Kleine Gruppe, großer Mehrwert

Bei der BSK-Schulung Süd in Krautheim standen Bewegung, Rückengesundheit und gesunde Ernährung im Mittelpunkt

Vier Teilnehmende, drei Referent*innen und jede Menge praktisches Wissen: Die diesjährige BSK-Schulung Süd stand ganz im Zeichen einer gesunden und aktiven Lebensweise für Menschen mit Behinderung.

von Jasmin Paul

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  • Krautheim 
  • Aus dem Verband

Vom 29. bis 31. Mai trafen sich Ehrenamtliche des BSK e.V. aus den mittleren und südlichen Regionen Deutschlands in der BSK-Geschäftsstelle in Krautheim. Übernachtet wurde im frisch umgebauten barrierefreien BSK-Gästehaus, das zugleich viel Raum für Gespräche und den persönlichen Austausch bot.

Auch wenn vier kurzfristige Absagen die Gruppe deutlich kleiner werden ließen als ursprünglich geplant, tat das der guten Stimmung keinen Abbruch. Im Gegenteil: Die Teilnehmenden nutzten die familiäre Atmosphäre, um zahlreiche Fragen zu stellen, eigene Erfahrungen einzubringen und sich intensiv mit den Referent*innen auszutauschen. Ermöglicht wurde die Schulung durch die Förderung der Techniker Krankenkasse (TK).

Den Auftakt machte Kerstin Abele vom Württembergischen Behinderten- und Rehabilitationssportverband (WBRS) mit einem Vortrag zu Rollstuhl- und Rehasport. Schnell wurde deutlich, dass Bewegung weit mehr ist als nur körperliches Training. Sie unterstützt die Rehabilitation, stärkt die Selbstständigkeit und fördert die gesellschaftliche Teilhabe. Gleichzeitig braucht es in Sportvereinen eine echte Willkommenskultur für Menschen mit Behinderung. Gerade Vereine, die bisher wenig Berührung mit dem Thema Inklusion hatten, müssen oft erst Erfahrungen sammeln und Barrieren abbauen. „In erster Linie sind aber alle Sportler. Sport öffnet die Türen für alles andere“, brachte es Kerstin Abele auf den Punkt.

Besonders spannend waren die vielen praktischen Tipps für den Einstieg. Ob Tischtennis, Bogen- oder Sportschießen, Tanzen oder gemeinsames Training auf der Laufbahn – viele Angebote lassen sich unkompliziert ausprobieren. Anschließend wurde direkt gemeinsam geübt. Die Teilnehmenden erhielten leicht umsetzbare Anleitungen für Schulter-, Dehn- und Kräftigungsübungen, die auch zuhause durchgeführt werden können. Entsprechend begeistert fiel das Feedback aus: Viele waren überrascht, wie viel sich bereits mit einfachen Übungen für Beweglichkeit und Wohlbefinden erreichen lässt.

Am Samstag drehte sich zunächst alles um einen gesunden Rücken. Josef Ruck von BGF Activities erklärte anschaulich die Zusammenhänge von Haltung, Bewegung und Rückenschmerzen. An anatomischen Modellen zeigte Josef Ruck die Funktion von Wirbelsäule, Becken und Bandscheiben und machte deutlich, warum Bewegungsmangel und einseitige Belastungen so häufig zu Beschwerden führen. Besonders bei Menschen, die berufsbedingt oder aufgrund ihrer Behinderung viel sitzen, spielt regelmäßige Bewegung eine wichtige Rolle.

In zahlreichen Praxiseinheiten galt deshalb ein einfacher Grundsatz: Jede und jeder macht nur das, was individuell möglich ist. Schmerzen seien ein wichtiges Warnsignal des Körpers und sollten ernst genommen werden. Die Teilnehmenden lernten Übungen kennen, die sich flexibel an unterschiedliche körperliche Voraussetzungen anpassen lassen. Ein Satz von Josef Ruck blieb dabei besonders hängen: „Die beste Sitzposition ist immer die nächste.“ Denn selbst kleine Bewegungswechsel können helfen, Beschwerden vorzubeugen.

Am Nachmittag stellte Josef Ruck mit Daoyin Yangsheng Gong (DYYSG) eine traditionelle chinesische Bewegungsform vor. Die ruhigen, fließenden Bewegungen verbinden Körperhaltung, Atmung und Konzentration und können Beweglichkeit, Gleichgewicht und Körperwahrnehmung fördern. Gerade weil sich viele Übungen individuell anpassen lassen, eignet sich DYYSG auch für Menschen mit unterschiedlichen körperlichen Einschränkungen. Die Teilnehmenden nahmen viele Anregungen mit und stellten fest, dass Bewegung nicht immer anstrengender (Vereins-)Sport sein muss, um der Gesundheit etwas Gutes zu tun.

Zum Abschluss stand das Thema Ernährung auf dem Programm. Anja Wolf von der BBT-Gruppe zeigte, wie gesunde Ernährung ohne großen Aufwand gelingen kann. Da viele Teilnehmende selbst von Diabetes betroffen sind, wurden insbesondere die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Blutzucker ausführlich besprochen. Ballaststoffreiche Lebensmittel wie Haferflocken, Vollkornprodukte oder Hülsenfrüchte machen lange satt. Sie sorgen dafür, dass der Blutzucker langsamer ansteigt und helfen so, Heißhungerattacken vorzubeugen.

Besonders gut kamen daher die praktischen Beispiele an. Ob Overnight Oats (über Nacht eingeweichte Haferflocken), Chia-Pudding oder einfache Hafer-Bananen-Kekse – viele Rezeptideen wurden direkt probiert und sollen künftig zuhause nachgekocht werden. Dabei machte Anja Wolf deutlich, dass eine gesunde Ernährung vor allem durch kleine, dauerhafte Veränderungen entsteht. Neue Gewohnheiten müssten nicht kompliziert sein, sondern vor allem alltagstauglich und lecker.

Während des gesamten Wochenendes sorgten zahlreiche Nachfragen, Diskussionen und persönliche Erfahrungsberichte für einen lebendigen Austausch. Die kleine Gruppengröße erwies sich dabei sogar als Vorteil: Auf individuelle Wünsche, Interessen und körperliche Voraussetzungen konnte besonders intensiv eingegangen werden. Entsprechend positiv fiel das Feedback aus. Die Teilnehmenden nahmen nicht nur viele praktische Tipps für die eigene Gesundheit mit, sondern auch wertvolle Impulse für ihre Arbeit in den Selbsthilfegruppen vor Ort. Einig waren sich alle darin, dass Gesundheit nicht mit Leistungssport gleichzusetzen ist – oft sind es die kleinen Veränderungen im Alltag, die langfristig den größten Unterschied machen.

Eindrücke von der BSK-Schulung Süd Ende Mai 2026 in Krautheim