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BSK-Landesverband Selbsthilfe Körperbehinderter Saarland e.V.

Fehlende Barrierefreiheit bei den Special Olympics

BSK Saarland e.V. kritisiert gravierende Mängel an mehreren Veranstaltungsorten

von Uwe Wagner & Jasmin Paul

Rollstuhlfahrende scheitern bei Kabelkanal
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  • Aus dem Verband

Die Special Olympics stehen für Inklusion, gleichberechtigte Teilhabe und sportliche Höchstleistungen. Umso unverständlicher ist es aus Sicht des BSK-Landesverbands Selbsthilfe Körperbehinderter Saarland e.V., dass an mehreren Veranstaltungsorten erhebliche Barrieren bestanden – obwohl teilweise Millionenbeträge in die Modernisierung der Sportstätten investiert wurden. Bereits im Vorfeld der Spiele hatte der BSK-Landesvorsitzende im Saarland, Uwe Wagner, auf zahlreiche Defizite hingewiesen. Gemeinsam mit dem Saarländischen Rundfunk überprüfte er mehrere Veranstaltungsorte und dokumentierte die bestehenden Mängel. 
Sportanlage „Am Kieselhumes“ in Saarbrücken

Trotz umfangreicher Investitionen wurden nach Angaben des BSK wesentliche Anforderungen der DIN 18040 nicht erfüllt:
• keine ausgewiesenen Behindertenparkplätze
• schlecht befahrbare Wege zur Sportstätte
• ausgeschilderte barrierefreie Toilette mit erheblichen Mängeln: nur ein Haltegriff (locker)|keine Rückenlehne|kein Notruf|kein Spiegel|kein geschlossener Mülleimer|erhebliche hygienische Mängel

„Das war eine Toilette des Grauens. Dabei wäre genügend Platz vorhanden gewesen, um die bestehende Toilette problemlos nach der DIN 18040 nachzurüsten“, kritisiert Uwe Wagner. Erst auf Nachfrage vor Ort wurde auf eine weitere barrierefreie Toilette im Neubau hingewiesen. Diese entsprach zwar den Anforderungen, war jedoch kaum ausgeschildert und für Besucherinnen und Besucher nur schwer zu finden. 

Nach Ausstrahlung des Fernsehbeitrags kündigte die Stadt Saarbrücken an, die bestehende Toilette entsprechend umzubauen. „Da hat sich der Einsatz des BSK Saarland ja doch gelohnt“, so Wagner! 
Sporthalle „In den Fliesen“ in Saarlouis.

Auch die für rund zwei Millionen Euro sanierte Sporthalle weist aus Sicht des BSK erhebliche Barrieren auf. „Für dieses Geld hätte man deutlich mehr Barrierefreiheit erreichen können“, bemängelt Uwe Wagner. 
Die Kritikpunkte: 
• Türen zur eigentlichen Sporthalle sind für Rollstuhlnutzende zu schmal
• Zugang zur Wettkampffläche nur über einen Nebeneingang möglich
• Rollstuhlfahrende müssen quer über das Spielfeld fahren
• Tribüne wegen fehlendem Aufzug nicht erreichbar
• Toilettengang während laufender Wettkämpfe nur eingeschränkt möglich
• barrierefreie Toilette entspricht trotz Nachrüstung nicht der DIN 18040: Umsetzen nur von einer Seite möglich|Haltegriffe mit nur 70 statt vorgeschriebenen 85 Zentimetern|Spülauslösung am Haltegriff fehlt
• keine Behindertenparkplätze

Tbilisser Platz in Saarbrücken 
Auch das Rahmenprogramm der Special Olympics war nach Ansicht des BSK nicht konsequent barrierefrei. Beanstandet wurden unter anderem:
• Kopfsteinpflaster als schwer befahrbarer Untergrund
• nur einer von sechs Kabelkanälen mit geeigneter Überfahrhilfe
• erhöhte Böden der Veranstaltungszelte machten diese für viele Rollstuhlnutzende unzugänglich
• bei der Abschlussveranstaltung war die Bühne für Rollstuhlfahrende kaum einsehbar

Positiv hebt der BSK den barrierefreien Toilettencontainer der Initiative „Toiletten für alle“ hervor, der mit Pflegeliege und Deckenlifter ausgestattet war. Umso bedauerlicher sei es, dass ein solches Angebot eigens aus Reutlingen ins Saarland gebracht werden musste.

Inklusion darf kein Lippenbekenntnis sein

Für Uwe Wagner zeigen die Special Olympics 2026 deutlich, dass Anspruch und Wirklichkeit noch weit auseinanderliegen: „Viele Politiker haben während der Special Olympics die Inklusion wie eine Monstranz vor sich hergetragen und das Saarland gelobt. Ich habe den Eindruck, dass manche gar nicht wissen, was Inklusion wirklich bedeutet.“ 
Der BSK fordert deshalb, Menschen mit Behinderungen und ihre Interessenvertretungen künftig von Beginn an in die Planung großer Veranstaltungen einzubeziehen! „Viele der festgestellten Mängel hätten sich vermeiden lassen, wenn Betroffene frühzeitig beteiligt worden wären.“

Mit Blick über die Special Olympics hinaus ergänzt Uwe Wagner: „Unser Eindruck ist, dass das Interesse an Inklusion nach solchen Großveranstaltungen schnell wieder nachlässt. Genau das darf nicht passieren. Inklusion ist kein Projekt für wenige Tage, sondern eine dauerhafte gesellschaftliche Aufgabe.“ 

Toiletten

Toilette mit Platz
Waschbecken, unterfahrbar
Toilette mit Haltegriffen
Waschbecken mit offenem Papierkorb
Toilette mit Platz
Toilette mit Haltegriffen
Toilette für alle von außen mit Rampe
Toilette für alle von außen mit Rampe