(dpa/bsk-pr) Der Ort konnte nicht besser gewählt sein. Direkt am Kreml warb das Organisationskomitee auf dem Roten Platz in Moskau für die Paralympischen Spiele 2014 im russischen Schwarzmeerkurort Sotschi. Russland meint es ernst, sollte das heißen. Und so zeigten beim ersten Internationalen Paralympischen Wintertag unweit des Präsidentensitzes Athleten im Rollstuhl- Basketball und -Tischtennis ihr Können. Höhepunkt war das Schlitten-Eishockey-Spiel zwischen Deutschland und den Niederlanden (10:1). «Wer kann schon von sich behaupten, dass er mal auf dem Roten Platz Hockey gespielt hat», sagte der deutsche Nationalspieler Sebastian Kessler am Samstag.
Die Erwartungen an die Paralympics in Sotschi sind hoch. So erhofft sich der UN-Sonderbeauftragte der Vereinten Nationen für Sport, der ehemalige Werder-Bremen-Manager Willi Lemke, eine offenere Einstellung der Russen zu Behinderten. Im Umgang mit Behinderten zeige sich der Entwicklungsstand einer Gesellschaft, sagte er der Deutschen Presse-Agentur dpa in Moskau. Und in dieser Frage gilt Russland nach Einschätzung von Experten als Entwicklungsland. Der Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees, Sir Philip Craven, erinnerte: «Wir alle sind Bewohner derselben Welt.»
Moskau will mit den Paralympics eine Wende einleiten. «Wir müssen die Barriere in unseren Köpfen abreißen», sagte Präsident Dmitri Medwedew nach Angaben der Agentur Interfax bei einem Empfang. Alle Anlagen in Sotschi müssten barrierefrei zu erreichen sein. Bislang trauen sich Versehrte in russischen Städten äußerst selten auf die Straße. Viele Familien sperren behinderte Verwandte aus Scham ein, zudem fehlen vielerorts Rampen und Aufzüge.
Bei den Spielen am Schwarzen Meer vom 7. bis 16. März 2014 wollen auch die deutschen Schlitten-Eishockey-Spieler wieder dabei sein. Die Qualifikation für die anstehenden Paralympics im kanadischen Vancouver hat Deutschland verpasst, nun gilt die Konzentration dem Aufstieg bei der B-WM im kommenden Jahr. «Und wir versuchen jetzt, ein starkes Team für Sotschi zu bilden», sagte Kessler.
Auch Russland muss dann als Gastgeber eine Mannschaft stellen. Erst vor kurzem hat der amtierende Eishockey-Weltmeister ein eigens Sledge-Hockey-Team ins Leben gerufen. Beim Einlagespiel auf dem Roten Platz wirken auf jeder Seite zwei Akteure mit. Den größten Beifall aber erhielt ein Spieler, der 2014 bestimmt nicht mehr antreten wird: Russlands Torwart-Legende Wladislaw Tretjak (57) stellte sich für ein paar Minuten ins Tor.
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