Pro Förderschule

1. Sieger
Barrierefreies Ehrenamt
powered by
barrierefrei.de

Pro Förderschule

Netzwerk Gleichstellung und Selbstbestimmung kritisiert Gründung des Vereins „Pro Förderschule“

(ngs/bsk-pr) „Die Gründung des Vereins ´Pro Förderschule´ setzt ein vollkommen verkehrtes Zeichen“, das sagte Elke Klink, Behindertenbeauftragte des Landkreises Kusel und Pressesprecherin des Netzwerkes Gleichstellung und Selbstbestimmung in Rheinland-Pfalz (NGS), heute in Mainz. „Ich selbst bin in den 60er und 70er Jahren vom Kindergarten über die Grundschule bis zum Abitur und Studium mit Conterganschädigung im Regelschulsystem groß geworden“, schildert sie ihre überwiegend positiven Erfahrungen. In Rheinland-Pfalz kämpfen die Verbände behinderter Menschen seit vielen Jahren für ein inklusives Schulsystem, in dem alle Kinder, ob mit oder ohne Behinderung, gemeinsam unterrichtet werden. Statt Sondereinrichtungen zu erhalten, müssen die sonderpädagogischen Kompetenzen in Zukunft verstärkt im Regelschulbereich zum Einsatz kommen.

Die von Deutschland vor über zwei Jahren unterzeichnete UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen gebe den Weg zu einem gemeinsamen Lernen behinderter und nicht behinderter Kinder und Jugendlicher vor und lasse hoffen, dass Eltern künftig eine echte Wahlfreiheit beim Schulbesuch ihrer beeinträchtigten Kinder haben. Für die Selbstbestimmung und Gleichstellung von Schülerinnen und Schülern mit einer Behinderung sei dies ein wichtiger Schritt, vor dem auch nicht der Verein „Pro Förderschule“ die Augen verschließen könne.

Zwar gebe es, so Klink weiter, vor allem im baulichen Bereich und in der Ausbildung der Lehrkräfte zum Erreichen eines inklusives Schulsystems noch erheblichen Nachholbedarf, umso mehr komme es nun aber darauf an, an einem Strang zu ziehen. Schwerpunktschulen seien ein guter Anfang, das Ziel müsse aber heißen „eine Schule für ALLE“. Hierbei sind sich die Verantwortlichen des NGS einig: Die Kompetenzen der Förderschulen müssen in den Regelschulbereich einfließen. Dann können die Ängste der Eltern, ihre Kinder könnten in einer „Schule für Alle“ nicht optimal gefördert werden, erst gar nicht entstehen. „Aber deshalb einen Verein ´Pro Förderschule´ zu gründen, ist ein Rückschritt und ein absolut falsches Signal“, so Klink abschließend.

Auch Marita Boos-Waidosch, Behindertenbeauftragte der Stadt Mainz und Mitglied des NGS, kritisiert die Gründung des Vereins: „Wachsen Kinder mit und ohne Beeinträchtigung von Anfang an gemeinsam auf und gehen gemeinsam in den Kindergarten, die Schule oder die Universität, werden Vorurteile und Berührungsängste abgebaut, soziale Kompetenzen und der natürliche, selbstverständliche Umgang miteinander gestärkt.“ Die Initiative solle ihr Engagement vielmehr dahingehend bündeln und nutzen, Kinder mit einem Förderbedarf in Regeleinrichtungen zu unterstützen und das hierfür notwendige Wissen und die Erfahrungen von Sonderpädagoginnen und –pädagogen bereit zu stellen. Schulen mit einem Förderschwerpunkt können beispielsweise als Kompetenzzentren weiter ihr know-how einbringen.

Das Netzwerk Gleichstellung und Selbstbestimmung in Rheinland-Pfalz ist ein unabhängiges Bündnis von behinderten Menschen und Organisationen, darunter die Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe Behinderter, VdK, Sozialverband Deutschland und Zentrum für Selbstbestimmtes Leben Mainz, das sich für die Einbeziehung und Teilhabe behinderter Menschen an den regulären Möglichkeiten in der Gesellschaft einsetzt. Dies gilt für alle Lebensbereiche, Erziehung und Bildung, Arbeit, Wohnen und persönliche Assistenz, aber auch Freizeit und Kultur. Damit dies gelingen kann, muss für Menschen mit ganz unterschiedlichen Behinderungen umfassende Barrierefreiheit gegeben sein.