"Für Betroffene darf sich nichts verschlechtern"

(bsk-pr) Die Leistungen aus der Sozialen Pflegeversicherung werden je nach Eingruppierung in eine der drei Pflegestufen gewährt. Diese richten sich nach dem Umfang des Hilfsbedarfes, den ein betroffener Mensch im Bereich der Grundpflege und der hauswirtschaftlichen Versorgung hat.

Dieses Beurteilungsschema und eine Erweiterung von 3 auf 5 Stufen soll jetzt komplett neu gestaltet werden. Die Definition des Pflegebedürftigkeitsbegriffes war Thema einer Podiumsdiskussion am Freitag, 2. September 2011 in der Landesvertretung Niedersachsen in Berlin. Der Veranstalter, der Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e.V., hatte mit Dr. h.c. Gohde einen kompetenten Gesprächspartner für das Podium gefunden.

Moderator war Karl Finke, Landesbehindertenbeauftragter in Niedersachsen und Vorstandsmitglied im BSK e.V. In seinem Impulsreferat warnte Dr. Gohde vor weiteren Rückschritten im Zuge der Neudefinition des Pflegebegriffes. „Passen Sie auf, dass sich für Menschen mit Körperbehinderung nichts verschlechtert und sorgen Sie dafür, dass auch Demenzkranke dabei berücksichtigt werden“, appellierte er an die Vertreter der Behindertenverbände und forderte deren aktive Zuarbeit.

„Nach 15 Jahren Pflegeversicherung ist die fast völlige Entpflichtung der Kommunen von diesem Bereich ihrer Daseinsvorsorge zu erkennen. Es liegt in der Verantwortung der Behindertenverbände und Interessensvertretungen, die Kommunen für das Thema Pflegebedürftigkeit zu sensibilisieren“. Mit der von der Bundesregierung jetzt vorgeschlagenen neuen Expertenkommission sieht Gohde die Gefahr der Verschleppung. „Unser Pflegebeirat hat bereits in der letzten Wahlperiode ein Modell erarbeitet, das in der Reform umgesetzt werden kann“.

 Für die Zukunft der alternden Gesellschaft erhofft sich Dr. Gohde einen Paradigmenwechsel. Demnach muss die bisherige Politik für Senioren zur Politik für ein Leben in sozialer Teilhabe, geprägt von einer Sozialraumorientierung und einer Vernetzung der Beteiligten führen. Getragen von den Gedanken der UN-Konvention sieht Dr. Gohde die Chance für eine lebenswerte Infrastruktur. Dabei soll Wohnen, Bildung, Gesundheit und Kultur bei ambulanter Unterstützung in der Kommune stattfinden.

Er sprach sich gegen einen weiteren Ausbau stationärer Einrichtungen aus und will sich für die Stärkung von ambulanten Lösungen einsetzen.