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ÖPNV Schleswig-Holstein/NOB

Mit Heike Witsch im Protestzug zum Schleswig-Holsteinischen Landtag

Bericht von Kay Macquarrie

(hewi-km/bsk-pr) Von Trillerpfeifen und markigen Transparenten begleitet, ging es am 5.August mit etwa 100 Protestierenden von Nord-Ostee-Bahn Angehörigen und Menschen mit Behinderung in Richtung Landtag. Unter ihnen 11 RollstuhlfahrerInnen.

Protestzug

Demonstrieren für Erhalt von Arbeitsplätzen und für ein verlässliches, barrierefreies Bahnreisen: NOB Mitarbeiter und Menschen mit Behinderung

Demonstriert wurde gegen das Auswahlverfahren der Landesregierung für das Regionalnetz-Nord, das seit 2000 von der NOB betrieben wird. Vor kurzem hatte die DB-Regio für dieses Netz den Zuschlag erhalten und soll es ab 2011 betreiben. Um 5 Millionen Euro war die DB-Regio günstiger im Verhältnis zu Mitstreitern gewesen. Kritiker vermuten, dass der günstigere Preis unter anderem auf Kosten von Personal, Service und Barrierefreiheit gehen wird.

Warum beteiligen sich Menschen mit Behinderung an einer Demo eines Eisenbahnverkehrsunternehmens? Antwort auf die Frage hat Heike Witsch, Mitorganisatorin und Leiterin der Landesvertretung Schleswig Holstein im Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter so wie ÖPNV-Expertin im BSK. „Weil wir eine verlässliche Barrierefreiheit im Schienenverkehr wollen“, sagt Witsch routiniert und verweist auch auf die neue UN-Behindertenrechtskonvention, die einen barrierefreien Zugang zu Transportmitteln fordert. Und genau den sieht sie gefährdet.

Die NOB als kleines, flexibles Unternehmen, habe sich wie andere private Unternehmen intensiv mit den Bedürfnissen mobilitätseingeschränkter Fahrgäste auseinandergesetzt. In Beratung mit Rollstuhlfahrerinnen und Menschen mit Sehbehinderung wurde das Reisen mit der NOB auf diese Weise barrierefrei ausgestaltet. Die Vorteile einer zugänglichen Zugfahrt würden dann auch älteren Menschen, Eltern mit Kleinkindern und Reisende mit schwerem Gepäck zu gute kommen.

Wenn eine Bahn Niederflurwagen einsetzt, heißt es nicht automatisch, dass der Zug für mobilitätseingeschränkte Reisende barrierefrei nutzbar ist, so Witsch. Rampen zwischen Waggon und Bahnsteig sollen die bis zu 30 cm breiten Lücken schließen. Sind diese nicht vorhanden oder defekt, ist der Fahrgast gezwungen den nächsten Zug zu nehmen. Dieses Problem habe sie beim Reisen mit anderen Bahnunternehmen schon häufig erlebt.

„Es hat etwas mit Sichtweisen zu tun“

Deswegen legt Witsch so viel Wert auf das Wort verläßlich. Ihr und ihren Mitstreitern geht es darum, dass Barrierefreiheit nicht bei dem Einsatz von barrierefreien Fahrzeugen aufhört. Fällt ein Zug aus, müsse zum Beispiel sichergestellt sein, dass auch das Ersatzfahrzeug barrierefrei ist. Bei Bahnunternehmen, die sich mit dem Thema Barrierefreiheit vertieft auseinandergesetzt haben, ist das selbstverständlich.Das habe auch mit Sichtweisen zu tun, sagt sie. Und die sei bei der NOB im Sinne der Barrierefreiheit.

Ein aktuelles Beispiel gibt die 68 Jahre alte Kämpferin für Barrierefreiheit noch zum Besten: Die Deutsche Bahn prüft zur Zeit im Raum Lübeck ein so genanntes „flächendeckendes Präsenzmodell“.

Dieses sieht vor, dass für 6 Bahnhöfe, die vorher nicht bedient wurden, nur ein Mitarbeiter zur Verfügung steht, der Hubwagen bedienen kann. Hubwagen werden in Hochflurzügen eingesetzt, die meist zwei Stufen vor dem Eingang haben. Wenn also ein Rollstuhlfahrer in Bad Malente eine Einstiegshilfe beantragt, muss dafür ein Mitarbeiter aus Lübeck anreisen. Wenn aber zeitgleich ein Mitarbeiter in Plön benötigt wird, geht das nicht. Der Rollstuhlfahrer muss warten. Spontane Fahrten mit der Bahn gehören dann der Vergangenheit an.

Nach gut einer Stunde Marsch kommt der Protestzug vor dem Landtag zum Stehen. Hier erklärt der Betriebsratsprecher der NOB Arne Klasing, wofür das junge Bahnunternehmen steht und warum es sich zu kämpfen lohnt. Für einen Weiterbetrieb des Netzes-Nord durch die NOB, für den Erhalt von Arbeitsplätzen und für eine verlässliche Barrierefreiheit.

Und der Protest scheint erste Wirkung zu zeigen. Zusammen mit dem Landtagsabgeordneten und stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Jürgen Weber wird vereinbart, die Entscheidung zu prüfen. Dem parlamentarischen Ausschuss soll nahe gelegt werden, die Vergabekriterien noch einmal genau zu untersuchen.

Das Thema Barrierefreiheit soll dabei eine wichtige Rolle spielen.