
(dpa/bsk-pr) Menschen in Behinderten-Werkstätten haben kaum eine Chance, den Wechsel auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu schaffen. Dieses Ziel sei nur selten zu erreichen, sagte der Vorsitzende der «Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen», Günter Mosen, am Rande des Bundeskongresses des Verbandes in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die Quote liege bundesweit bei gerade einmal 0,8 Prozent. «Sicherlich ist das nicht zufriedenstellend, aber mehr gibt der Arbeitsmarkt nicht her.» Es gebe heutzutage einfach zu wenige einfache Arbeiten. Auch sei die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt zu groß für die Betroffenen, deren Produktivität nun einmal viel geringer sei.
Allein in den vergangenen 15 Jahren hat sich nach Angaben des Verbandes die Zahl der Plätze in den Werkstätten fast verdoppelt. Die Eingliederungshilfe, die die Kommunen unter anderem an die Werkstätten zahlten, sei aber nicht im gleichen Maße angehoben worden, kritisierte Mosen.
Aufgrund der demografischen Entwicklung sei davon auszugehen, dass bis 2010 mehr als 300 000 Menschen in den Einrichtungen arbeiten werden, derzeit seien es noch rund 270 000. Darunter sind nach Worten des Vorsitzenden etwa 45 000 Menschen mit psychischen Behinderungen nach schweren Depressionen oder Suchtkrankheiten - dazu gehören auffällig viele Jugendliche.
Mosen geht davon aus, dass sich die Zahl weiter erhöhen wird. Es sei sehr schwierig, die psychisch mit den geistig oder körperlich Behinderten in den Werkstätten zusammenarbeiten zu lassen. «Oft geht das nur getrennt», sagte er.
Die Tätigkeit in den Werkstätten sei unverzichtbar für behinderte Menschen. «Für viele Behinderte ist Urlaub oder Wochenende eine Strafe», sagte Mosen. Die Arbeit gebe ihnen Selbstbestätigung und der Kontakt zu den anderen Mitarbeitern sei für sie sehr wichtig. «Wenn sie keine Arbeit haben, werden viele krank.»
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