09.06.2017 14:17 Alter: 3 Jahre

BSK begrüßt neue Regelungen zur Verordnung von Krankenhausbehandlungen

Kategorie: Juni 2017
Von: Peter Reichert

Psychologische Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten dürfen ab sofort Krankenhausbehandlungen und Krankenbeförderungen verordnen. Damit erhalten sie mehr Entscheidungsspielraum bei der Versorgung ihrer Patienten. Bislang durften nur Ärzte Leistungen verordnen.

Diese Befugnis wurde per Gesetz auf Psychologische Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten ausgedehnt. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat die entsprechenden Richtlinien angepasst. Danach können Therapeuten nun bei bestimmten Indikationen Krankenhausbehandlungen sowie Krankenbeförderungen verordnen.

„Der BSK begrüßt die Möglichkeit, dass jetzt auch Psychologische Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten ab sofort Krankenhausbehandlungen und Krankenbeförderungen verordnen dürfen. Das erspart den Patienten zusätzliche Wege und Wartezeiten bei ihrem Hausarzt „ stellt Andrea Fabris, Referentin für Gesundheits- und Sozialpolitik im BSK, fest.

Künftig sollen sie auch Leistungen der Rehabilitation und Soziotherapie verordnen dürfen. Der Grund für den späteren Zeitpunkt ist, dass das Ausstellen dieser Verordnungen gesondert honoriert wird. Daher werden KBV und GKV-Spitzenverband im Bewertungsausschuss zunächst über eine Vergütungsregelung für Psychotherapeuten verhandeln. Sie haben dazu sechs Monate Zeit, sobald die geänderten G-BA-Richtlinien in Kraft sind. Die Verordnung erfolgt auf denselben Formularen, die auch Vertragsärzte verwenden (Muster 2 bei Krankenhausbehandlung und Muster 4 bei Krankenbeförderung).

Formulare erhalten Psychotherapeuten über ihre regulären Bezugswege, in der Regel von ihrer Kassenärztlichen Vereinigung. Psychotherapeuten dürfen Patienten in ein Krankenhaus einweisen, wenn diese aufgrund psychischer Erkrankungen und Störungen stationär behandelt werden müssen.

Die Verordnung ist zulässig für Diagnosen, bei denen nach der Psychotherapie-Richtlinie eine Psychotherapie sowie eine neuropsychologische Therapie möglich sind. Für die übrigen Indikationen aus dem Kapitel V „Psychische und Verhaltensstörungen“ des ICD-10-GM muss eine Abstimmung mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

Patienten sollen sich die Kostenübernahme der stationären Behandlung von ihrer Krankenkassen vorab genehmigen lassen. Psychotherapeuten, die einem Patienten eine Krankenhausbehandlung verordnet haben, können ihm auch die Fahrt dorthin verordnen. Voraussetzung ist, dass die Beförderung medizinisch notwendig ist und der Patient aus medizinischen Gründen nicht selbst fahren kann, beispielsweise mit seinem Pkw oder öffentlichen Verkehrsmitteln.

Fahrten zur ambulanten Behandlung sind nur in bestimmten Fällen verordnungsfähig. Möglich ist dies bei Patienten, die einen Schwerbehindertenausweis mit Merkzeichen „aG“, „BI“ oder „H“ vorlegen oder einen Pflegebescheid mit Pflegegrad 3, 4 oder 5 und dauerhaft in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Patienten müssen sich die Fahrten zur ambulanten Behandlung vorab von ihrer Krankenkasse genehmigen lassen, damit diese die Kosten übernimmt.

Psychotherapeuten können Krankenhausbehandlung verordnen, wenn ein Patient aufgrund psychischer Erkrankungen und Störungen stationär behandelt werden muss.