
(ak-st/bsk-pr) Seit 20 Jahren setzt sich der Landesverband Selbsthilfe Körperbehinderter (LSK) für die Interessen seiner Mitglieder ein. Am Freitag, 16. September, feierte er das Jubiläum im Kreissparkassen Carré Tübingen. Der Vorsitzende Willi Rudolf wurde mit einer Ehrenmedaille ausgezeichnet.
Schimmel im Bad oder ein karges Frühstücksbüfett – das kann jedem die Urlaubsstimmung vermiesen. Menschen mit körperlichen Behinderungen kämpfen im Hotel darüber hinaus oft noch mit ganz anderen Hürden: Das Badezimmer ist zu eng für einen Rollstuhl. Oder das Hotel verfügt nicht über einen Lift. Es mangelt an Urlaubsmöglichkeiten, die die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung erfüllen.
„Tourismus für alle“ war deshalb das Thema der gestrigen Jubiläumsfeier des Landesverbandes Selbsthilfe Körperbehinderter (LSK). Der hat seinen Sitz zwar in Mössingen, groß gefeiert wurde aber im Kreissparkassen Carré Tübingen. Die Band „Blechspezialisten“ aus Rottenburg unter der Leitung von Arno Hermann sorgte für musikalische Unterhaltung in den Pausen.
Mit Ernst Fischer, dem Präsidenten des Deutschen Hotel und Gaststättenverbandes DEHOGA, hatte der Landesverband einen Festredner eingeladen, der das Motto „Tourismus für alle“ aktiv unterstützt. Der DEHOGA hat die erste branchenweite Vereinbarung nach dem Behindertengleichstellungsgesetz eingeführt und ein System an Klassifizierungen und Symbolen entworfen, das sich an Hoteliers und Gaststättenbetreiber richtet. Die Mitglieder sollen informiert werden, wie sie ihre Einrichtungen behindertengerecht gestalten können.
Denn das Reisen gehöre zum Leben dazu, betonte Präsident Fischer. „So eine Vereinbarung bringt zwar Transparenz und setzt Standards, aber die Umsetzung ist die Aufgabe von vielen“, sagte Ernst Fischer. Architekten, Politiker und Ingenieure müssten zusammenarbeiten, um barrierefreies Reisen zu ermöglichen. Das finge schon damit an, dass eine Anreise mit der Bahn für Menschen mit Behinderung kein Hindernis sein dürfe. Fischer zeigte sich beeindruckt vom Engagement des LSK, es sei „gut und richtig“, sich in Politik und Gesellschaft einzubringen.
Bei der Jubiläumsfeier stand vor allem ein Mann im Mittelpunkt: Willi Rudolf, der Vorsitzende des LSK. Unter stürmischem Applaus wurde ihm, der im Rollstuhl sitzt, eine Ehrenmedaille überreicht und auch die Unterstützung seiner Frau gewürdigt. „Willi Rudolf lebt nach dem Motto ’Geht nicht, gibt’s nicht‘“, sagte Gerwin Matysiak, Bundesvorsitzender des Bundesverbands Selbsthilfe Körperbehinderter. Damit nahm er den Titel von Rudolfs Autobiografie auf, die der Öschinger und Kreisbehindertenbeauftragte im vergangenen Jahr veröffentlicht hat.
Mit Gerd Weimer, dem neuen Landes-Behindertenbeauftragten, hatte sich der LSK einen hochrangigen Redner erhofft. Weimer war jedoch verhindert und ließ seine Ansprache verlesen. Darin betonte Weimer, dass Menschen nicht behindert seien, sondern durch soziale Faktoren behindert würden. Ein körperliches Gebrechen sei kein Defizit, sondern Ausdruck von Individualität von Vielfalt des Lebens.
Der Landesverband feierte sein Jubiläum nicht nur, sondern nahm es auch zum Anlass, mit sechs Forderungen an die Öffentlichkeit zu treten. Unter anderem solle es in jeder Gemeinde mindestens ein barrierefreies Restaurant geben. Eine körperbehindertengerechte Ausstattung müsse ein Kriterium beim Neubau von Gaststätten sein. (Antonia Kurz/Schwäbisches Tagblatt)
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