26.01.2016 14:42 Alter: 4 Jahre

Kassel legt vor: Freie Fahrt für E-Scooter in Bussen und Bahnen

Kategorie: Januar 2016, E-Scooter
Von: Peter Reichert

"Signalwirkung für andere Verkehrsbetriebe"

Foto: Harry Hautumm

In den Bussen und Straßenbahnen der KVG werden Elektroscooter wieder befördert. Der ursprüngliche Ausschluss von der Beförderung basierte auf einem Gutachten, das vom Land Nordrhein-Westfalen in Auftrag gegeben worden war und einer daraus abgeleiteten Empfehlung des Verbandes deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) von Ende November vorigen Jahres.

Die Empfehlung des VDV, Elektroscooter von der Beförderung in Bussen auszuschließen, hatte unter Verkehrsunternehmen und beim Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e.V., BSK, bundesweit für Irritationen gesorgt. Unterdessen hat der VDV angekündigt, ein weiteres Gutachten zu diesem Thema abzuwarten um anschließend seine Hinweise zu präzisieren.

Die KVG hat sich gegen diese Empfehlung entschieden, weil nach neuerlicher Prüfung das Gefährdungspotential sowohl für die Nutzer der Elektroscooter als auch für andere Fahrgäste als sehr gering bewertet wird. „Von diesem vorbildhaften Vorgehen der KVG erhoffen wir uns eine Signalwirkung für andere Verkehrsbetriebe in Deutschland“ betont Manfred Liebich, Experte für den barrierefreien öffentlichen Straßenraum beim BSK.

Der Behindertenverband geht seit Monaten juristisch gegen Verkehrsbetriebe vor, die Elektro-Scooter aufgrund eines umstrittenen Sicherheitsgutachtens nicht befördern. „Mit diesen Diskriminierungen muß nun endlich Schluß sein“, so Liebich. Der BSK fordert, daß die Verkehrsbetriebe in Deutschland ihrer Verpflichtung zur Beförderung von Personen, die auf ein Hilfsmittel wie den E-Scooter oder einen Rollstuhl angewiesen sind, nachkommen.

Die KVG in Kassel prüft jetzt zusätzlich die Ausstattung ihrer rund 76 Busse mit Rückhaltesystemen, um die Sicherheit bei der Beförderung von E-Mobilen weiter zu erhöhen. Hintergrund ist, dass die wenig wendigen Scooter in den engeren Mehrzweckabteilen der Busse nicht so sicher aufgestellt werden können wie in den Straßenbahnen und darüber hinaus in einem Bus bei einer plötzlichen starken Bremsung höhere Kräfte auftreten.

Durch seinen höheren Schwerpunkt kann das Gefährt, wenn es quer aufgestellt werden muss, eher kippen als etwa ein Elektrorollstuhl.