(bsk/ph-pr) „Pflege: Zukunftsorientierte Ausbildung - attraktives Berufsfeld“, zu diesem Thema diskutierten Experten und Interessierte auf Einladung der Bundestagsabgeordneten Mechthild Rawert, SPD, in Berlin. Maik Nothnagel, Sozialpolitischer Referent des Bundesverbands Selbsthilfe Körperbehinderter e.V. nahm stellvertretend für den Verband teil.
In ihren einleitenden Worten brachte Rawert ihre Freude über die zahlreichen Teilnehmer der Veranstaltung zum Ausdruck. Gleichzeitig mahnte Sie einen dringenden Reformbedarf im Bereich der Pflege an, bereits in wenigen Jahren drohe ein gefährlicher Fachkräftemangel, der besonders dem demographischen Wandel geschuldet sei. Nicht nur Entlohnung und Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte müssten deutlich verbessert werden, auch die Ausbildung müsse an neue Bedürfnisse angepasst werden. Diese finde noch immer „in überholten Strukturen“ statt, so Rawert. Zusätzlich müsste das Berufsfeld der Pflege auch für Männer attraktiver gestaltet werden. Voraussetzung dafür sei jedoch eine größere Anerkennung und Wertschätzung des Pflegeberufs.
In drastischen Beispielen schilderten alle Referenten die aktuelle Situation von Pflegekräften in Deutschland. Andreas Westerfellhaus, Präsident des Deutschen Pflegerats e.V., unterstrich die Befürchtungen von Rawert, dass bereits in wenigen Jahren, die ohnehin schon kritische Situation im Pflegebereich sich nochmals deutlich verschlechtern werde. Es sei höchste Zeit hier Abhilfe zu schaffen. Regional würden schon bald bis zu 60% mehr Arbeitskräfte im Berufsfeld der Pflege benötigt. Nachwuchs sei jedoch immer schwieriger für diese Tätigkeiten zu begeistern. Gewerkschaftsvertreter Gerd Diehlmann von ver.di erinnerte an die fast beispiellose Quote von 90% der ausgebildeten Fachkräfte in der klinischen Pflege, eine prinzipiell gesehen gute Ausgangssituation. Es müssten aber die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten nachhaltig verbessert werden, allen voran die Gehaltsstruktur. Nur so ließen sich die drohenden Nachwuchsprobleme in den Griff bekommen.
In allen Wortmeldungen aus der Mitte des Publikums in der anschließenden Diskussionsrunde wurde die prekäre Lage der Pflegebranche nochmals geschildert. In seiner Wortmeldung wies Maik Nothnagel jedoch zusätzlich darauf hin, dass bei all dem bestehenden Reformbedarf auch die Belange von Menschen mit Behinderung nicht vergessen werden dürfen. Die UN-Behindertenrechtskonvention habe diesbezüglich nochmals klargestellt, dass Assistenzkräfte für Behinderte dringend notwendig seien, um den Betroffenen eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Wie weit diese Assistenz jedoch gehe, müsse jeder Mensch mit Behinderung selbst entscheiden. Ein möglichst selbstbestimmtes Leben habe dabei immer oberste Priorität. Der Menschenrechtsaspekt müsse vor dem medizinischen Blick auf den Assistenz- bzw. Pflegebedürftigen stehen. Rawert wies darauf hin, dass die UN-Konvention in all ihren Teilen in der SPD-Fraktion rege diskutiert werde, auch was die Ansprüche an Assistenz und Pflege angehe.
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