Mobilitätstraining

Mobilitätstraining

Alltägliche Barrieren meistern

Mobilitätstraining des BSK für Kinder und Jugendliche, die im Rollstuhl sitzen

Daniel startet durch

(hz-ds/bsk-pr) Krautheim - Lukas möchte auf den Gehweg. Doch vor ihm tut sich der Bordstein auf. Mit Anlauf fährt er auf die Kante zu, bleibt aber hängen. Zweiter Versuch. Der junge Rollstuhlfahrer holt Schwung, hebt seine Vorderräder über die Kante und wuchtet sich auf den Gehweg. Geschafft. Den Bordstein zu überwinden ist nur eine von vielen Schwierigkeiten im Alltag.

Vor allem junge Rollstuhl-Fahrer tun sich damit oft schwer. Der Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter (BSK) bot in Krautheim deshalb mit der Gesellschaft zur Förderung des integrativen Sports erstmals ein Mobilitätstraining für Kinder und Jugendliche an, die aufgrund einer Behinderung im Rollstuhl sitzen. „Wir wollen zeigen, was man mit dem Rollstuhl alles machen kann“, sagt Carola Rennstich (BSK). Dazu gehören Rollstuhltänze, Handfahrräder oder Fangen spielen.

Gruppenerlebnis In der Krautheimer Stadthalle rasen 15 Rollstühle hintereinander her. Ganz junge Rollstuhlfahrer jagen ältere, Elektro-Rollstühle fahren vor handbetriebenen davon. Alle sitzen heute im „Rolli“: Behinderte genauso wie Nicht-Behinderte. „Das Erleben in der Gruppe ist uns an diesem Wochenende sehr wichtig“, erläutert Seminarleiter Holger Kranz. Daneben sollen die Kinder lernen, mit alltäglichen Barrieren zurecht zu kommen. Dafür üben sie zunächst einfach Dinge, fahren geradeaus und drehen sich mit ihrem Rollstuhl auf der Stelle. Sie lernen dabei, ihren Rollstuhl mit wenig Kraft zu bewegen und sicher zu führen. Nach diesen Trockenübungen kommt die nächste Schwierigkeitsstufe. In der Stadthalle ist ein Rolli-Parcours aufgebaut. Ein Hindernis simuliert schräge Gehsteige, eine Holz-Rampe steht für steile Wege.

Sicherheit Kranz und seine Kollegin Katrin Faschian führen jeden langsam über die Trainingsstrecke. „Die Kinder bekommen so Sicherheit und trauen sich dann draußen viel mehr“, sagt Carola Rennstich. Bernd Maier kennt diesen Lerneffekt. Er begleitet seine Tochter Annika häufiger zu solchen Wochenenden. Und jedes Mal mache Annika Fortschritte, erzählt der Böblinger.

Doch nicht nur die Kinder lernen an diesem Tag dazu. Ihre Eltern erfahren, wie es ist, im Rollstuhl zu sitzen. „Das erlebt man nur, wenn man wirklich mal drin sitzt“, sagt Bernd Maier. Schon den ganzen Nachmittag fährt er im Rollstuhl durch die Halle und macht alle Übungseinheiten mit. Er wünscht sich, „dass am Ende jeder der Erwachsenen weiß, was sein Kind leistet“. Und fügt hinzu: „Ein Rollstuhlfahrer muss oft viel mehr leisten als Nicht-Behinderte.“ Daniel Stahl, Hohenloher Zeitung. Foto: PR

Weitere Infos zum Projekt: Jugendarbeit