24.06.2016 12:49 Alter: 4 Jahre

Barrierefreiheit am Bahnhof

Kategorie: Juni 2016

„Busbahnhöfe“ in Bonn und Aachen lassen zu wünschen übrig!

Der Busbahnhof in Bonn fotografiert von der Testfahrerin Gabriele D.

Von einem Busbahnhof kann in Aachen und Bonn wohl nicht die Rede sein. „Es ist eher eine Haltestelle wie in einem Wohngebiet“, so Gabriele D. Sie hat sich im Frühjahr 2016 zum Mobilitäts-Scout ausbilden lassen und ist seitdem fleißig als Testfahrerin für den BSK im Einsatz. 

Seit dem 01.01.2016 müssen alle neu angeschafften Fernlinienbusse mit zwei Rollstuhlplätzen ausgestattet sein. Dies gilt ab dem 01.01.2020 für alle Fernlinienbusse (§ 42b in Verbindung mit § 62 Abs. 3 des Personenbeförderungsgesetz). Im Zuge der stufenweisen Einführung der Barrierefreiheit auf den Fernlinienbussen hat der Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e.V. (BSK) sog. „Mobilitäts-Scouts“ im Einsatz, welche die Fernlinienbus-Strecken und Fernlinienbus-Anbieter auf Barrierefreiheit überprüfen. 

Gabriele hat für den BSK die Fernlinienbus-Strecke Aachen – Bonn und wieder zurück getestet. Gefahren ist sie mit dem Fernlinienbus-Anbieter Flixbus (ehemals Meinfernbus/Flixbus). Die Buchung des Rollstuhlplatzes ist bei Flixbus nur telefonisch möglich, doch die Mitarbeiter/innen waren sehr hilfsbereit und der Platz schnell gebucht. Gabriele kann aufgrund ihrer Behinderung noch bedingt gehen, weshalb sie selbstständig in den Bus gelangen kann. Dies ist laut FAQ von Flixbus auch Bedingung für die Mitnahme eines faltbaren Rollstuhls, denn dieser wird im Gepäckraum verladen, sodass der Fahrgast alleine in den Bus hinein kommen muss. 

Der Busfahrer ist äußerst freundlich und für Gabriele wird ein Platz direkt in der ersten Reihe in unmittelbarer Nähe des Busfahrers frei gemacht. Der „Busbahnhof“ in Aachen gleicht einer Haltestelle des öffentlichen Nahverkehrs und liegt ca. 400m vom Westbahnhof entfernt. Die Strecke dorthin ist leider nur bedingt barrierefrei, denn es gibt kein Leitliniensystem oder sonstige Hinweise zum öffentlichen Nahverkehr. Aber es gibt direkt in unmittelbarer Nähe der Haltestelle drei Behindertenparkplätze für die Anreise mit dem PKW.

In Bonn angekommen ist die Situation am „Busbahnhof“ nicht gerade besser als in Aachen. Im Gegenteil: Die Haltestelle befindet sich an einem Randstreifen an einer stark befahrenen Straße. Es ist holprig, uneben und es gibt keine Begrenzungen oder nennenswerte Hinweise. Der Hauptbahnhof in Bonn ist ca. 400m entfernt. Der Weg dorthin ist für Rollstuhlnutzer/innen sehr beschwerlich. Es gibt kaum abgesenkte Bordsteine und auch keine Hinweise oder Leitlinien sind vorhanden. Auch der Großteil der Innenstadt ist mit Kopfsteinpflaster bedeckt, welches gerade für Rollstuhlnutzer/innen den Weg zum Hauptbahnhof erschwert. An der Haltestelle selbst gibt es keine Aufenthaltsmöglichkeiten und auch keine Toiletten. Seit Mai 2016 halten die Busse nichtmehr an dieser Haltestelle sondern an einem Provisorium an der Museumsmeile, da der alte Busbahnhof umgebaut wird. Die provisorisch eingerichtete Haltestelle befindet sich ca. 3 Km vom Hauptbahnhof entfernt. Zudem gibt es keine Aufenthaltsmöglichkeiten und keine Toiletten. Wie lange dieses Provisorium bleiben soll und wann der neue Busbahnhof eröffnet wird, ist noch unklar. „Dann muss ich wohl nochmal nach Bonn fahren“, so Gabriele. 

Weitere Informationen: 

Meldestelle für Barrierefreie Fernlinienbusse
Kurfürstenstr. 131
10785 Berlin
Tel.: 030 8145268-53
E-Mail: Opens window for sending emailmeldestelle@bsk-ev.org