24.10.2016 09:17 Alter: 3 Jahre

ARD radiofeature im Oktober: „Schwer behindert – Ein Feature über hoch qualifizierte Menschen”

Von: Peter Reichert

Die Arbeitslosigkeit von Schwerbehinderten bleibt hoch, obwohl sich die Lage am Arbeitsmarkt insgesamt verbessert hat und Unternehmen über Fachkräftemangel klagen. Doch ein Viertel aller beschäftigungspflichtigen Betriebe weigert sich, Menschen mit Behinderungen einzustellen und zahlt stattdessen lieber vom Gesetzgeber verordnete Ausgleichsabgaben. In Bewerbungsverfahren werden Behinderte häufig mit vorgeschobenen Begründungen aussortiert.

Und auch Arbeitsagenturen und Jobcenter vermitteln hoch qualifizierte Schwerbehinderte allenfalls an Behinderteneinrichtungen oder in Computerkurse, nicht jedoch auf Stellen, die ihren Fähigkeiten entsprechen. Feature-Autor Charly Kowalczyk hat mit Menschen gesprochen, die gerne am Arbeitsleben teilnehmen würden, wegen ihrer Behinderungen aber keine echte Chance bekommen. Er geht außerdem auf Ursachenforschung und fragt bei der Politik und in Unternehmen nach, warum Schwerbehinderte immer noch mit Diskriminierung zu kämpfen haben, obwohl Deutschland bereits 2007 die UN-Behindertenrechtskonvention unterzeichnet hat.

Das neue ARD radiofeature „Schwer behindert – Ein Feature über hoch qualifizierte Menschen” ist ab Mittwoch, 26. Oktober 2016, in sieben Wort- und Kulturwellen der ARD und im Internet unter www.radiofeature.ard.de zu hören. Sorgen vor zu viel Bürokratie oder kostspieligen Umbaumaßnahmen für Barrierefreiheit und die Denkweise, Menschen mit Behinderungen könnten auch grundsätzlich nur eingeschränkt Leistungen erbringen, schrecken viele Arbeitergeber ab.

Offen darüber sprechen möchten die Unternehmen jedoch nicht. Nur ein Geschäftsführer trifft sich mit dem Autor, möchte aber anonym bleiben. Sein Unternehmen sei weltoffen, die Belegschaft multikulturell, eigentlich sei es barrierefrei. Zumindest im Denken, fügt er lächelnd hinzu.

Bei über 200 Beschäftigten müssten fünf Schwerbehinderte im Unternehmen arbeiten. Stattdessen zahlt das Unternehmen monatlich 1.600 Euro an Ausgleichsabgaben. Die Arbeitsvermittler im Jobcenter sind häufig auch keine Hilfe, wie Rainer Söntgerath aus Erfahrung weiß. Sein Ansprechpartner wechselt ständig. Ein Schwerbehinderten-Beauftragter? Fehlanzeige.

Er solle doch Erwerbsminderungsrente beantragen, wird ihm nahegelegt. Dann wäre das Jobcenter ihn los. Der 55-Jährige will aber arbeiten, allerdings höchstens 30 Stunden, weil er auf seinen Körper achten muss. Bei ihm wurde Multiple Sklerose, kurz MS, diagnostiziert. Doch wenn er gefragt wird, was ihm fehlt, lautet die Antwort: „Eine Beschäftigung.“

Sendetermine:

SWR 2 Mittwoch, 26. Oktober 2016, 22:03 Uhr

Antenne Saar Samstag, 29. Oktober 2016, 17:04 Uhr

SR 2 Samstag, 29. Oktober 2016, 17:04 Uhr

BR 2 Samstag, 29. Oktober 2016, 13:05 Uhr

Nordwestradio (RB) Sonntag, 30. Oktober 2016, 16:05 Uhr

NDR Info Sonntag, 30. Oktober 2016, 11:05 Uhr

WDR 5 Sonntag, 30. Oktober 2016, 11:05 Uhr

hr2-kultur Sonntag, 30. Oktober 2016, 18:05 Uhr