(bsk/ph-pr) Menschen mit Behinderung sind aufgrund ihrer meist nur eingeschränkten Erwerbstätigkeit stärker von Altersarmut bedroht als vergleichbar ausgebildete Menschen ohne Behinderung. So die einhellige Meinung der Referenten auf der Veranstaltung „Altersarmut - Gesichter und Handlungsansätze“ der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen in Berlin. Vor Ort für den BSK e.V. informierte sich der sozialpolitische Referent des Verbandes, Maik Nothnagel.
Die Bundestagsvizepräsidentin Kathrin Göring-Eckardt begrüßte die Anwesenden stellvertretend für die gesamte Fraktion. In ihren einleitenden Worten wies sie zwar darauf hin, dass es nicht nur materielle Werte seien, die im Leben zählten, gerade aber im Alter sei eine rechtzeitige finanzielle Vorsorge noch immer das Wichtigste. Nur „ein langer Blick nach vorn“, so die Abgeordnete, könne sicherstellen, dass im Alter keine Armut drohe. Bedingt durch die demographische Entwicklung würden zukünftig über 40% der älteren Menschen alleine Leben. Hier seien Aspekte wie häusliche Pflege dann keine Alternative mehr zu einer Heimunterbringung. Besonders von Armut im Alter bedroht seien Personen, die bereits vorher staatliche Sozialleistungen erhalten hätten, ausreichend hohe Rentenansprüche könnten so erst gar nicht aufgebaut werden.
Der behindertenpolitische Sprecher der Fraktion, Markus Kurth, ging besonders auf die Problematik der Situation von älteren Menschen mit Behinderung ein. Wie bereits einige seiner Vorredner wies er eindringlich darauf hin, dass der Zugang zum ersten Arbeitsmarkt der wichtigste Faktor sei, um ausreichende Rentenansprüche für das Alter zu erwerben. Gerade bei Menschen mit Behinderung, immerhin sind dies ungefähr 10 Millionen in Deutschland, sei dies schwierig. Selbst bei entsprechender Ausbildung würden viele oftmals nur in einer Behindertenwerkstatt eine Arbeitsstelle finden. In solcherlei Einrichtungen sei es nicht möglich später über eine angemessene Rente zu verfügen. Hier müsse, wie in anderen Bereichen des Arbeitslebens auch, das Rentensystem wie auch die Arbeitsmarktbedingungen reformiert werden. Kritisch setzte sich Kurth besonders mit den Gewerkschaften und Sozialverbänden auseinander, die sich bis jetzt noch nicht deutlich genug mit dem Problem des Arbeitslebens für Menschen mit Behinderung auseinander gesetzt hätten.
Dr. Joachim Ragnitz vom Institut für Wirtschaftsforschung in Dresden erklärte, dass es am wichtigsten sei Präventiv gegen eine drohende Altersarmut tätig zu werden. Menschen, die sich bereits im Renteneintrittsalter befänden, könnte durch Reformen kaum noch geholfen werden. Unterstützungsleistungen des Staates seien hier oftmals zwangsläufig. Bedingt durch die demographische Entwicklung sieht Ragnitz hier dringenden Handlungsbedarf, zu dem auch die „Rente mit 67“ gehöre, die ein Schritt in die richtige Richtung gewesen sei, so der Wissenschaftler. Die beste Altersvorsorge sei nach wie vor eine gut bezahlte Arbeit, die jedoch allen Menschen - mit und ohne Behinderung - zur Verfügung stehen müsste. Die Ergebnisse der Diskussionen des Fachgesprächs würden auf jeden Fall in die weitere Arbeit der Fraktion verwendet werden, so Göring-Eckardt zu den Anwesenden.
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