Das war laut! Sprechchöre und 100 Trillerpfeifen machten lautstark deutlich, dass wir mit den Kürzungsplänen bei Jugend- und Eingliederungshilfe nicht einverstanden sind. Mehr als 70 Maßnahmen wurden kürzlich in einer Arbeitsgruppe von Bund und Ländern diskutiert, die die Kassen entlasten sollen, aber tiefgreifende Nachteile für Menschen mit Behinderungen mit sich bringen können. Es geht dabei vor allem um die Umstellung von Einzelfallhilfen hin zu kollektiven Sozialraumhilfen sowie massive Beschränkungen des Wunsch- und Wahlrechts Betroffener.
Nach dem lautstarken Protest auf Stadtring und Innenstadt verwandelte sich die Marktstraße in einen „Markt der (Teilhabe-)Möglichkeiten“ mit rund 20 Ständen und einem Rollstuhl-Parcours. Auf der Bühne appellierte Karl Finke, Präsident des Niedersächsischen Behindertensportverbandes und BSK-Vorstandsmitglied, an die Anwesenden, sich engagiert für die eigene Teilhabe und ein selbstbestimmtes Leben einzusetzen. Die Betroffenen sollten den Kampf für die eigenen Rechte und die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention nicht allein den Wohlfahrtsverbänden überlassen. Im Anschluss berichteten zwei Eltern von Kindern mit Behinderungen über ihren oft belastenden Alltag. Schulische Inklusion und soziale Teilhabe ihres Nachwuchses müssten häufig schwer erkämpft werden. Vater Raimund Klapprodt aus Osterode musste gar die Einschulung seines Sohnes um ein Jahr verschieben, weil sich zwei Kostenträger nicht über die Finanzierung der Schulassistenz einigen konnten. Für musikalische Unterhaltung sorgte die Band „Geräuschpegel“ der Harz-Weser-Werke, die Lebenshilfe Eichsfeld bot Snacks und Getränke an.
Der Protesttag in Göttingen Stadt und Land wird seit 1995 jährlich von einem breiten Bündnis der Behinderten(selbst-)hilfe unter der Regie der Selbsthilfe Körperbehinderter Göttingen e.V. durchgeführt.











