Der BSK reißt auch in Lübeck Mauern ein

Gemeinsam laut für Inklusion und echte Teilhabe beim diesjährigen Protesttag

Laut, bunt, herzlich und voller Energie: Rund 200 Menschen haben am 7. Mai in Lübeck ein starkes Zeichen für Inklusion gesetzt.

von Jasmin Paul

Gruppenbild: Martina Scheel und ihre Helfenden in Lübeck
Dieses und alle weiteren Fotos: Sascha Klemm
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  • Aus dem Verband

Unter den Rathausarkaden wurde diskutiert, gelacht, protestiert und am Ende sogar symbolisch eine Mauer eingerissen – eine Mauer aus Barrieren, Vorurteilen und Ausgrenzung.

Anlässlich des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung hatte ein breites Bündnis aus den Sozialelchen Lübeck, der BSK-Landesvertretung Schleswig-Holstein und vielen weiteren Initiativen in die Innenstadt eingeladen. Das Programm war ebenso vielfältig wie die teilnehmenden Vereine und Verbände: Beratungsangebote, Mitmachaktionen, ein Rollstuhl- und Blindenparcours, starke Redebeiträge – und ganz viele Menschen, die gezeigt haben, dass Inklusion mitten in die Gesellschaft gehört. „Es war einfach großartig zu sehen, wie viele Menschen mit dabei waren, um gemeinsam Haltung zu zeigen“, sagte Martina Scheel. „Inklusion wird leider noch viel zu oft behandelt, als wäre sie ein teurer Extra-Service. Dabei reden wir hier über Menschenrechte – nicht über zubuchbare Leistungen im Luxusurlaub.“

Besonders bewegend sei für sie der Moment gewesen, als die symbolische Barriere-Mauer gemeinsam eingerissen wurde. Auf den Kartons standen Begriffe wie „Diskriminierung“, „fehlende Barrierefreiheit“, „komplizierte Ämter“ oder „Ausgrenzung“. – „Da war richtig Gänsehaut dabei“, so Scheel. „Menschen mit und ohne Behinderung haben gemeinsam laut protestiert und gezeigt: Wir haben keine Lust mehr auf Ausreden. Teilhabe darf nicht länger davon abhängen, ob etwas gerade ins Budget der Regierung passt.“

Dass von echter Inklusion am Ende ALLE profitieren, werde dabei häufig vergessen. „Barrierefreiheit hilft eben nicht nur Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrern“, betonte Scheel. „Sie hilft Eltern mit Kinderwagen, älteren Menschen, Menschen mit wenig Deutschkenntnissen, Personen nach Unfällen, Menschen mit Sinneseinschränkungen …  – letztlich uns allen. Eine inklusive Gesellschaft macht das Leben für alle einfacher, fairer und menschlicher.“

Der BSK brachte sich beim Protesttag unter anderem mit einer Pinnwand ein, auf der Besucherinnen und Besucher Barrieren aus ihrem Alltag, aber auch konkrete Wünsche an die Politik und Lösungsvorschläge festhalten konnten. Genau dieser Austausch sei wichtig, findet Scheel: „Inklusion entsteht nicht am Schreibtisch. Sie entsteht dort, wo Menschen miteinander reden, Probleme sichtbar machen und gemeinsam Druck aufbauen.“

Neben Martina Scheel sorgten auch die Beiträge von Melanie Arnold, Andreas Offenborn vom Beirat für Menschen mit Behinderung der Hansestadt Lübeck sowie Helmut Müller-Lornsen von Budget-Assistenz Nord für starke Impulse. Charmant und mit viel Herz führte Asmus Wittke von den Sozialelchen durch den Nachmittag.

Am Ende blieb vor allem ein Gefühl hängen: Dieser Protesttag war mehr als nur eine Veranstaltung. Er war ein sichtbares Zeichen dafür, dass immer mehr Menschen keine Gesellschaft akzeptieren wollen, in der Teilhabe vom Geldbeutel oder von bürokratischen Hürden abhängt. Oder, wie Martina Scheel es zusammenfasste: „Lübeck hat gezeigt, wie stark Solidarität sein kann, wenn Menschen gemeinsam laut werden.“

Engagement in Lübeck

Martina Scheel spricht, daneben ein Gebärdedolmetscher
Aktionsmauer
Menschenströme in Lübeck von hinten
Die Blockademauer mit Begriffen wie Offenheit, Gleichberechtigung, Teilhabe, barrierefrei
Aktionskarte eines Besuchenden: trotz Beeinträchtigung ständige Ablehnung von Leistungen und Therapien
Aktionskarte eines Besuchenden: Dass Menschen die im Rollstuhl sitzen bessere Möglichkeiten auf dem Weihnachtsmarkt bekommen, bessere Wege zB
Zwei Aktionskarten: Teilhabe am Arbeitsleben, Barrierefreiheit in Wohnvierteln
Aktionskarte: Handschrift ist schwer zu lesen, zusammengefasst: die Politik muss für Teilhabe sorgen