Thüringen
(dpa/bsk-pr) In Thüringen sollen künftig mehr behinderte und nichtbehinderte Kinder gemeinsam lernen. Von den 16 275 Mädchen und Jungen mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf besuchen derzeit 10 563 eine Förderschule, teilte das Kultusministerium auf dpa- Anfrage mit. Rund 5700 Kinder und Jugendlichen werden bereits integrativ in Grund- und Regelschulen, Gymnasien, Gesamtschulen und Berufsschulen betreut. Die Quote der Förderschüler im Freistaat soll von derzeit 7,8 Prozent auf 4,0 Prozent zum Ende der Legislaturperiode 2014 gesenkt werden, erklärte Ministeriumssprecher Gerd Schwinger.
Ende März 2009 ist die UN-Konvention für die Rechte der behinderten Menschen in Kraft getreten. Danach sollen bis zu 90 Prozent aller Sonderschüler gemeinsam mit anderen Schülern unterrichtet werden. Bundesweit sind es bislang nur etwa 17 Prozent, in Thüringen etwa 35 Prozent.
Nach Ministeriumsangaben werden zurzeit knapp 7 Prozent der rund 244 000 Schüler sonderpädagogisch betreut. Ein integrativer Unterricht von Behinderten und Nichtbehinderten ist jedoch nicht ohne weiteres machbar. Ein Hauptlehrer und ein Sonderpädagoge müssen ihn gemeinsam planen und halten, um alle Schüler entsprechend ihrer Möglichkeiten und Fähigkeiten einzubeziehen. Auch äußere Bedingungen wie Lernmaterialien für Seh- oder Hörbehinderte, Fahrstühle und Toilettenanlagen müssen vorhanden sein.
Seit 2008 wird nach Ministeriumsangaben in allen elf Schulämtern über Möglichkeiten und Rahmenbedingungen integrativen Unterrichts diskutiert. In jedem Schulamt seien dafür mindestens zwei Berater tätig. Zu Schuljahresbeginn startete außerdem ein Schulversuch an 28
Grund- und Regelschulen. Ziel sei ein Konzept, wie die Leistungen von behinderten Kindern an Grund- und Regelschulen dokumentiert und bewertet werden können. Der Schulversuch soll bis Ende 2015 laufen.
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