Schleswig-Holstein:

(me/bsk-pr) „Wir wollen uneingeschränkt am Leben teilhaben“, bringt es Angelika Mincke auf den Punkt. Seit die Vorsitzende der „Aids und Behinderten Selbsthilfegruppe ABS“ vor zwei Jahren zum ersten Mal in Ratzeburg zur Teilnahme am europaweit stattfindenden Protesttag aufrief, hat sich viel getan – wenn auch die wichtigsten Ziele längst nicht erreicht sind.
Was ihr Engagement aber bewirkt hat: Immer mehr Bürger setzen sich ein für einen menschengerechten Umgang mit Behinderten, auf sozialer, politischer und humaner Ebene. Sichtbar wird das am 5. Mai 2011, wenn um 15 Uhr am Asmus-Bremer-Platz in Kiel die schleswig-holsteinische Protestaktionen beginnen. Die Selbsthilfegruppe hat damit zum ersten Mal die bisher eher punktuell auf Ratzeburg beschränkten Aktionen einem landesweiten Einzugsgebiet geöffnet. Organisiert wurde die Aktion mit Unterstützung des Behinderten Politischen Arbeitskreis Schleswig-Holstein. Eine Kundgebung soll an diesem Tag zunächst über Themen informieren, die den Betroffenen unter den Nägeln brennen.
Dazu gehören unter anderem die oft unzureichende Barrierefreiheit, die zwar bereits 2009 ratifizierte, aber noch nicht verwirklichte Behindertenrechtskonvention der UN, fehlende oder gekürzte Sozialleistungen sowie unzureichende Inklusion in der Schule und am Arbeitsplatz. Anschließend, ab etwa 17.30 Uhr, sind ein Demozug durch die Stadt bis zur Schevenbrücke/ Europaplatz und Unterschriftenaktionen geplant. Wichtig ist Angelika Mincke der Dialog: „Wir laden die Politiker ein, Platz zu nehmen auf dem 'rollenden Stuhl'. Wir fragen – die Politiker antworten.“
Ganz bewusst haben Menschen mit Behinderungen an diesem Tag die Möglichkeit, das Wort zu ergreifen und sachlich die Diskussion aufzunehmen. Deswegen sind auch zwei Gebärdendolmetscher vor Ort, die die Veranstaltung begleiten. Ein Rollstuhlparcours soll es „Läufern“ erleichtern, sich in Rollstuhlfahrer im wahrsten Sinne des Wortes hineinzuversetzen. Für gute Stimmung sorgt unter anderem der Partybus, in dem gemeinsam getanzt werden kann. Unterstützt wird der Protesttag nicht nur vom Sozialverband Deutschland und dem Deutschen Roten Kreuz, sondern auch von einem jungen Musiker. Die „Aids und Behinderten Selbsthilfe“ und der angeschlossene Verein „Aktiv Barrierefrei Selbstbestimmt Leben e.V.“ haben Jeff Bam Hayoukid als Sänger und Meike Bajique als federführende Projektbegleitung gewinnen können.
Beide arbeiten, beziehungsweise leben und arbeiten auf dem Holländerhof in Flensburg. Zusammen haben sie einen Rapsong mit Musikvideo produziert. Der Rap mit dem Titel „Willkommen in der Realität“ fordert alle Menschen auf, teilzunehmen an den bundesweiten Aktionen und Protesten zu dem Europäischen Protesttag am 5. Mai 2011 für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Deswegen hat dieses Musikvideo auch eine Besonderheit: Es wurde in drei „Sprachen“ produziert. So gibt es das Originalvideo, nur mit Ton und Bild, eine Version mit Untertitel für schwerhörige Menschen und in Gebärdensprache übersetzt für Gehörlose.
Der Song kann hier als Audio-Datei im mp3-Format heruntergeladen werden.
Foto: Stefan Wicklein, 5. Mai-Aktion in Dresden 2010
© BSK e.V. 2007-2012 | W3C XHTML 1.0 | W3C CSS 2.0 | W3C WAI-AAA |