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Doppelauftritt

Doppelauftritt bei Olympia

(dpa/bsk-pr) Ihre Vornamen sind fast identisch, gemeinsam starten Natalia Partyka und Natalie du Toit in Peking nun auch ihre historische Olympia-Mission: Die Tischtennisspielerin aus Polen und die Langstreckenschwimmerin aus Südafrika treten sowohl bei den Sommerspielen als auch bei den Paralympics an. «Für mich ist ein Traum wahr geworden. Das ist ein neuer Anfang», sagte Partyka, für die am kommenden Mittwoch der Mannschaftswettbewerb beginnt. Die 19- Jährige kam schon mit einer Behinderung zur Welt: Ihr fehlt der rechte Unterarm. Mit links muss daher jeder Handgriff sitzen - auch die Schmetterbälle an der Tischtennisplatte.

Die Jahre der Sommerspiele und Paralympics hatten für Partyka immer eine ganz besondere Bedeutung: 1996, mit sieben, entdeckte die kleine Natalia Tischtennis als «ihren» Sport. Als Elfjährige war sie 2000 in Sydney die jüngste Teilnehmerin an Behinderten-Spielen überhaupt. Aus Athen kehrte sie vor vier Jahren mit Gold und Silber von den Paralympics zurück, diesmal nimmt die Linkshänderin den Kampf gegen ihre nicht gehandicapte Konkurrenz auf. Im Teamwettbewerb trifft sie dann auch auf Gegnerinnen aus China und Deutschland. «Das wird nicht leicht gegen sie - aber es sind Olympische Spiele.»

Im Gegensatz zu Partyka, die nach den Sommerspielen bis zu den Paralympics in Peking bleibt, hat Natalie du Toit im 10-Kilometer- Rennen sogar Medaillenchancen. Die Langstreckenschwimmerin hatte vor sieben Jahren bei einem Motorradunfall ihren linken Unterschenkel verloren, bei den Paralympics in Athen erkämpfte sie gleich fünfmal Gold und einmal Silber. Vier Jahre später, am vergangenen Freitag in Peking, wurde die 24-Jährige noch einmal für ihre grandiose Leistung
belohnt: Bei der Eröffnungsfeier trug Natalie du Toit die südafrikanische Fahne ins Nationalstadion.

«Schon seit meinem sechsten Lebensjahr habe ich davon geträumt, einmal zu den Olympischen Spielen zu kommen», versicherte die Südafrikanerin, die mit einer Beinprothese schwimmt. Du Toit und Partyka sind die ersten behinderten Sportler überhaupt, die einen olympischen «Doppelstart» wagen. Trotz ihres Handicaps meistert die Schwimmerin ihren Alltag bravourös und hat mit enormer Willenskraft auch im Sport längst das Größte erreicht. «Die Tragödie des Lebens liegt nicht darin, dass man sein Ziel nicht erreicht. Die Tragödie des Lebens liegt darin, dass man keine Ziele hat, nach denen man streben kann», erklärt sie ihre Philosophie.

Der bislang letzte behinderte Athlet, der eine Medaille bei Olympischen Spielen gewann, war der Ungar Karoly Takacs. Er holte
1948 Gold im Schießen und wiederholte seinen Olympiasieg 1952 praktisch «mit links», nachdem er bei einer Handgranatenexplosion die rechte Hand verloren hatte. Du Toits Landsmann Oscar Pistorius wird in Peking indes fehlen. Der beinamputierte 400-Meter-Läufer bekam vom Internationalen Sportgerichtshof CAS zwar «grünes Licht» für einen Start bei den Sommerspielen, schaffte aber die Normzeit nicht und wird in der chinesischen Hauptstadt nur bei den Paralympics starten.