
(dpa/bsk-pr) Hotelzimmer mit Stufen im Eingangsbereich, ein für Rollstuhlfahrer zu enges Bad oder einfach zu schmale Türen - für viele Behinderte gehört das noch immer zum Reisealltag. «Um die Barrierefreiheit in Sachsen ist es nicht gut bestellt», sagt der Bauberater der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe Sachsen und Experte für barrierefreies Planen und Bauen beim Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e.V., Christian Steinmann. Zwar sei die Ausstattung von Hotels und Freizeiteinrichtungen meist auf Rollstuhlfahrer zugeschnitten. Vielfach würden aber Maße und Abstände bei Sanierung oder Bau nicht eingehalten. «Es ist nicht alles barrierefrei, wo barrierefrei draufsteht», urteilt Steinmann. Im Freistaat gibt es fast 300 000 Schwerbehinderte, sieben Prozent der Bevölkerung.
Tatsächlich wichen einige Angaben von den Bauvorschriften für Behinderte ab. «Wenn man alle Kriterien genau kontrolliert, würden die meisten rausfallen», sagt Steinmann. Er empfiehlt Betroffenen, sich generell vor Reiseantritt zu erkundigen, welche Bedingungen sie vorfinden. Dabei lohnt es sich für den Tourismusmarkt, Behinderte als Zielgruppe zu erkennen. Untersuchungen zufolge machen sie oft länger Urlaub als andere und verbringen diesen meist in Deutschland. Zudem reisen viele in Begleitung.
Die Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen hat Angebote auf ihre Zugänglichkeit für Gehbehinderte sowie für Hör- und Sehbehinderte überprüft. Projektkoordinator Stefan Plechinger lobt das flächendeckende Netz von Einrichtungen mit behindertenfreundlichen Zugängen. Die großen und mittelgroßen Städte seien inzwischen auf Menschen mit Mobilitätseinschränkungen eingestellt, Museen mit ertastbaren Raumplänen oder Opern mit Geräten für blinde Menschen ausgestattet.
Plechinger kontrollierte seit 2006 landesweit über 370 Hotels, Freizeiteinrichtungen und Sehenswürdigkeiten mit Zollstock und Wasserwaage und stellte Angebote in einer Broschüre zusammen. Danach bietet die Sächsische Schweiz Wanderrouten für Touren mit Rollstuhl oder Handbike, während es vor allem in ländlichen Regionen noch Probleme gebe. Dort seien etwa im öffentlichen Personennahverkehr noch normale Reisebusse mit Stufen im Eingangsbereich eingesetzt.
«Das Thema ist aber in der Gesellschaft angekommen, die Menschen sind sensibler», sagt Plechinger.
Anders sieht es Gunter Schlegel vom Behindertenreisedienst Chemnitz, der auf Reisen für geistig Behinderte spezialisiert ist.
«Die Akzeptanz, Behinderte als Urlauber aufzunehmen, ist in den letzten Jahren gesunken.» Es werde immer schwerer, neue Angebote zu finden. Viele Reiseveranstalter und Tourismusunternehmen hätten behindertengerechte Angebote, doch die würden zu wenig beworben, sagt er. Gründe seien die Angst vor Imageverlust und davor, im Umgang mit Behinderten etwas falsch zu machen.
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