Fluggäste mit Behinderung

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Fluggäste mit Behinderung

Barrierefrei über den Wolken?

Fachkonferenz tagte zu ökonomischen Chancen im Luftverkehr für „Alle“

„All inclusive“, so lautete das Motto der Fachkonferenz, zu der Hubert Hüppe, Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderte Menschen, nach Berlin eingeladen hatte. Thema waren dabei jedoch nicht möglichst umfangreiche Urlaubsangebote, sondern die Barrierefreiheit im Luftverkehr, und wie diese möglichst allen Beteiligten, den Fluggesellschaften und den Passagieren, zu gute kommen kann.

In verschiedenen Vorträgen, Diskussionsrunden und Workshops berieten die Teilnehmer der Konferenz über Möglichkeiten, wie Flugzeuge sowie die gesamte Reise für Menschen mit Behinderungen leichter gestaltet werden könnte. Wichtigster Punkt beim Thema Ausstattung der Flugzeuge war dabei immer wieder eine barrierefreie Toilette an Bord. Ebenso wurde eine verbesserte Konstruktion der Sitze in der Maschine gefordert, die auch für Menschen mit Gehbehinderung oder Rollstuhl ein komfortables Reisen ermöglicht. Aber auch die Sicherheitshinweise und ähnliches müssen baldmöglichst für Seh- oder Hörbehinderte einfach zu verstehen sein, so eine der Forderungen. Die Vertreter der Luftfahrtgesellschaften Air-Berlin sowie Lufthansa gaben jedoch zu bedenken, dass eine Umstellung der jetzigen Gegebenheiten an Bord nicht ohne weiteres möglich sei. Besonders wirtschaftliche Gründe, die sich zum Nachteil für die Unternehmen auswirken können, stehen den Forderungen aktuell noch entgegen. So rechnete Herrmann Lindner von Air-Berlin vor, der Verlust durch den Einbau einer barrierefreien Toilette entstehe summiere sich pro Maschine und Jahr auf bis zu 150 Mio. Euro. „Mindestens drei Sitze weniger stehen dann in der Maschine zur Verfügung, das sind drei zahlende Passagiere weniger pro Flug“, so Lindner. Eine Rechnung, die von vielen Anwesenden freilich stark angezweifelt wurde.

Enttäuscht zeigten sich viele Teilnehmer besonders von den Fluggesellschaften, die trotz verfügbarer technischer Möglichkeiten, noch immer keine barrierefreien Toiletten oder Sitze in ihren Flugzeugen einbauten. Auch sei hier die Politik gefragt, um möglichst rasch entsprechende Richtlinien zu erlassen. Diese müssten jedoch, so der gemeinsame Tenor, zumindest auf europäischer, wenn nicht sogar weltweiter Ebene erlassen werden. Aber selbst bei einer raschen Umsetzung würden sich die positiven Effekte erst in 20 bis 30 Jahren bemerkbar machen, so Prof. Granzeier vom Industrial Design Studio, da Flugzeuge in der Regel über eine so lange Zeit in Betreib seien. „Die Bestimmungen müssen bereits für die jeweilige Generalüberholung der Maschinen gelten“, so Granzeier weiter.

 Positive Rückmeldungen der Referenten und Teilnehmer der Konferenz gab es zur Situation an den Flughäfen selbst. Hier habe sich in den vergangenen Jahren vieles zum Besseren entwickelt. Auch wenn es in manchen Bereichen noch Verbesserungsbedarf gebe, so Hubert Hüppe. Europäische Luftfahrtzentren seien hier vorbildlich gegenüber außereuropäischen Zielen. So sieht Hüppe positiv gestimmt in die Zukunft, die Industrie zeige bereits, dass es technisch keinerlei Hindernisse gebe für barrierefreies Reisen. Nun sei es an den Fluggesellschaften, dies auch umzusetzen, dass es möglichst bald auch für Menschen mit Behinderung heißen kann: Barrierefrei über den Wolken!

Der BSK wurde bei dieser Veranstaltung durch den Geschäftsstellenleiter Ulf-D. Schwarz vertreten, der in den Workshops die Forderungen des BSK formulierte und erläuterte.

BSK-Stellungnahme "Keine Einschränkung fpr Fluggäste mit Behinderung"

VERORDNUNG (EG) Nr. 1107/2006 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 5. Juli 2006 über die Rechte von behinderten Flugreisenden und Flugreisenden mit eingeschränkter Mobilität