uhr am ZOB und bewegt sich über den Sachsenring und die Bahnhofstraße zur Oberkirche. Das Bühnenprogramm findet zwischen 16 und 17:30 Uhr statt, es wird durch eine Gebärdendolmetscherin für Gehörlose übersetzt. Zwischen den Redebeiträgen spielt die Band „GeräuschPegel!“ der Harz-Weser-Werke. Zudem versorgt die Lebenshilfe Eichsfeld die Veranstaltung mit Waffeln und Getränken.  

Schriftzug wie auf dem Eingangsbild, Plakat mit den wichtigsten Infos aus Duderstadt, ein Demobild und weiterer Text: „Menschenrechte sind nicht verhandelbar“ – Am 6. Mai werden in Duderstadt Menschen mit Behinderungen gegen den „drohenden Kahlschlag im Sozialen“ auf die Straßen gehen. Ein breites Bündnis von Organisationen der Behinderten-(selbst-)hilfe lädt zu einer Demonstration und dem „Markt der (Teilhabe-)Möglichkeiten“ ein.