(dpa/lsw) Welche Schule behinderte Kinder und Jugendliche in Baden-Württemberg besuchen, sollten deren Eltern aus Sicht der SPD künftig frei wählen können. Der Bildungsexperte der Oppositionsfraktion im Landtag, Norbert Zeller, forderte am Montag in Stuttgart eine entsprechende Änderung des Schulgesetzes. Ziel sei es, möglichst viele behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam zu
unterrichten: «Die Ausgliederung behinderter Mädchen und Jungen an Kindergärten und Schulen muss endlich aufhören.» Gemeinsames Lernen nütze den Behinderten und den Nichtbehinderten. Etwa 40 000 der 1,2 Millionen Schüler im Südwesten besuchten derzeit eine Sonderschule.
Zeller betonte: «Wir wollen nicht die Sonderschule abschaffen.» Aber die Eltern behinderter Kinder bräuchten einen Rechtsanspruch auf die freie Wahl einer Schule. Schließlich habe sich die Bundesregierung gegenüber den Vereinten Nationen dazu verpflichtet, Menschen mit Behinderungen nicht vom allgemeinen Bildungssystem auszuschließen.
Auch die sogenannten Außenklassen im Südwesten seien keine Lösung.
Denn sie gehörten nach wie zu einer Sonderschule und würden nur an andere Schulen ausgelagert, mit denen sie aber nur punktuell zusammenarbeiten. Auch die nicht behinderten Schüler könnten viel gewinnen durch den gemeinsamen Unterricht mit Behinderten. Allerdings dürften dann die Klassen aus Sicht der SPD nicht mehr als 20 Schüler umfassen, von denen maximal fünf behindert sind. Der Unterricht in diesen Klassen müsse stets von zwei Lehrern gestaltet werden.
Zeller mahnte: «Wie sollen Erwachsene lernen, mit Behinderten im Alltag umzugehen, wenn sie das als Kinder nie gelernt haben.» Der SPD-Abgeordnete kritisierte zudem, dass die wenigen Schulversuche eines gemeinsamen Unterrichts in Baden-Württemberg nach und nach beendet werden.
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