14.07.2016 13:19 Alter: 4 Jahre

Kostenfreie Mitnahme von Menschen mit Behinderung bei DeinBus.de!

Kategorie: Juli 2016
Von: Peter Reichert

Busbahnhof in Tübingen Foto: Christel G.

Die meisten Fernlinienbus-Anbieter bieten ihre Tickets für Menschen mit Behinderung zu einem Rabatt an. Bei Flixbus z.B. erhalten Menschen mit Behinderung 50% Rabatt auf den Fahrpreis. Der Fernlinienbus-Anbieter DeinBus.de legt hier sogar noch einen drauf.

Menschen mit Behinderung, die im Schwerbehindertenausweis das Beiblatt mit Wertmarke, welche zur Mitnahme im öffentlichen Personennahverkehr berechtigt, besitzen, werden sogar kostenfrei mitgenommen. So steht es in den FAQ von DeinBus.de. Dabei muss die Anmeldung der Fahrt 72 Stunden vorher erfolgen. Christel G., Mobilitäts-Scout beim BSK, hat dies getestet und ist von Singen nach Tübingen mit DeinBus.de gefahren.

Christel ist Rollstuhlfahrerin und konnte ihren mit elektrischen Radnaben angetriebenen Faltrollstuhl ohne Probleme mitnehmen. Der Busfahrer war sehr freundlich und hilfsbereit und der Rollstuhl konnte sogar ohne zusammen geklappt zu werden, mitgenommen werden. Der Busbahnhof in Singen dagegen ist nicht gerade behindertenfreundlich. Es gibt nur eine kleine Unterstellmöglichkeit in Form einer Haltestelle. Hier halten auch die Busse des öffentlichen Nahverkehrs, die teilweise sogar barrierefrei sind (mit ausklappbaren Rampen). Jedoch gibt es keinen Hinweis auf den Halt von Fernlinienbussen.

Bei DeinBus.de gibt es jedoch zur Buchung eine sehr genaue Beschreibung, wo der Fernlinienbus in Singen abfährt. Christel konnte dank dieser Beschreibung die Haltestelle auch leicht finden. Sonstige Hinweise oder Durchsagen gibt es nicht. Auch Toiletten und Behindertenparkplätze sind nicht vorhanden. Der Busbahnhof in Tübingen befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof.

Der Busbahnhof selbst hat keine barrierefreie Toilette, jedoch kann diese im Hauptbahnhof genutzt werden. Behindertenparkplätze sind am Busbahnhof vorhanden, jedoch muss hier eine stark befahrene Straße überquert werden. Hinweise für den Halt von Fernlinienbussen sind vorhanden, allerdings gibt es keine Durchsagen oder Leitliniensysteme für Menschen mit Seh- oder Hörbeeinträchtigung.

Die Mobilität-Scouts des BSK haben schon viele Fernlinienbus-Strecken getestet. Dabei wird immer vermehrt festgestellt, dass Rollstuhlfahrer/innen bisher nur mitgenommen werden, wenn sie eigenständig in den Bus kommen und der Rollstuhl (meist auch nur Handrollstuhl) dann zusammengeklappt im Gepäckraum mitgenommen wird.

Für Rollstuhlfahrer/innen, die nicht umsetzen können, besteht bisher so gut wie keine Chance mitgenommen zu werden, da die meisten Fernlinienbus-Anbieter noch keine barrierefreien Busse im Einsatz haben oder diese nur auf bestimmten Strecken verfügbar sind. Auch die Haltestellen lassen in Sachen Barrierefreiheit zu wünschen übrig. Hier besteht großer Nachholbedarf. Barrierefreie Gestaltung nutzt nicht nur Menschen mit Behinderung.

Sie trägt auch ein Großteil zum Komfort bei. Der Fernlinienbus wird von vielen Touristen als günstiges Reiseverkehrsmittel genutzt. Der erste Halt, den die Touristen in den Städten machen, sind die Busbahnhöfe, welche in diesem Fall als Aushängeschild für die jeweilige Stadt dienen. Barrierefreie Bahnhöfe steigern den Komfort und somit auch die Attraktivität für Touristen.

Auch Familien mit Kinderwägen und ältere Menschen mit Rollator profitieren von der Barrierefreiheit. In Betrachtung des demografischen Wandels profitieren wir irgendwann ALLE von Barrierefreiheit, denn wir werden alle älter und sind in ein paar Jahren froh darüber, wenn heute schon an die barrierefreie Gestaltung gedacht wird.

Weitere Informationen bei: Meldestelle für barrierefreie Fernlinienbusse Kurfürstenstr. 131 10785 Berlin Tel.: 030 8145268-53 Mail: meldestelle@bsk-ev.org