Nordrhein-Westfalen
(SC-AG/bsk-pr) „Weg mit den Stolperfallen“, fordert die Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung, Angelika Gemkow. Gestern hat Landrat Hagen Jobi sie im Bielsteiner Burghaus begrüßt.
Gemkow traf sich aber nicht nur mit Politikern, sondern wurde auf ihrer Reise von Elvira Wuttke begleitet. Die Wiehlerin ist Rollstuhlfahrerin und engagiert sich im Bundesverband „Selbsthilfe Körperbehinderter“: „Das Burghaus zeigt, dass Denkmalschutz und Barrierefreiheit keine Gegensätze sein müssen.“ Doch längst nicht alle Gebäude und Plätze seien rollstuhlgerecht - an vielen Stellen bleibt ihr in Oberberg der Zugang versperrt.
Im Kreis leben rund 23 000 Menschen mit Behinderung. „Wir müssen dafür sorgen, dass alle Stätten allen Menschen zugänglich gemacht werden“, appellierte Angelika Gemkow, die auf ihrer Tour auch die Hugo-Kükelhaus-Schule, die Helen-Keller-Schule und das „Haus früher Hilfen“ in Oberbantenberg besuchte. „Ich will, dass das Bewusstsein für die gesellschaftliche Bedeutung des Abbaus von störenden Schwellen, Stufen und Treppen endlich gestärkt wird.“ Ein Wunsch, den die gut 800 Rollstuhlfahrer in Oberberg schon lange teilen.
Dass Architekten, Ingenieure und Städteplaner oft nicht an Rollstuhlfahrer denken, erfährt Elvira Wuttke täglich: „Zum Beispiel kann ich im Oberbergischen nicht mit dem Linienbus fahren.“ Ohne Hilfe gelangt sie nicht einmal in Niederflurbusse. Sogar der Hochleistungssportler Freddy Pritzkau ist oft auf Freunde angewiesen. „Die vielen Treppen im Gummersbacher Kino kann ich mit dem Rollstuhl emporsteigen - aber nur wenn mir jemand hilft.“ Ebenso ergehts ihm am Gummersbacher Bahnhof. In viele Geschäfte an der neu gestalteten Fußgängerzone kommt er nicht, weil Stufen davor sind. Auch viele Sporthallen sind nicht rollstuhlgerecht.
Wuttkes Leben änderte sich vor neun Jahren schlagartig, als ihr Wagen frontal mit einem Lkw kollidierte. Seitdem leidet sie an einer Schmerzkrankheit, die sie an den Rollstuhl fesselt. Wie schnell ein Fußgänger zum Rollstuhlfahrer werden kann, hat Wuttke am Sonntag auch im Wiehlpark erzählt. Mit ihrer Rollstuhltanzgruppe „Roll And Dance Oberberg“ machte sie gehende Passanten darauf aufmerksam, dass Rollstuhlfahrer unter ihnen leben. „Teilhabe jetzt - eine Gesellschaft für alle“ war das Motto dieses Tages, den die „Aktion Mensch“ ausgerufen hatte. Die Rollstuhl-Basketballer des TV Kleinwiedenest demonstrierten, wie temporeich ihr Sport ist. „Roll And Dance“ führte Tänze vor.
Dass Rollstuhlfahren gar nicht so einfach ist, konnten die Besucher hier am eigenen Leib erfahren. Auch Wiehls stellvertretender Bürgermeister Wilfried Bast probierte es. „Das ist unglaublich anstrengend“, sagte er nach einigen Metern schwitzend.
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