16.09.2019 08:52 Alter: 35 Tage

Spinal Cord Injury Day am 5. September

Kategorie: September 2019

Verbände informieren Politik und Öffentlichkeit über die Situation Querschnittgelähmter

Foto: FGQ, Lukas Kapfer

Verbände, die sich die Interessenvertretung von Menschen mit Querschnittlähmung auf die Fahne geschrieben haben, brachten ihre Anliegen bei einem Treffen anlässlich des „Spinal Cord Injury Day“ am 5. September im Bundesministerium für Gesundheit vor. Begleitend unterstrich eine öffentlichkeitswirksame Aktion vor dem Brandenburger Tor die Wichtigkeit ihres Anliegens.

Theorie traf auf Praxis als Verantwortliche der Deutschsprachigen Medizinischen Gesellschaft für Paraplegiologie (DMGP), der Deutschen Stiftung Querschnittlähmung (DSQ) und der Fördergemeinschaft der Querschnittgelähmten (FGQ) im Bundesministerium für Gesundheit eine Studie zur Situation von Querschnittgelähmten präsentierten.

Studie liefert belastbare Daten

Frau Sabine Weiss, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit, ließ sich anlässlich eines Treffens im Ministerium von Prof. Dr. Christoph Gutenbrunner, Chefarzt und Abteilungsleiter der Klinik für Rehabilitationsmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover, aus erster Hand über die Situation von Menschen mit Querschnittlähmung in Deutschland informieren.Prof. Gutenbrunner präsentierte ihr die Ergebnisse der GerSCI-Studie, einer aufwendigen Untersuchung auf der Basis einer Befragung von mehr als 1400 Betroffenen, die erstmals belastbare statistische Informationen zur Situation dieses Personenkreises liefert. Die Studie ist Teil eines internationalen Projektes, mit dem einer Forderung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entsprochen wird, möglichst genaue Zahlen zur Lebenssituation von Menschen mit Behinderung zu ermitteln.

Konkrete Handlungsempfehlungen

Aus der Studie abgeleitete Kernforderungen sind neben anderen die Gewährleistung einer spezialisierten, lebenslangen Versorgung von Menschen mit Querschnittlähmung, die Schaffung von barrierefreien ambulanten Versorgungsstrukturen sowie eine kostenträgerunabhängige Hilfsmittelversorgung. Prof. Gutenbrunner betonte die Relevanz der Daten und übergab am Ende seines Vortrages einen „Policy Brief“, in dem die Handlungsfelder benannt sind und kündigte an, im Dialog konkrete Handlungsempfehlungen für die Politik zu entwickeln.

Im Anschluss an diesen Wissenstransfer moderierte der Geschäftsführer der FGQ, Felix Schulte, eine Bürgersprechstunde mit rund 60 Teilnehmern, darunter vielen Betroffenen und Fachleute aus Querschnittzentren, in der die Thematik über praktische Erfahrungen und Anregungen vertieft wurde.

Referentenentwurf kommt auf den Prüfstand

Frau Sabine Weiss zeigte sich sehr interessiert. Für Aufmerksamkeit sorgte das Eingeständnis des ebenfalls anwesenden Referatsleiters Dr. Abt, dass der vielfach kritisierte Referentenentwurf zum Reha- und Intensivpflegestärkungsgesetz (RISG) missverständlich formuliert gewesen sei. Frau Weiss versprach Nachbesserungen des Entwurfes.

Hindernisparcours am Brandenburger Tor

Ergänzt wurde das Treffen durch eine im Anschluss durchgeführte Aktion vor dem Brandenburger Tor, die viel Aufmerksamkeit auf sich zog. Unter den argwöhnischen Blicken von Ordnungshütern hatten die Teilnehmer des Aktionstages auf dem Pariser Platz einen Rollstuhlparcours mit allerlei Hindernissen aufgebaut. Ab 15 Uhr konnten sich Passanten und Touristen unterstützt von Rollstuhlprofis mittels zur Verfügung gestellter Rollstühle selbst ein Bild von den Schwierigkeiten machen, mit denen Rollstuhlnutzer täglich zu kämpfen haben.

Der Aktionstag und das Engagement aller Beteiligten haben das Bewusstsein für die Belange der Betroffenen geschärft. Auch für das kommende Jahr ist eine Aktion in Planung.