Landesgartenschau

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Landesgartenschau

"Barrierefreies Blütenmeer bei der Landesgartenschau in Schleswig?"

Erfahrungsbericht von Heike Witsch, Leiterin der Landesvertretung Schleswig-Holstein

Fahnenmeer

"Die Pressemeldung über ein barrierefreies Blütenmeer bei der Landesgartenschau hat mich neugierig gemacht.Am Dienstag nach Pfingsten fuhr ich mit der Bahn nach Schleswig. Die erste Barriere war bereits am Übergang zum Shuttle-Bus am Bahnhofsvorplatz zu überwinden. Die "Abflachung" konnte ich mit meinem Elektrorollstuhl nur mit Hilfe des Mitarbeiters der Bahnhofsmission überwinden.

Der Shuttle-Bus war mit Klapprampe ausgerüstet, hatte aber einen sehr engen Stellplatz von ca. 140 cm Länge. Ein zur Gangseite hin angebrachter Haltegriff reduzierte die Einfahrt in den Stellplatz sehr. Für handbetriebene Rollstühle sicher kein Problem, für meinen

Meyra Sprint GT aber nicht möglich. Ich blieb quer zur Fahrtrichtung stehen. Nach der Durchfahrt durch den Kassenbereich zur Landesgartenschau stand ich vor dem Informationsbüro: Holzhaus mit Holzrampe , am Ende der Rampe an der Tür eine ca. 3 cm hohe Kante. Auf der schrägen Rampe stehend ist diese Kante sicher schwer zu überfahren. Warum hat man diese 3 cm nicht gleich in die Rampe einbezogen? Noch schwieriger wurde es bei den Verkaufsständen: Holzhaüser oder Zelte, alle auf einem Holzboden stehend ( ca. 5cm), nicht angerampt.

Besonders auffällig war der Buchladen: es gab eine Rampe zum Holzboden  (deutlich mehr als 6 % Steigung) und dann stand ich vor einer ca.14 cm hohen Stufe zum Bücherladen. Meine Reaktion: Rückwärtsgang einschalten und weg! Ähnlich war die Situation bei zahlreichen Gastronomieständen. Nur das Gastronomiezelt am Haupteingang und die Parkloggia (ein Pavillon über den Schleikanal gebaut) waren über Rampen zu erreichen. Die Parkloggia erreichten Rollstuhlfahrer allerdings  nur von einer Seite; die von der Schleiseite her gebauten Holzbrückenwege zur Parkloggia zeigten 18 cm hohe Stufen. Da haben die Organisatoren sicher nicht bedacht, daß man aus Holz sehr gut Rampen bauen kann.

Weiter ging es durch die Königswiesen ( Gelände der Landesgartenschau direkt an der Schlei). Alle Wege sind auf einer Seite mit Betonplatten ausgelegt, auf der anderen Seite ein fester Sandboden. Hauptwege sind gut zu berollen, da die Platten breit genug sind. Auf den Nebenwegen rollt man auf unterschiedlichem Untergrund: eine Seite des Rollstuhls auf den Platten, die andere Seite auf dem Sandboden.

Für handbetriebene Rollstühle und Rollatoren sicher kein Idealzustand. Besonders kritisch wird es bei der Berollbarkeit der Themengärten.

Oft sind die Wege so eng, daß Heranfahren nicht möglich war. Viel Mühe hatte sich aber der Landesverband der Gartenfreunde gegeben.

Dort wurde Barrierefreiheit umgesetzt und Anregung für die Gestaltung des eigenen Gartens z.B. mit Hochbeeten gegeben!  Jetzt wollte ich den Weg am Schleiufer ausprobieren.Erstaunt war ich allerdings über einen Abschnitt des Weges direkt am Schleiufer.

Die Gehwegplatten waren  direkt am Ufer verlegt - am Rand der Platten ging es ab ins Wasser! Radabweiser oder Riffelplatten für Sehbehinderte nicht vorhanden! Ein kostenloses Bad in der Schlei erscheint mir vorprogrammiert.

Auf dem Rückweg sah ich den Schiffsanleger für die Schiffe nach Haitabu auf der anderen Schleiseite. Der Besuch des Wikinger-Museums mit Wikingerhäusern in Haitabu ist im Eintrittspreis für die Landesgartenschau enthalten, ebenso Schloß Gottorf. Meine Frage, ob es auch barrierefreie Schiffe gäbe, wurde mit großem Erstaunen verneint. Nicht weit vom Schiffsanleger sah ich die Damp Open  Air Bühne, eine terrassenförmig gebaute Freilichtbühne. Rollstuhlfahrer stehen während der Veranstaltungen vor den Sitzreihen. Bei einer Besichtigung  im Februar 2008 hatten die Verbände dem Veranstalter vorgeschlagen, die Rolliplätze in die Sitzreihen zu integrieren, damit Begleiter auch bei den Rollifahrern sitzen könnten. Diese Anregung wurde wie viele andere Anregungen leider nicht aufgenommen!

Aber zum Schluß eine positive Mitteilung: Das Problem um die barrierefreien WCs war gut gelöst. Es standen mobile WCs zur Verfügung, die alle Anforderungen an Barrierefreiheit erfüllten.
Die in der Pressemeldung angekündigte barrierefreie Großveranstaltung mit Vorbildcharakter habe ich in Schleswig leider nicht vorgefunden. Eine Projektgruppe zur Beratung im Vorfeld macht eben nur dann Sinn, wenn der Rat der Betroffenen auch angenommen wird."

 

Reaktion der Landesgartenschau Schleswig-Schleiregion gGmbH:

Brief von Wolfgang Schoofs an den BSK e.V.

Schleswig, 22. Mai 2008

Barrierefreiheit

Sehr geehrte Frau Winkler, sehr geehrter Herr Matysiak,

mit Erstaunen haben wir den Bericht hinsichtlich der Barrierefreiheit auf der Landesgartenschau
auf lhrer lnternetseite gelesen. Was uns besonders erstaunt ist, dass dieser Bericht anonym
verfasst wurde, was für uns sehr ungewöhnlich ist. Mit allen zuständigen Behörden sowie Ver-
bänden haben wir seinerzeit eine umfangreiche Begehung begangen und insbesondere von der
Landesregierung sind umfangreiche Mittel für die Barrierefreiheit der Landesgartenschau sowie
der Stadt Schleswig zur Verfügung gestellt worden.

Wir halten den auf lhrer lnternetseite anonym veröffentlichten Artikel für nicht sachgerecht und
nur einseitig dargestellt. Was in Ihrem Berichüt überhaupt nicht besprochen wird, sind die barrierefrei
gestalteten Bushaltestellen sowie die von der Fachhochschule Kiel mit öffentlichen Mitteln installierte Audiosystem.

Vermehrt stellen wir fest, dass gerade behinderte Menschen unsere Landesgartenschau besuchen und diese sich in den Gesprächen,
die mit ihnen geführt werden außerordentlich positiv über unsere Landesgartenschau äußern.

Bitte beachten Sie bei lhrer Berichterstattung, dass gerade in Schleswig das Ziel verfolgt wurde,
ein hohes Maß an Barrierefreiheit sicherzustellen.

Und das haben wir auch durch die uns zur Verfügung stehenden Mittel im Vergleich zu anderen
öffentlichen Einrichtungen, Gebäuden und Anlagen mehr als erreicht. Bitte beachten Sie auch,
dass es sich um eine Parkanlage handelt, in der erstmalig in einem solchen Umfang Barrierefreiheit implementiert wurde.
Wir wären Ihnen sehr verbunden, wenn Sie genauso wie wir an einer sachgerechten Berichterstattung interessiert wären.

Hinsichtlich der Hilfe auf der Landesgartenschau mochten wir noch einmal ausdrücklich darstellen,
dass unsere Mitarbeiter alle angewiesen sind, behinderten Menschen Hilfe zu leisten. Dies
wäre auch im Fall Ihres anonymen Besuchers der Fall gewesen. Über ein Gespräch in Schleswig
mit allen betroffenen Einrichtungen wären wir lhnen sehr verbunden. Diesbezüglich werden
wir nochmals mit lhnen Kontakt aufnehmen.

(Hinweis: Wir haben jetzt im Bericht den Namen der Autorin genannt. bsk-pr)