29.04.2014 10:00 Alter: 6 Jahre

Patientenvertretung im G-BA befürchtet Verschlechterung der Versorgung in den Bereichen Psychotherapie und Kinderheilkunde

Die Patientenvertretung kritisiert den heute gefassten Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses zur Anrechnung von ermächtigten Ärzten und Einrichtungen in der ärztlichen Bedarfsplanung als nicht sachgerecht und befürchtet eine Verschlechterung in der Versorgung.

"Hier wird schleichend die ambulante Versorgung verschlechtert und es werden Äpfel mit Birnen verglichen" kritisiert Ursula Helms den Beschluss. "Der G-BA hatte erst Ende 2012 be-schlossen, die psychotherapeutische Versorgung zu verbessern, indem die Verhältniszahl für die Psychotherapeuten abgesenkt wird. Jetzt wird ein Teil dieser Verbesserung wieder zurückgenommen, indem für schwer kranke Patientinnen und Patienten notwendige ambulante Angebote von Krankenhäusern pauschal auf Vertragsarztsitze angerechnet werden."

Bei der Anrechnung von ermächtigten Einrichtungen soll zukünftig für jede Psychiatrische In-stitutsambulanz (PIA) pauschal ein Psychotherapeut mit 0,5 auf den Versorgungsgrad in der ambulanten Versorgung angerechnet werden. Doch sollen Psychiatrische Institutsambulanzen vor allem schwer psychisch kranke Menschen versorgen, die im niedergelassenen Bereich keine Möglichkeit der Versorgung finden.

In den PIAs arbeiten Fachärzte für Nervenheilkunde, Psychiatrie, Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Psychotherapeutische Medizin, Kinder- und Jugendpsychiatrie oder Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie. Eine Mitarbeit von psychologischen Psychothe-rapeuten ist nur kooperativ vorgesehen. Gleichwohl soll nun eine Anrechnung ausschließlich auf den Versorgungsgrad der Psychotherapeuten (psychologisch und ärztlich) erfolgen.

Zwar kann auch auf den Versorgungsgrad anderer Fachärzte angerechnet werden, falls Informationen zum Facharztspektrum und zur Facharzttätigkeit über die PIA vorliegen. Doch eine Verpflichtung zur Offenlegung dieser Informationen gibt es nicht. Es werden somit voraussichtlich für ca. 680 psychiatrische Ambulanzen, davon ein Viertel für Kinder- und Jugendliche, rund 340 Vertragsarztsitze für Psychotherapeuten pauschal angerechnet. Es entfällt ein Viertel der gerade Ende 2012 mit der neuen Bedarfsplanungsrichtlinie neu geschaffenen Vertrags(arzt)sitze für Psychotherapeuten. Bei den Sozialpädiatrischen Zentren (SPZ) wird zukünftig pauschal für jedes SPZ ein Kinderarzt mit 0,5 auf den Versorgungsgrad im Bereich der niedergelassenen Pädiater angerechnet.

Auch die Sozialpädiatrischen Zentren übernehmen Versorgungsaufgaben, die im Bereich der niedergelassenen Ärzte nicht abgedeckt werden und sie sind als ein zusätzliches Versorgungsangebot für schwerst behinderte Kinder eingerichtet worden. Die Versorgung in diesen Einrichtungen wird durch ein interdisziplinäres Team von Fachkräften wie klinischen Psychologen, Heilpädagogen und beispielsweise Ergotherapeuten unter Leitung eines Kinderarztes erbracht. Die Patientenvertretung spricht sich gegen eine pauschale Anrechnung auf Arztgruppen wie Kinderärzte und Psychotherapeuten aus. Sie fordert Aufklärung über die tatsächliche Versorgung durch die Ambulanzen.

„Eine Anrechnung auf den ambulanten Versorgungssektor kann nur dann sachgerecht erfolgen, wenn tatsächlich ambulant erbrachte und vom Krankenhaus nachgewiesene vertragsärztliche Leistungen der Ambulanzen vorliegen“ stellt Ursula Helms fest. „Erst dann werden Äpfel mit Äpfeln verglichen!“ Auch weitere Punkte des heutigen Beschlusses zur Bedarfsplanung hält die Patientenvertretung nicht für geeignet, um den bisherigen Stand der ärztlichen Versorgung zu erhalten.

Die ermächtigten Ärzte wurden bisher in der Bedarfsplanung nur auf den Versorgungsgrad angerechnet, wenn diese mindestens im Rahmen eines halben Versorgungsauftrags tätig geworden sind. Jetzt werden auch geringere Tätigkeiten angerechnet, ohne dass aber die Verhältniszahl angepasst wird. "Im Ergebnis wird dadurch der rechnerische Bedarf an Ärzten abgesenkt.

Dies ist aus Sicht der Patientenvertretung nicht sinnvoll, ohne den konkreten Bedarf tatsächlich geprüft zu haben“, erklärt Helms.

Ansprechpartnerin: Ursula Helms, stv. Sprecherin der Patientenvertretung im Unterausschuss Bedarfsplanung, DAG SHG, Tel.: 030-31018980 –85, E-Mail: selbsthilfe@nakos.de