24.03.2014 09:16 Alter: 6 Jahre

Karl Finke: „Wohlfahrt neu denken - die 1970er Jahre sind vorbei"

Kategorie: März 2014

Karl Finke

Der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen und Vorstandsmitglied im Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e.V., Karl Finke, begrüßt das neue Wohlfahrtsgesetz. Es gibt Sicherheit für die Menschen, die im sozialen Bereich arbeiten. Und es muss laut Finke auch Menschen mit Behinderung insbesondere Sicherheit für ihre Lebensperspektive geben.

Das Gesetz muss seines Erachtens aber in Zukunft noch weiterentwickelt werden. Dies heiße, dass Fürsorgedenken und defizitorientiertes Denken, das in den 1970er Jahren seinerzeit richtig war, heute ein Hemmnis für fortschrittliche Behindertenpolitik sei.

Die vom Land gewährleisteten Mittel müssen laut Finke künftig an Mitbestimmung behinderter Menschen gebunden sein, aber auch an Teilhabe an Arbeit, an gemeinsame Bildung, an gemeinsame Wohnformen sowie Barrierefreiheit. Erkennungsmerkmal für Mitbestimmung sei besonders auch, dass Menschen mit Behinderungen in Leitungsfunktionen sowohl im ehrenamtlichen wie im hauptamtlichen Bereich Mitentscheiderinnen und Mitentscheider seien.

Ebenfalls gehöre hierzu eine eindeutige Positionierung zugunsten einer Politik der Herausnahme behinderter Menschen aus der lebenslangen Sozialhilfeabhängigkeit sowie ein eigenständiges, einkommens- und vermögensunabhängiges Teilhabegeld.

„Wohlfahrt von heute muss eindeutig daran bemessen werden, eigenständiges Leben und Wirken der unterschiedlichen Personengruppen zu gewährleisten und eine konsequente Vorrangfinanzierung der direkten Unterstützung behinderter Menschen zu gewährleisten und deren Unterrepräsentanz als gesellschaftliche/r Entscheider(in) zu beseitigen", so Karl Finke.