Gesundheitsfonds

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Gesundheitsfonds

Der Gesundheitsfonds und die Folgen

(dpa/bsk-pr) Zuzahlung zu Medikamenten, zehn Euro im Quartal für den Arztbesuch und nun der Gesundheitsfonds:
Gesetzlich Versicherte müssen immer wieder mit Veränderungen im Gesundheitswesen zurechtkommen. Vom kommenden Jahr an soll es den Gesundheitsfonds geben, in den jeder den gleichen Krankenkassen-Beitragssatz von 15,5 Prozent zahlt, wie die Bundesregierung jetzt festgelegt hat. Bei einzelnen Kassen können noch Zusatzbeiträge dazukommen - allerdings ist bislang unklar, bei welchen das der Fall sein wird. Ein Wechsel der Kasse noch in diesem Jahr bringt nach Expertenansicht daher wenig.

   «Vor dem Jahreswechsel sollten die Versicherten und Patienten möglichst nichts unternehmen, sondern abwarten», sagt Wolfram Candidus, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Versicherte und Patienten (DGVP) in Heppenheim (Hessen). Schließlich werde 2009 ein neuer Bundestag gewählt. Dann werde man sehen, was die Politik zur Entwicklung des Gesundheitswesens sagt und wie sich die gesetzlichen Krankenkassen einzeln und insgesamt verhalten.

   Auch Marion Schmidt, Referentin für Dienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Sachsen in Leipzig, hält es nicht für sinnvoll, jetzt noch schnell die Krankenkasse zu wechseln: «Eigentlich muss man jetzt gar nichts tun.» Zwar lohne sich grundsätzlich immer ein Vergleich der Leistungen. Dennoch: «95 Prozent aller Leistungen der Kassen sind gleich, und das bleibt auch so», erklärt Schmidt. Während sich die Leistungskataloge mit dem Fonds wohl nicht merklich ändern werden, sei aber damit zu rechnen, dass es erhebliche Unterschiede bei der Beratungs- und Servicequalität geben wird.

   Hintergrund ist, dass die Kassen künftig stärker im Wettstreit um Mitglieder stehen. Alle Anbieter bekommen ihr Geld aus dem Fonds.
Damit müssen sie wirtschaften und mit besonderen Angeboten um Versicherte werben, damit diese nicht kündigen. «Wenn die Zuwendung aus dem Fonds den Finanzbedarf der Kasse übersteigt, werden Prämien an die Versicherten ausgezahlt», erläutert Schmidt. Ob es allerdings tatsächlich dazu kommt, sei zu bezweifeln.

   «Im Vordergrund werden Fragen stehen wie: Kümmert sich meine Kasse genug um mich als Versicherten? Gibt es eine Hotline, bei der ich anrufen kann, wenn ich beim Facharzt zu lange auf einen Termin warten muss?», heißt es im Bundesgesundheitsministerium in Berlin. Auch bei Familienfreundlichkeit, Präventionsangeboten und der Ausgestaltung von Wahltarifen und Hausarztmodellen seien Unterschiede zu erwarten.

   «Es wird in jedem Fall ein immer breiteres Angebot an Wahltarifen der gesetzlichen Krankenkassen geben», sagt Candidus. Jeder Versicherte sollte nun überlegen, ob diese Angebote - etwa für Ein- oder Zweibettzimmer in Kliniken oder für besondere Therapierichtungen -sinnvoll sind und er dafür Geld ausgeben will. Nach Schmidts Worten bieten Wahltarife Einsparmöglichkeiten, allerdings meist nur für junge Menschen. «Wer Leistungen nicht in Anspruch nimmt und nur einzahlt, kann etwas von seinem Beitrag zurückbekommen», erläutert die Expertin am Beispiel der Beitragsvergütung.

   Viele Experten rechnen allerdings damit, dass der Fonds die gesetzlich Versicherten zusätzlich Geld kosten wird. Candidus erwartet, dass es mit der Festlegung des einheitlichen Beitragssatzes für die meisten Menschen teurer wird. Das wird nach Aussagen von Schmidt vor allem diejenigen treffen, die bisher einer Kasse mit sehr niedrigen Beiträgen angehören.

   Zudem dürfen die Krankenkassen von 2009 an einen Zusatzbeitrag von maximal 36 Euro pro Mitglied fordern, wenn ihnen das zugewiesene Geld nicht reicht. Das Ministerium geht davon aus, dass die Kassen dies im ersten Jahr des Fonds nicht machen werden. Ansonsten könnten die Versicherten sofort zu einer anderen Kasse wechseln. Dieses Sonderkündigungsrecht gilt auch, wenn der Zusatzbeitrag erhöht wird.

   INFO-KASTEN: Ändert der Fonds etwas an Qualität und Service?

   Dass sich mit dem Gesundheitsfonds der Service für den Patienten wesentlich verbessert, bezweifeln Fachleute. So wird sich wohl nichts daran ändern, dass gesetzlich Versicherte länger auf Arzttermine warten müssen als Privatpatienten. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Versicherte und Patienten in Heppenheim (Hessen), Wolfram Candidus, rechnet zugleich mit der Streichung von Kassenleistungen. Hinzu komme das Problem der angestrebten Wirtschaftlichkeit der Kassen, die nicht in die Verlustzone rutschen wollen. «Dies kann dazu führen, dass Verordnungen und Leistungen für den Versicherten und Patienten verweigert, verhindert oder verzögert werden», befürchtet der Experte.