17.03.2016 15:06 Alter: 4 Jahre

Monitoring-Stelle zur UN-Behindertenrechtskonvention fordert: Private zur Beseitigung von Barrieren verpflichten

Kategorie: März 2015
Von: Peter Reichert

Verena Gotzes, Mitglied im vertretungsberechtigten Vorstand des BSK e.V.

Anlässlich der ersten Lesung zur „Weiterentwicklung des Behindertengleichstellungsrechts“ am 17. März fordert das Deutsche Institut für Menschenrechte die Bundestagsabgeordneten auf, mit dem Gesetz auch Private wirksam zur Beseitigung und Vermeidung von Barrieren zu verpflichten. Zwar enthalte der Gesetzentwurf der Bundesregierung Verbesserungen.

„Es fehlen jedoch verbindliche Regelungen für mehr Zugänglichkeit im privaten Bereich, etwa beim Wohnen, Einkaufen, bei der Mobilität oder der Freizeit - gerade dort, wo Menschen mit Behinderungen in ihrem Alltag immer noch auf zahlreiche Hindernisse stoßen“, kritisiert Valentin Aichele, Leiter der Monitoring-Stelle zur UN-Behindertenrechtskonvention des Instituts.

Weniger dem zuständigen Bundesministerium für Arbeit und Soziales als anderen Ressorts der Bundesregierung sei es anzulasten, dass der Entwurf keine Barrierefreiheit in Lebensbereichen gewährleiste, die von Privaten kontrolliert würden. „Die Bundesregierung hat es bislang versäumt, für Barrierefreiheit in allen Lebensbereichen zu sorgen. Deshalb fordern wir die Bundestagsabgeordneten auf, sich für entsprechende Änderungen im Gesetzestext einzusetzen. Es wäre ein menschenrechtliches Versäumnis, wenn Menschen mit Behinderungen ein gleichberechtigtes Zusammenleben in der Gesellschaft auch in Zukunft versagt bliebe“, so Aichele. Barrierefreiheit müsse auch bei Förderprogrammen mitbedacht werden, etwa im Bereich des sozialen Wohnungsbaus. „Wenn der Bund den sozialen Wohnungsbau wie angekündigt unterstützt, dann muss bundesgesetzlich klar vorgegeben sein, dass damit auch barrierefreier Wohnraum für Menschen mit Behinderungen und ältere Menschen entsteht.“

„Für Menschen mit Körperbehinderung ist Barrierefreiheit Grundvoraussetzung für eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Deshalb fordern wir, dass der Geltungsbereich des BGG nicht nur für öffentliche Baumaßnahmen gilt sondern auch für den privatrechtlichen Bereich“, betont Verena Gotzes, Mitglied im vertretungsberechtigten Vorstand des Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e.V. und fügt hinzu „alle die aus Mobilitätsgründen auf ein Hilfsmittel wie Rollstuhl, Rollator oder E-Scooter angewiesen sind, haben einen Anspruch auf selbständige Erreichbarkeit beispielsweise beim Arztbesuch, beim Einkauf oder im Restaurant“.

Das Deutsche Institut für Menschenrechte ist mit dem Monitoring der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention betraut worden und hat hierfür die Monitoring-Stelle UN-Behindertenrechtskonvention eingerichtet. Es hat gemäß der UN-Konvention (Artikel 33 Abs. 2 UN-BRK) den Auftrag, die Rechte von Menschen mit Behinderungen zu fördern, zu schützen und die Umsetzung der Konvention in Deutschland zu überwachen.

Weitere Informationen Stellungnahme des Deutschen Instituts für Menschenrechte zum Gesetzentwurf der Bundesregierung www.institut-fuer-menschenrechte.de/fileadmin/user_upload/Publikationen/Stellungnahmen/DIMR_Stellungnahme_zum_Gesetzentwurf_der_Bundesregierung_zur_Weiterentwicklung_des_Behindertengleichstellungsrechts_15_3_16.pdf