29.08.2019 08:50 Alter: 85 Tage

Vor 80 Jahren begann die systematische Tötung von Menschen mit Behinderung

Kategorie: August 2019
Von: Peter Reichert

Gedanken von Gerwin Matysiak, BSK-Bundesvorsitzender

Foto zeigt einen Aktivrollstuhl auf einem Mahnmal stehend. Auf dem Stein steht die Inschrift: Den Opfern zum Gedenken. Uns zur Mahnung. Nie wieder Faschismus.

„Vor achtzig Jahren – am 1. September 1939 – begann nicht nur der Zweite Weltkrieg, sondern per rückdatiertem Erlass auch die systematische Tötung von Menschen mit Behinderungen durch das nationalsozialistische Regime.

Bis Kriegsende fallen dem später unter dem Namen ‚Aktion T4‘ bekannt gewor-denen Morden rund 70.000 Menschen zum Opfer. Insgesamt sterben im Rah-men der Krankenmorde rund 200.000 Menschen.

Das Ziel war es, die Kosten für die Pflege in den Krankenanstalten zu senken und unheilbare Erbkrankheiten auszurotten.

Vor diesem Hintergrund fordert unser Verband im Aktionsbündnis des Deut-schen Behindertenrates, dass der jetzt vorgelegte Referentenentwurf zum neuen Rehabilitations- und Intensivpflegegesetz (RISG) von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, im Wesentlichen überarbeitet werden muss.

Selbstbestimmtes Leben und das Recht auf menschenwürdiges Wohnen werden in diesem Referentenentwurf ausgehebelt. Betroffene würden dann in stationäre Einrichtungen eingewiesen und dürften nur in Ausnahmefällen zu Hause leben.

Menschen, die auf Intensiv- und Beat-mungspflege angewiesen sind, haben das Recht mit eigener Assistenz selbstbestimmt in ihrer Wohnung zu leben. Das bestätigt auch das kürzlich im Fall des schwerbehinderten Markus Igel ergangene Urteil des Mainzer Sozialgerichts.

Kein Mensch darf aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen werden, in eine Pflegeeinrichtung zu ziehen.

Dafür setzt sich der BSK zusammen mit den weiteren 140 Organisationen behin-derter und chronisch kranker Menschen in Deutschland ein.“

Foto: Peter Reichert/Rollstuhl auf Denk-mal