22.06.2016 11:19 Alter: 4 Jahre

Mobilitäts-Scouts unterwegs:

Kategorie: Juni 2016

Weitere Fernlinienbusse im Test!

Foto von Daniel R., Mobi-Scout, bei seiner Testfahrt

Seit dem 01.01.2016 müssen alle neu angeschafften Fernlinienbusse mit zwei Rollstuhlplätzen ausgestattet sein. Dies gilt ab dem 01.01.2020 für alle Fernlinienbusse (§ 42b in Verbindung mit § 62 Abs. 3 des Personenbeförderungsgesetz). 


Im Zuge der stufenweisen Einführung der Barrierefreiheit auf den Fernlinienbussen hat der Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e.V. (BSK) sog. „Mobilitäts-Scouts“ im Einsatz, welche die Fernlinienbus-Strecken und Fernlinienbus- Anbieter auf Barrierefreiheit überprüfen. Daniel R. ist einer von ihnen. Er ist gehbehindert und auf längeren Strecken auf seinen Rollstuhl angewiesen. Für den BSK hat er die Strecke Dresden – Leipzig getestet. Dabei ist er mit dem Fernlinienbusunternehmen Flixbus (ehemals Meinfernbus/Flixbus) gefahren. Den Rollstuhlplatz hat Daniel telefonisch gebucht, da dies online noch nicht möglich ist. Flixbus befördert laut FAQ nur faltbare Rollstühle, was bedeutet, dass nur Menschen mit Behinderung mitgenommen werden, die selbstständig in den Bus hinein kommen. Für Daniel ist dies kein Problem, da er soweit noch mobil ist, um alleine in den Bus zu kommen. Sowohl auf der Hinfahrt als auch auf der Rückfahrt war der Busfahrer äußerst freundlich und hilfsbereit. Auf der Rückfahrt wurde sogar für Daniel extra ein Platz direkt in der ersten Reihe in unmittelbarer Nähe des Busfahrers frei gemacht. 


Die Anbindung an den Busbahnhof in Dresden ist fast ausnahmslos barrierefrei, sodass der Busbahnhof sehr gut erreicht werden kann. Auch Parkplätze für Menschen mit Behinderung sind vorhanden. Der Bahnhof selbst ist mit einem Leitliniensystem ausgestattet, welches besonders für Menschen mit einer Sehbeeinträchtigung sehr wichtig ist. Bzgl. der Information darüber, an welcher Haltestelle der Bus abfährt, gibt es Nachholbedarf. Hier gibt es lediglich auditive Informationen über Sprechanlagen. Jedoch gibt es keine Anzeigetafel, auf der die Abfahrtszeiten und Haltestellen nachzulesen sind. Dies wäre vor allem für Menschen mit einer Hörbeeinträchtigung sehr wichtig, um sich auf dem Bahnhof zu Recht finden zu können. 


Auch eine barrierefreie Toilette ist vorhanden. Die Hygiene und Nutzbarkeit der Toilette sind sehr gut. Im Bus selbst sind jedoch keine Rollstuhlplätze vorhanden, da es sich um einen Bus handelt, der vor dem 01.01.2016 angeschafft wurde. Auch gibt es keine Anzeigetafeln im Bus. Der Busfahrer informiert jedoch die Fahrgäste über aktuelle Verspätungen, Anschnallpflicht, Toilettenbenutzung usw. 


Die Barrierefreiheit am Zielbahnhof in Leipzig ist an den Haltestellen gegeben, jedoch gibt es keine Anzeigen, Informationstafeln oder Durchsagen. Auch die Parkplatzsituation lässt zu wünschen übrig. Insgesamt gibt es wenige Parkplätze und für Menschen mit Behinderung gibt es gar keine extra ausgewiesenen Parkplätze. Eine barrierefreie Toilette gibt es nicht. 


Die Testfahrt von Daniel zeigt, wie wichtig es ist, dass die gesamte Reisekette barrierefrei ist, denn wenn Daniel in Dresden an einem barrierefreien Busbahnhof abfahren kann, er aber in Leipzig an einem weniger barrierefreien Busbahnhof zwar aussteigen kann, aber mit dem öffentlichen Nahverkehr nicht weg kommt, die Barrierefreiheit auf den Fernlinienbussen allein nicht zufrieden stellend ist. Sie ist aber der erste Schritt in Richtung Teilhabe für alle. Jedoch gibt es in Sachen barrierefreie Reisekette viel Nachholbedarf. 

Weitere Informationen bei:
Meldestelle für Barrierefreie Fernlinienbusse
Kurfürstenstr. 131
10785 Berlin
Tel.: 030 8145268-53
E-Mail: Opens window for sending emailmeldestelle@bsk-ev.org