Kamingespräch mit Dr. Inge Gräßle, MdEP

Podiumsgespräch

Rund 10 % der Bevölkerung in Europa ist behindert und zählt damit zu den potentiellen Kunden des barrierefreien Tourismus. „Wie bereitet sich Europa auf diese Zielgruppe vor?“ lautete die Kernfrage der Podiumsdiskussion des Bundesverbandes Selbsthilfe Körperbehinderter e.V. am Freitag, 12. November 2010, in Krautheim.

Gäste waren neben Dr. Inge Gräßle, Europaabgeordnete, Bernhard Endres, BSK-Vorstandsmitglied und Reiseexperte, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des BSK-Workshops „Europas Bürger/innen als Reiseassistenz für Bürger/innen mit Behinderung“ und die Bewohnervertreterinnen des Eduard-Knoll-Wohnzentrums. Moderiert wurde die Diskussion von BSK-Pressesprecher Peter Reichert.

Zwar steigt die Zahl der barrierefreien Angebote in Europa langsam, jedoch ist die Definition des Begriffes Barrierefrei von Nord nach Süd und Ost nach West sehr unterschiedlich. „Es gibt ausreichend gesetzliche Verordnungen und Richtlinien. Die alleine reichen jedoch nicht aus, Barrieren zu beseitigen“ bemerkte Dr. Inge Gräßle. Nach ihrer Ansicht sollten die Verbände und Interessenvertreter im Dialog mit der Tourismusbranche Hilfestellung bei der praktischen Umsetzung von barrierefreien Angeboten geben. Am Beispiel der EU-Verordnung „Rechte von Flugreisenden mit eingeschränkter Mobilität“ erläuterte Bernhard Endres, „dass es Luftfahrtunternehmen seit 2006 untersagt ist, die Beförderung von Personen wegen einer Behinderung abzulehnen“.

„Nach meiner Information liegen der Beschwerdestelle in Brüssel bis heute keine Hinweise auf Verstöße vor“ ergänzte Dr. Gräßle. Beim Thema Ehrenamtliches Engagement stand die Situation der Bewohnerinnen und Bewohner in Pflegeeinrichtungen im Mittelpunkt. „Mit der Kürzung des Zivildienstes auf 6 Monate steigt die Anforderungen an die Arbeitsleistung für das Pflegepersonal enorm“, stellt Anita Schäfer, Bewohnervertreterin, fest. „Mit dem freiwilligen sozialen Jahr könnten diese Versorgungslücken geschlossen werden“, sagte Dr. Inge Gräßle und ergänzte:

„Das Jahr 2011 wurde von der EU zum Jahr der Freiwilligentätigkeit ausgerufen. Dabei soll Freiwilligen und den entsprechenden Organisationen aus ganz Europa die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch untereinander geboten werden“.