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Netzwerktreffen des BSK vermittelt aktuelles Wissen zu Vorsorge und Betreuung

Gemeinsam beraten. Gemeinsam stärken.

Wie gelingt Selbstbestimmung in schwierigen Lebensphasen? Beim Netzwerktreffen der ehrenamtlichen BSK-Berater*innen standen Vorsorge, rechtliche Absicherung und der Austausch über die Begleitung von Menschen mit Behinderungen im Mittelpunkt.

von Jasmin Paul

Gruppenfoto im Grünen
hinten stehend von links: Marco Volk, Gasthörerin Karin Jungmann, Roland Schiese, Martina Scheel, Birgit Barthel, Walter Leyh, Inge Schulze. Im Rollstuhl: Lothar Kempf, Klaus Günter Mattlat, Rudi Bamberger und Hartmut Schulze
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  • Aus dem Verband

Wie erklärt man einer Familie den Unterschied zwischen Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung? Was rät man Eltern, die sich Gedanken über die zukünftige Absicherung ihres Kindes mit Behinderung machen? Und wie spricht man über Krankheit, Sterben und Vorsorge, ohne dass die Angst den Blick auf das Wesentliche verstellt?

Mit genau diesen Fragen werden die ehrenamtlichen Berater*innen des Bundesverbandes Selbsthilfe Körperbehinderter e. V. (BSK) immer wieder konfrontiert. Antworten darauf gab das diesjährige Netzwerktreffen zum Thema „Selbstbestimmt in allen Lebenslagen?!“, das vom 10. bis 12. Juli 2026 in Pforzheim stattfand. Elf Teilnehmende aus Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hessen und Schleswig-Holstein nutzten die Gelegenheit, ihr Fachwissen zu vertiefen, Erfahrungen auszutauschen und ihr Netzwerk weiter auszubauen.

Schon zum Auftakt wurde deutlich, dass dieses Wochenende weit mehr sein würde als eine klassische Fortbildung. Gemeinsam mit BSK-Vorstandsmitglied Hartmut Schulze diskutierten die Teilnehmenden über Barrierefreiheit, Inklusion und gesellschaftliche Teilhabe. Schnell entwickelte sich ein lebendiger Austausch über die Herausforderungen, mit denen Menschen mit Behinderungen im Alltag konfrontiert sind, über politische Entwicklungen und darüber, wie Selbsthilfe Orientierung geben und Menschen auf ihrem Weg zu einem möglichst selbstbestimmten Leben begleiten kann.

Im Mittelpunkt des Samstags standen dann die rechtlichen Grundlagen der Vorsorge. Rechtsanwältin Isabel Hutter-Vortisch führte die Teilnehmenden in drei aufeinander aufbauenden Vorträgen durch die Themen Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung, Patientenverfügung sowie Behindertentestament. Komplexe juristische Zusammenhänge wurden verständlich erklärt und immer wieder mit Beispielen aus der Beratungspraxis verknüpft. Die Ehrenamtlichen erhielten wertvolle Hinweise darauf, worauf sie Ratsuchende aufmerksam machen sollten, welche Missverständnisse häufig auftreten und an welchen Stellen eine weiterführende fachliche Beratung notwendig ist.

Einen Perspektivwechsel bot anschließend Dr. Johann Mayer-Pflomm vom Amtsgericht Pforzheim. Er gewährte einen Einblick in die Arbeit des Betreuungsgerichts und zeigte anschaulich, wie Betreuungsverfahren heute ablaufen. Besonders eindrücklich war die Erkenntnis, dass moderne gesetzliche Betreuung nicht Bevormundung bedeutet, sondern konsequent auf die Selbstbestimmung und den Willen der betroffenen Person ausgerichtet ist. Für die Ehrenamtlichen war der direkte Austausch mit einem Betreuungsrichter eine besondere Bereicherung, denn viele Fragen aus ihrer täglichen Beratungsarbeit konnten unmittelbar diskutiert und eingeordnet werden.

Am Sonntag richtete Christoph Schubert vom Caritas-Betreuungsverein Pforzheim den Blick auf die praktische Umsetzung rechtlicher Betreuung. Er machte deutlich, welche wichtige Rolle Betreuungsvereine bei der Begleitung ehrenamtlicher Betreuer*innen spielen und wie wichtig eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten ist. Gerade für die Beratungsarbeit des BSK bot dieser Vortrag zahlreiche Anknüpfungspunkte. Er zeigte, welche Unterstützung Betreuungsvereine bieten können, wo die Grenzen einer rechtlichen Betreuung liegen und wie wertvoll gut funktionierende Netzwerke für Betroffene und ihre Angehörigen sind.

Den Abschluss bildete der Online-Vortrag von Dr. Eva Mörike, Fachärztin für Allgemein- und Palliativmedizin. Sie beleuchtete die medizinischen Aspekte der Patientenverfügung und machte deutlich, dass gute Vorsorge nicht mit dem Ausfüllen eines Formulars beginnt, sondern mit der Auseinandersetzung mit den eigenen Werten und Vorstellungen. Die Teilnehmenden erhielten einen verständlichen Einblick in medizinische Entscheidungsprozesse und erfuhren, warum Gespräche über Vorsorge so wichtig sind – gerade weil sie vielen Menschen schwerfallen.

So unterschiedlich die einzelnen Themen auch waren – sie verband ein gemeinsamer Gedanke: Selbstbestimmung braucht Wissen. Und genau dieses Wissen benötigen auch diejenigen, die Menschen im Alltag beraten und begleiten. Die Ehrenamtlichen nahmen deshalb nicht nur aktuelles Fachwissen mit nach Hause, sondern auch mehr Sicherheit im Umgang mit komplexen Fragestellungen. Viele der behandelten Themen gehören inzwischen zum festen Bestandteil ihrer Beratungsarbeit – von Fragen zur Vorsorgevollmacht über die gesetzliche Betreuung bis hin zum Behindertentestament oder zur Patientenverfügung.

Mindestens ebenso wertvoll wie die Vorträge waren die zahlreichen Gespräche zwischen den Programmpunkten. In den Pausen, beim gemeinsamen Abendessen und bis in die Abendstunden hinein wurden Erfahrungen ausgetauscht, schwierige Beratungsfälle diskutiert und Kontakte geknüpft. Dabei ging es längst nicht nur um Vorsorgevollmachten oder Patientenverfügungen. Ebenso intensiv wurde über Barrierefreiheit, Inklusion, Teilhabe, Sozialrecht und die vielfältigen Herausforderungen eines selbstbestimmten Lebens mit Behinderung gesprochen. Die Teilnehmenden profitierten von den unterschiedlichen Erfahrungen aus ihren Regionen, entwickelten gemeinsam Lösungsansätze und stärkten ihr Netzwerk weit über die eigentlichen Seminarinhalte hinaus. Genau dieser offene Austausch ist ein wesentlicher Bestandteil der BSK-Selbsthilfearbeit. Denn niemand muss jede Frage allein beantworten – das gemeinsame Wissen und die Erfahrungen des Netzwerks stärken jede einzelne Beraterin und jeden einzelnen Berater.

Auch die erste Auswertung der Veranstaltung zeigt bereits eine sehr positive Resonanz. Die Teilnehmenden bewerteten sowohl die fachliche Qualität der Referierenden als auch den hohen Praxisbezug der Vorträge und die intensiven Austauschmöglichkeiten ausgesprochen positiv. Besonders geschätzt wurden die offene Atmosphäre, die Möglichkeit, eigene Fragestellungen einzubringen, sowie die vielen Gelegenheiten zur Vernetzung über die eigentlichen Schulungsinhalte hinaus. Deutlich wurde aber auch der Wunsch, künftige Netzwerktreffen an einem zentraler gelegenen Veranstaltungsort auszurichten. Eine bessere Erreichbarkeit könnte weiteren Ehrenamtlichen die Teilnahme erleichtern und das wertvolle Netzwerk des BSK noch weiter wachsen lassen. 

Das Netzwerktreffen hat einmal mehr gezeigt: Gute Beratung lebt von aktuellem Fachwissen. Sie lebt aber ebenso von Menschen, die bereit sind, ihr Wissen miteinander zu teilen, voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu unterstützen. Genau dieses Miteinander macht die ehrenamtliche Beratungsarbeit des BSK aus – und kommt am Ende den Menschen zugute, die auf kompetente Begleitung und verlässliche Ansprechpartner angewiesen sind. Denn Selbstbestimmung entsteht nicht von allein – sie braucht Menschen, die zuhören, Wissen teilen und gemeinsam Verantwortung übernehmen. Genau dafür steht das Netzwerk des BSK.

Ein paar Eindrücke des Events

Dank an die Vortragende von Marco und Jasmin.
Teilnehmende im Seminarraum
Drei Teilnehmende im Seminarraum
Klaus Günter Mattlat hält eine Karte hoch, auf der steht: So fühlt sich Respekt an.
Der gesamte Vortragsraum
Teilnehmende beim Essen
Rudi Bamberger und Birgit Barthel
Vortragender und Teilnehmende, die lauschen
Eine Folie zum Thema Betreuungsrecht
Folie und Vortragender