
Gold für Verena Bentele, Gold für Martin Braxenthaler: Die blinde Top-Biathletin und der querschnittgelähmte alpine Skifahrer haben Deutschlands Paralympics-Team einen Traumstart beschert. Beim Weltfestival der Behindertensportler feierte die Tettnangerin in der Verfolgung über 3 Kilometer trotz dreier Fehlschüsse in Whistler ihren achten Paralympics-Triumph seit 1998.
Der Surberger Braxenthaler fuhr drei Tage nach seinem 38. Geburtstag auf Maria Rieschs olympischem Gold-Hang ebenfalls zum umjubelten Sieg.
Braxenthaler behielt im Schneetreiben von Whistler Creekside vor tausenden Besuchern den Durchblick und ballte nach seinem insgesamt achten Triumph die Faust: Das 110. deutsche Gold in der Geschichte der Winter-Paralympics war geschafft. Debütantin Anna Schaffelhuber aus Bayerbach verpasste die Bronzemedaille nur um 1,75 Sekunden: «Ich bin überhaupt nicht traurig. Aber der vierte Platz ist halt der blödeste, den man machen kann.» Gerd Gradwohl (Kempten) wurde bei den sehbehinderten Slalom-Fahrern Zehnter.
Verena Bentele war die Glückseligkeit in Person. Die 28-Jährige fand Platz eins «extrem toll», Deutschlands Chef de Mission beurteilte ihre grandiose Leistung als «riesig. Ich zolle ihr unglaubliche Anerkennung dafür, dass sie dem Erwartungsdruck standgehalten hat», sagte Karl Quade. Dabei stand ihre Karriere vor dem Aus: Nach einem schweren Unfall im Januar 2009 war Bentele eine Niere entfernt worden.
Auch deshalb war ihr Coup von Whistler für Frank Höfle, Deutschlands erfolgreichsten Starter der paralympischen Historie, «mehr wert als fünf Goldmedaillen von Magdalena Neuner». Und der deutsche Verbandspräsident Friedhelm Julius Beucher lobte: «Verena ist ein internationaler Überflieger.» Josef Giesen (Herzlake) fehlten in der Stehend-Entscheidung der 3- Kilometer-Verfolgung nur 0,7 Sekunden zu Biathlon-Bronze.
Qualifikationssieger Willi Brem (Germaringen) wurde bei den Sehbehinderten ebenfalls Vierter. Andrea Eskau vom USC Magdeburg belegte im Biathlon Rang sechs und über 10 Kilometer mit dem Ski- Schlitten den achten Platz. Deutschlands Curler starteten mit einem 10:6 über Norwegen in das Turnier, verloren aber am Sonntag gegen den WM-Vierten USA mit 5:6.
Die alpinen Wettbewerbe standen unter einem unglücklichen Stern: Dichter Nebel verhinderte am Samstag alle sechs Entscheidungen, der Zeitplan wurde durcheinandergewirbelt. Die je drei Abfahrtsläufe bei Männern und Frauen sollen nun am Donnerstag (19.30 Uhr MEZ) stattfinden. Ebenfalls neu terminiert wurden die ursprünglich für Sonntag geplanten Super-G-Wettbewerbe: Die sitzenden und sehbehinderten Männer und Frauen fahren am Freitag (19.30 Uhr MEZ) auf der Piste «Franz's Run» um Medaillen, die Stehend-Entscheidungen fallen am Samstag (19.30 Uhr MEZ).
Vor dem Sport gab es die Show der ganz großen Emotionen, als der 15 Jahre alte beinamputierte Kanadier Zach Beaumont vor 60 600 Zuschauern im ausverkauften BC Place Stadium von Vancouver zwölf Tage nach dem Erlöschen der olympischen Flamme das Feuer für das Weltfestival der Behindertensportler entzündete. Nach 64 Wettbewerben gehen die X. Paralympics am 21. März in Whistler zu Ende.
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