Podiumsdiskussion Menschen mit Behinderung in den Medien

Podiumsdiskussion

(bsk-pr) Über das Thema „Menschen mit Behinderung in den Medien“ diskutierten Medienexperten und Politiker am Freitag, 1. März 2013, in der nordrhein-westfälischen Landesvertretung in Berlin. Den Anstoß zu dieser Podiumsdiskussion gaben Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Krautheimer Werkstätten für Menschen mit Behinderung.

Sie fühlten sich durch Formulierungen in den Medien auf ihre Behinderung reduziert und nicht als Mensch behandelt. „Die Zeit der Freakshows, in denen Menschen mit Behinderung vorgeführt wurden, ist noch nicht vorbei“, kritisierte Raul Krauthausen, Leidmedien.de-Macher.

Respektlose Gaff-Formate der Sender RTL-2 („Aussergewöhnliche Menschen“) und SAT1 („Die große Welt der kleinen Menschen“) tragen nicht zu einer Bewusstseinsbildung im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention bei. Journalisten mit Formulierungsdefiziten können sich bei Krauthausen und seinem Team informieren. „Die meisten hatten noch keine persönlichen Begegnungen mit Menschen mit Behinderung.

Für sie existieren Klischees. Hier helfen wir weiter.“ Auch Maria Michalk, Behindertenbeauftragte der CDU/CSU-Fraktion, hat als Angehörige einer sorbischen Minderheit Diskriminierungen erlebt. Sie sieht Behindertenpolitik als eine Querschnittaufgabe in der der Abbau von Vorurteilen und Berührungsängsten im Mittelpunkt steht. „Ich spreche mit vielen Arbeitgebern über die Einstellung von Menschen mit Behinderung auf dem 1. Arbeitsmarkt. Viele verkennen die Fähigkeiten und Potentiale dieser Menschen und zahlen lieber eine Ausgleichsabgabe“, betonte sie. Medienexperte und Künstlermanager Jörg Strombach würde es begrüßen, wenn die Inklusion auch in den Medienunternehmen angekommen ist. „Warum sollte ein behinderter Mensch nicht wie selbstverständlich eine Talkshow-Diskussion führen?“, betont er. Für ihn fängt eine Behinderung „grundsätzlich im eigenen Kopf an“ so Strombach.

Als eine Möglichkeit, um die Bewusstseinsbildung bereits bei jungen Menschen zu fördern, rät er zur Einführung eines neuen Unterrichtsfaches an den Schulen. „Wenn wir gut 90 Prozent unseres Informationsbedarfs über die Massenmedien decken, ist diese Überlegung sicher nicht ganz uninteressant, ein Schulfach Medien einzuführen. So könnten vor allem die nachwachsenden Generationen sich im kaum noch zu durchschauenden Mediendschungel besser zurecht finden und letztlich für einen ´normaleren´ Umgang mit den verschiedensten Bevölkerungsgruppen sensibilisiert werden.“

Für Sandy Krohn ist eine Weiterentwicklung bei den Formulierungen in der Presse im Laufe der Jahre spürbar. Die Chefredakteurin der Berliner Behindertenzeitung sagt „auch in unserer Redaktion hat sich der Paradigmenwechsel vollzogen. Der Mensch steht im Vordergrund und nicht seine Behinderung“.

Beim Sender Rundfunk Berlin-Brandenburg, ist man in Sachen Barrierefreiheit und Bewußtseinsbildung auf dem richtigen Weg. „Sowohl von der technischen Ausstattung mit Untertitelung oder Audiodeskription als auch bei der inhaltlichen Darstellung achten wir die Wünsche und Ansprüche von Menschen mit Behinderung“, betont Nawid Goudarzi, Produktions- und Betriebsdirektor beim rbb. „In regelmäßigen Gesprächen mit Behindertenverbänden informieren wir uns über die aktuelle Situation von Menschen mit Behinderung“, betonte Goudarzi. Weitere Fotos HIER Pressemappe HIER