19.06.2015 13:20 Alter: 5 Jahre

Persönliche Assistenz aus europäischer Sicht

Kategorie: Juni 2015
Von: Peter Reichert

Maik Nothnagel im Podium

Die Bundesinitiative Daheim statt Heim hat am 18.06.2015 zusammen mit den europäischen Partnern eines Leonardo da Vinci Partnerschaft-Projektes, eine öffentliche europäische Transferkonferenz mit dem Titel „Inklusion durch Zugang zur persönlichen Assistenz für Menschen mit Behinderungen – Selbstverständnis und Beruf von persönlichen AssistentInnen – EU Disability Strategy 2010-2020“ veranstaltet.

Die Konferenz richtete sich an die deutsche Fachöffentlichkeit mit den VertreterInnen der Selbsthilfe von Menschen mit Behinderung, der Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik, der Wissenschaft und der Wohlfahrtspflege aber auch direkt an Interessierte Menschen mit Behinderung und ihre AssistentInnen.

An dieser europäischen Transferkonferenz im Kleisthaus, die vom BMAS, der europäischen Kommission und der Aktion Mensch unterstützt wurde, nahmen VertreterInnen aus sieben europäischen Ländern teil. Die Konferenz war inklusiv ausgestaltet. Sie fand in Deutsch und Englisch und in Sprach- und Gebärdensprachübersetzung simultan statt. Maik Nothnagel, BSK-Referent für Gesundheit und Soziales, nahm an der Konferenz teil und hat am Ende der Veranstaltung in einem Rundgespräch als langjähriger Assistenz-Nutzer und als Peer Counseler teilgenommen.

Hierbei bekräftigte er „Ich finde, eine Ausbildung zum Beruf eines Assistenten/In ist nicht notwendig, da die Bedürfnisse und Arbeitsaufgaben sehr vielfältig und unterschiedlich sind. Jedoch finde ich es für hilfreich, dass es einen gewissen Leitfaden, sozusagen eine rote Linie im Arbeitsverhältnis zwischen dem ArbeitgeberInnen und den AssistentInnen geben muss, an den sich beide auch in Krisensituationen halten müssen.

Klar ist, dass es ein partnerschaftliches Miteinander sein muss aber das der behinderte Mensch die Organisationskompetenz und die Finanzkompetenz haben muss und dass er damit sein selbstbestimmtes Leben managen kann.“ Ergebnis dieser Konferenz ist, dass es in Europa sehr unterschiedliche Ansätze von persönlicher Assistenz gibt.

Wichtig für Deutschland ist hierbei, dass es endlich eine bedarfsgerechte Finanzsicherheit der persönlichen Assistenz gibt. Wenn die persönliche Assistenz endlich politisch gewollt ist, dann könnte es ein richtiges Konjunkturpaket werden, denn es könnten viele versicherungspflichtige Arbeitsplätze dadurch geschaffen werden und auf der anderen Seite es vielen behinderten Menschen ermöglicht werden, endlich selbstbestimmt in ihren eigenen Vier-Wänden zu leben wie all die anderen auch.

Weiterhin wäre es ein wichtiger Beitrag der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, denn die persönliche Assistenz trägt wesentlich dazu bei, das Primat der Institutionen auf zu brechen und endlich mehr individuelle Leistung zu ermöglichen. Die Konferenz zeigt, dass es in Europa aber auch hier in Deutschland noch viel auf diesem Gebiet an Bewusstseinsbildung und Politikveränderung geben muss.