Selbstverteidigungskurs

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Selbstverteidigungskurs

Selbstverteidigungskurs für Menschen mit Behinderung

Rolli als Waffe

Training

(hz-ah/bsk-pr) Wer im Rollstuhl sitzt, muss nicht in der Opferrolle bleiben. Mit einer Mischung aus verschiedenen Kampfsportarten können sich auch Menschen mit Handicaps gegen aggressive Anmache erfolgreich zur Wehr setzen.

Krautheim - Selbstverteidigung im Alltag - Kenntnisse schaden da nie. Das gilt ganz besonders für Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung. Für sie fand in Krautheim ein Schnupperkurs statt, der die Inhalte von Kae-In-Sog-In vorstellte. Hinter dem Begriff verbirgt sich spezielles Selbstverteidigungstraining für Menschen mit Handicaps.

Überfall

Nicht grundlos wurde der Kurs abgehalten. Im Frühjahr wurde ein Mitarbeiter des Bundesverbandes Selbsthilfe Körperbehinderter e.V. von drei Jugendlichen brutal überfallen, ausgeraubt und unter einer Brücke liegengelassen. „Das hat bei den Bewohnern des Wohnzentrums große Angst ausgelöst“, so Peter Reichert, Pressesprecher beim Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter (BSK). Danach sei die Frage aufgekommen: „Wie kann ich mich schützen?“

Die Resonanz auf dieses Angebot ist groß. Sogar aus Augsburg kam eine Gruppe angereist. „Wir mussten einige Anmeldungen absagen - 23 Teilnehmer waren letztlich das Maximale, das ging.“ Aber sie durften richtig ran. Nach Übungen für bessere Motorik und Reaktion hieß es: „Wie setze ich meine Faust richtig ein?“ Es folgten die Befreiung aus einem Würgegriff, Abwehr eines Fußtritts und verschiedene Schlag-, und Fausttechniken.

Dabei handelt es sich um eine Mischung vieler verschiedener Selbstverteidigungsarten: Karate, Judo, Taekwondo, Aikido, Jiujutsu oder Ninjiutsu. Und so erklärt sich auch die Namenswahl: Kae-In-Sog-In ist ein koreanischer Begriff und bedeutet Vielfalt.

Selbstbewusstsein

„Eine Vielfalt an Behinderungen erfordert eben auch eine Vielfalt an Verteidigungstechniken“, erläutert Horst Kohl aus Kitzingen, einer der beiden Trainer und Gründer der Bundesvereinigung Kae-In-Sog-In. „Einer der bedeutendsten Punkte ist auch die Stärkung des Selbstbewusstseins“, so Kohl. So sieht das auch Peter Reichert: „Es ist wichtig, dass man sieht: Auch im Rolli habe ich die Möglichkeit, auf gewisse Situationen zu reagieren.“

Denn viele Menschen mit Behinderung fühlen sich immer wieder unsicher. „Ich hatte auch Angst“, sagt etwa Sevda Korkmaz (23), die im Elektro-Rolli sitzt und weder ihre Hände zur Verteidigung nutzen, noch schreien könnte. „Früher hätte ich nicht gewusst, was ich machen kann. Heute habe ich gelernt, dass ich mich auch mit meinem Rollstuhl wehren kann.“

Auch das Opfer der Gewalttat vor einigen Monaten ist unter den Kursteilnehmern: „Sollte so etwas nochmals vorfallen, könnte ich mich mit den heute gelernten Tricks wehren.“ Den Kurs würde er gerne nochmal machen. Denn für dauerhaften Erfolg ist nachhaltiges Wiederholen ganz wichtig.

SWR4-Frankenradio:

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