
(gm-kf/bsk-pr) „Alles nur Theater? – Zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in Niedersachsen“ war das Thema unter das Niedersächsische Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen, Karl Finke, seinen Neujahrsempfang gestellt hatte. Über achtzig Vertreter von Sozialverbänden und Selbsthilfegruppen aus ganz Niedersachsen konnten dazu Maria Grodzki vom Landesbildungszentrum für Blinde (LBZB) in Hannover-Kirchrode begrüßen.
„Unser Programm zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in Niedersachsen ist noch nicht fertig, aber wir kommen langsam in die Zielgerade“, gab Heiner Pott, Staatssekretär im Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration Auskunft über den Planungsstand in seinem Hause, das von allen Landesministerien federführend bei der Umsetzung ist. Aktuell verkündete Herr Pott, dass sich die CDU- und SPD- geführten Bundesländer mit der Bundesregierung auf den Weg machen wollen, die Eingliederungshilfe in Richtung einer personenzentrierten Förderung umzusteuern. In seiner Rede dankte er Finke ausdrücklich für sein langjähriges selbstbewusstes Engagement für die Belange behinderter Menschen und kündigte Fachtagungen im Lande zur Inklusion an.
Vor 20 Jahren wurde in Niedersachsen mit dem blinden Diplom-Pädagogen Karl Finke erstmalig ein Landesbehindertenbeauftragter zur Vertretung der Belange der rund 600.000 behinderten Menschen berufen. Deshalb berichteten auch verschiedene Zeitzeugen aus erster Hand über die Entwicklung der Behindertenpolitik in Niedersachsen.
Bildung sei die wesentlichste Vorrausetzung für behinderte Menschen, um das Selbstbewusstsein zu haben, das eigene Schicksal in die Hand zu nehmen, sagte Hans-Werner Lange, ehemaliger Schüler des LBZBs und als Geschäftsführer des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Niedersachsen e.V. Mitglied der ersten Fachkommission für Behinderte des Landes, die 1992 mit Betroffenen erstmalig paritätisch besetzt war.
„Es war damals die Zeit der neuen sozialen Bewegungen“, erinnerte sich Dr. Fritz Riege ehemaliger Staatssekretär im Sozialministerium von 1990 bis 1994, die die bei neuen Planstellen sonst sehr zurückhaltende Landesregierung dazu gebracht habe, die Stelle eines Landesbehindertenbeauftragten einzurichten. Mit Karl Finke habe man einen guten Griff bei der Besetzung getan.
Aus den regelmäßigen Gesprächen mit dem blinden Landesbehindertenbeauftragten hätte er immer sehr viel in die Runden mit seinen Kollegen in den anderen Ressorts mitnehmen können, sagte Heinz-Hermann Witte Staatsekretär im Sozialministerium von 2001 bis 2003. „Das hat mir bei den notwendigen Umsetzungen der Belange behinderter Menschen sehr geholfen“, so Witte.
Mit welchen Barrieren behinderte Menschen auch heute immer noch zu kämpfen haben, schilderte Dr. Klaus Mück vom Bundesverband Forum selbstbestimmte Assistenz behinderter Menschen (ForseA) auf eindrucksvolle Weise. Anhand vieler Beispiele machte Herr Dr. Mück klar, wie wichtig ein einkommensunabhängiges Teilhabesicherungsgesetz ist. Der Informatiker, der nach einem Badeunfall zum querschnittsgelähmten Rollstuhlfahrer wurde, konnte nur durch eine Beschwerde an höchster Stelle erreichen, dass um 5.45 Uhr an dem Zug mit dem er zu seinem Vortrag von Karlsruhe rechtzeitig nach Hannover anreisen wollte, eine Hebebühne bereit stand.
Der abschließende Höhepunkt der Veranstaltung war der Auftritt der Comedy-Company. Das Improvisionstheater verstand es auf spielerisch unterhaltsame Weise, Anregungen und Visionen der anwesenden behinderten Menschen aus ganz Niedersachsen zur Umsetzung der UN-Konvention zu sammeln und auf einer großen Niedersachsenkarte zu einem Inklusionwunschplan zusammenzustellen. „Inklusion bedeutet, dass behinderte Menschen selbstbestimmte Teilhabe auch wagen, Nichtbehinderte sie zulassen und wir alle sie miteinander auch leben“, rief Finke zum Abschluss seines Neujahrsempfangs alle behinderten und nichtbehinderten Menschen in Niedersachsen zur Mitwirkung auf. Angesichts der vielen spontan von Betroffenen selbst erarbeiteten Vorschläge von Cuxhaven über Lüneburg und Hannover bis Northeim stellte er erfreut fest: „Heute sind wir diesem Ziel wieder ein kleines Stückchen näher gekommen.“
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