Gute Arbeit trotz Handicap

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Gute Arbeit trotz Handicap

Fachtagung "Job4000 - Gute Arbeit trotz Handicap" in Stuttgart

WfB

01.02.2008 (BMAS/bsk-pr) Das Ministerium für Arbeit und Soziales Baden-Württemberg und der Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg (KVJS) waren in Kooperation mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) Veranstalter einer Fachtagung zum Thema "Job4000 - Gute Arbeit trotz Handicap" am 12.12.2007 in Stuttgart, bei der die Beschäftigungssituation besonders betroffener schwerbehinderter Menschen im Mittelpunkt stand.

Das Programm Job4000 wird in Baden-Württemberg vom BMAS und dem Integrations­amt des KVJS zu gleichen Teilen finanziert. Mit ihm werden Arbeitgebern zusätzliche finanzielle Anreize geboten, die besonders betroffene schwerbehinderte Menschen einstellen. Das Programm Job4000 ist ein wichtiger Baustein der so genannten Aktion 1000 des KVJS und soll deren bisherigen erfolgreichen Verlauf noch weiter unterstützen.

Vor rund 150 Gästen (Arbeitgeber, Vertreterinnen und Vertreter von Leistungsträgern, Schulen, Werkstätten für behinderte Menschen, Integrationsfachdienste etc.) wurde praxisnah vermittelt, dass die berufliche Integration auf den allgemeinen Arbeitsmarkt mit Hilfe passender und individueller Unterstützung für Arbeitnehmer und Arbeitgeber gelingen kann. Nachweisbar auch in kleine und mittlere Unternehmen und für Personen, die sonst auf die Werkstatt für behinderte Menschen angewiesen wären.

In seinem Grußwort machte Staatssekretär Dieter Hillebrand vom Ministerium für Arbeit und Soziales Baden-Württemberg und Beauftragter der Landesregierung für die Belange behinderter Menschen deutlich, dass die Beschäftigung für schwerbehinderte Menschen ein wichtiger Aspekt zur Selbstbestätigung und ein Schritt zur aktiven Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist. Die Praxis zeigt, dass behinderte Menschen mit hohem Engagement ihre Aufgaben lösen, um ihren Job zu erhalten. Es muss daher das Ziel aller Beteiligten sein, Hemmnisse zu beseitigen und Kontakte zu knüpfen.

Unter dem Motto "Mensch und Wirtschaft verbinden!" betonte Hans-Werner Zander, Geschäftsführer der Landesvereinigung Baden-Württembergischer Arbeitgeberverbände, das besondere Engagement der Arbeitgeber für mehr Ausbildung und Beschäftigung behinderter Menschen. Dies sei nicht nur eine sozialpolitische Aufgabe, sondern auch betriebswirtschaftlich sinnvoll und ein Bestandteil einer gelebten Betriebskultur. Behinderte Menschen sind - richtig eingesetzt - voll leistungsfähige Mitarbeiter, die vielfach besonders motiviert und engagiert ihre Aufgabe erfüllen. Deshalb ist eine praxis- und betriebsnahe Beratung der Arbeitgeber von besonderer Bedeutung.

Jutta Driesch von der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit Baden-Württemberg, verwies auf die erfreuliche Entwicklung des Arbeitsmarktes im Jahr 2007. Dies eröffnet Chancen auch für behinderte und schwerbehinderte Menschen. Es gilt nun, diesen Trend aktiv fortzuschreiben. Die erfolgreiche Reform der Bundesagentur für Arbeit führt zu mehr und schnelleren Integrationen. Durch das Kundenzentrum rücken Beratung und Vermittlung in den Mittelpunkt. Von dieser Konzentration profitieren auch Menschen mit Behinderung.

Verbandsdirektor Roland Klinger stellte die "Aktion 1000" des KVJS vor, mit der der Verband innerhalb von fünf Jahren 1000 neue Arbeitsverhältnisse auf den allgemeinen Arbeitsmarkt für Abgänger von Sonderschulen für Geistigbehinderte und Beschäftigte von Werkstätten für behinderte Menschen erreichen will. Die Aktion 1000 bündelt seit 2005 alle Initiativen des KVJS, die besonders betroffenen schwerbehinderten Menschen den Weg auf den Arbeitsmarkt ebnen sollen. Vermittelt werden solche behinderten Menschen, die ansonsten auf einen sozialhilfefinanzierten Platz in einer Werkstatt für behinderte Menschen angewiesen wären, von ihrer Leistungsfähigkeit mit der entsprechenden Unterstützung aber auch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt unterkommen können.

Zur Aktion 1000 gehört neben dem Programm Job4000 unter anderem der Einsatz der Integrationsfachdienste, deren Aufgabe Berthold Deusch, Referatsleiter "Koordinierung der Integrationsfachdienste" beim KVJS, näher erläuterte. Die im Auftrag des KVJS-Integrationsamts tätigen Integrationsfachdienste vermitteln geeignete Schulabgänger aus Sonderschulen und Werkstattbeschäftigte zunächst in Praktika. Häufig bewähren sich die Praktikanten - auch dank punktgenauer Vermittlung - so gut, dass sie vom Betrieb übernommen werden. Der Integrationsfachdienst bleibt weiterhin der Ansprechpartner für schwerbehinderte Beschäftigte wie Arbeitgeber.

In den beiden vergangenen Jahren konnten so bereits 410 Sonderschulabgänger und Werkstattbeschäftigte mit Hilfe der im Auftrag des KVJS arbeitenden Integrationsfachdienste auf ganz "normale" Arbeitplätze vermittelt werden. Ende des Jahres 2007 werden fast 300 weitere Vermittlungen erreicht sein. Verbandskirektor Klinger wies darauf hin, dass damit Baden-Württemberg bundesweit eine Spitzenposition bei der beruflichen Integration besonders betroffener schwerbehinderter Menschen einnimmt. Mit der zusätzlichen Unterstützung von Job4000 soll dieses Ergebnis stabilisiert und weiter ausgebaut werden.

Drei Arbeitgeber aus kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) gaben Einblicke in die betriebliche Integrationspraxis:

  • Axel Egerer, Geschäftsführer der Jürgen Prakesch Zerspanungstechnik GmbH in Wernau
  • Matthias Uhlig, Gesellschafter der Firma Uhlig Kakteen GbR in Kernen im Remstal
  • Theophil Schulze, Inhaber der Bäckerei Schulze in Urbach (Zentrale)

Auch diese Beiträge stießen auf großes Interesse, da sie eindrucksvoll vermittelten, wie Integration in das Arbeitsleben auch in KMU gelingen kann und wie mögliche Hindernisse auf diesem Weg zu überwinden sind. Entscheidend war u.a., dass sich die Betriebe zuerst einmal auf eine Erprobung eingelassen haben und sich persönlich überzeugen konnten, ob die Fähigkeiten des behinderten Praktikanten ausreichend sind, um den betrieblichen Anforderungen gerecht zu werden. Wichtig waren zudem die Motivation der Praktikanten und die bedarfsorientierten sowie zeitnahen Unterstützungsleistungen des Integrationsfachdienstes.

Karl-Friedrich Ernst, Leiter des Dezernates Integration-Integrationsamt beim KVJS, erläuterte zum einen die Leistungen des Integrationsamtes wie finanzielle Förderung und begleitende Hilfen. Zum anderen zog er in seinem Resümee eine positive Bilanz der Aktivitäten aller Beteiligten und verwies gleichzeitig auf die noch bestehenden Herausforderungen bei der Sicherung der Teilhabe am Arbeitsleben.

Das Catering wurde unterstützt durch behinderte Auszubildende des Anna Haag Mehrgenerationenhaus - Bildungsstätte aus Stuttgart. Diese Bildungsstätte für pflegerische und hauswirtschaftliche Dienstleistungen fördert junge Frauen sowie junge Erwachsene im Rahmen spezieller Qualifizierungsangebote.