Kamingespräch mit Evelyne Gebhardt

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(bsk-pr) Urlaub machen im Rollstuhl. Strände, Hotels und Aktivitäten vor Ort ohne Barrieren. Das sollte heutzutage eigentlich kein Problem sein. Denkt man. Doch die Realität sieht in Europa anders aus. Auf Einladung des Bundesverbandes Selbsthilfe Körperbehinderter e.V. diskutierten am 20. November 2009 in Krautheim Teilnehmer des Reiseassistenten-Workshops aus 6 Nationen mit Evelyne Gebhardt, Mitglied des Europäischen Parlaments, über Barrieren beim Reisen.

Der Workshop wurde mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. Im Vordergrund des Gesprächs, das von BSK-Pressesprecher Peter Reichert moderiert wurde, stand die vor zwei Jahren in kraft getretene Verordnung der Europäischen Union zum barrierefreien Reisen.

„Menschen mit eingeschränkter Mobilität wird darin unter anderem eine durchgehende Betreuung von der Ankunft am Flughafen bis zum Abflug zugesichert“, informierte Evelyne Gebhardt. Dass es dennoch zu Problemen bei Flugreisen kommen kann, unterstrich Hanna Ursin vom BSK-Reiseservice: „Wenn die Fluggesellschaft kurzfristig eine andere Maschine einsetzt, kann das für einen Fluggast mit Rollstuhl bereits vor Reisebeginn Endstation bedeuten“.

Dabei ist die Anreise das erste Glied der Touristischen Servicekette. „Von der Anreise über Unterkunft, Freizeit- und Einkaufsmöglichkeiten sind alle Stationen verbindlich barrierefrei zu gestalten“, betonte Hanna Ursin. Evelyne Gebhardt Auf die Frage eines Workshop-Teilnehmers, wer in der EU die Einhaltung dieser Vorgaben kontrolliert, antwortete Evelyne Gebhard: „Die Kontrolle über die Durchführung dieser Verordnung obliegt den Regierungen in den jeweiligen Mitgliedstaaten.

Wenn es zu Vorfällen kommt, bei den Menschen mit Behinderung benachteiligt werden, dann ist die EU-Kommission umgehend zu informieren“. Zahlreiche Projekte laufen derzeit auf EU-Ebene, die den barrierefreien Tourismus weiterentwickeln sollen. Diskutiert wurde das Projekt CALYPSO, bei dem Gesellschaftsgruppen, die es sich nicht leisten können Urlaub zu machen, berücksichtigt werden sollen.

Gebhardt appellierte an die Behindertenverbände in Deutschland, ihre Erfahrungen in diese Projekte mit einzubringen. „Nur so können die Interessen und Ansprüche der Behindertenverbände langfristig berücksichtigt werden“. Noch immer unklar ist, wann der Europäische Behindertenausweis kommt. Auch Evelyne Gebhardt konnte diese Frage des Gremiums nicht beantworten. Sie will sich aber im Parlament dafür einsetzen, dass dieses für alle Betroffenen wichtige Dokument baldmöglichst verfügbar ist.